Werke für die Ewigkeit
06.02.2026 Sarmenstorf, Region Unterfreiamt, KunstEric Meier hat sich als Steinbildhauer und Künstler selbstständig gemacht
Steine faszinieren ihn schon seit seiner Kindheit. Doch seinen Traumberuf konnte er erst über Umwege erlernen. Nun wagt Eric Meier mit 26 Jahren den Schritt in die ...
Eric Meier hat sich als Steinbildhauer und Künstler selbstständig gemacht
Steine faszinieren ihn schon seit seiner Kindheit. Doch seinen Traumberuf konnte er erst über Umwege erlernen. Nun wagt Eric Meier mit 26 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. «Ich will es probieren. Und glaube daran, dass es funktioniert», sagt er.
Chregi Hansen
Die einst russverschmierte Schlosserei erstrahlt wieder in Weiss. Alles ist fein geordnet und aufgeräumt. Für besonders staubige Arbeiten hat sich Eric Meier eine eigene Box samt Absaugvorrichtung gebaut. Nur der Amboss und der Kamin erinnern noch an das frühere Handwerk in dieser Werkstatt. «Ich habe viel Zeit und Energie in die Sanierung gesteckt. Und bin jedes Mal wieder stolz, wenn ich zum Arbeiten hierherkomme», sagt er.
Sein ganzes Erspartes investiert
26 Jahre ist der Sarmenstorfer letzte Woche geworden. Und doch hat er sich bereits selbstständig gemacht. In seinem Atelier steckt mehr oder weniger sein ganzes Erspartes. «Ich kann zum Glück noch zu Hause wohnen, sonst wäre das nicht möglich», sagt er. Auf einen neuen Steinbildhauer wartet niemand, das ist ihm bewusst. Die Aufträge flattern nur langsam rein. Aber Eric Meier hat den Glauben und Willen, diesen Weg zu gehen. «Es ist das, was ich schon immer machen wollte. Mit dem Auszug der Schlosserei hier hat sich die Chance ergeben. Die will ich nutzen», sagt der junge Mann. Jetzt gehe es eben darum, sich und seine Fähigkeiten bekannter zu machen. «Da hilft mir sicher, dass ich gut vernetzt bin in der Region.»
Schon als Kind fasziniert von Steinen
Wenn Meier von seiner Tätigkeit als Steinbildhauer spricht, kommt er ins Schwärmen. Es ist die Vielfalt der Materialien, die ihn fasziniert. «Jede Gesteinsart ist anders. Und man weiss nie, was im Innern zum Vorschein kommt», erklärt er. In seiner Ausbildung musste er vorwiegend mit Muschelkalk arbeiten. Jetzt freut er sich, mit ganz verschiedenen Materialien arbeiten zu können. Kürzlich konnte er bei einem Steinhauerkollegen mit Marmor arbeiten. Es ist diese Abwechslung, die er spannend findet. Zur Vielseitigkeit kommt noch die Beständigkeit. Es ist ein Material für die Ewigkeit. Zudem verzeiht der Stein kaum Fehler. «Kleinere Fehler lassen sich vielleicht noch ausbessern. Aber es ist das Ziel, eine perfekte Arbeit abzuliefern», sagt er. Dabei helfen eine gute Zeichnung und ein Gipsmodell. Aber letztlich bleibt es ein Handwerk, das hohe Präzision verlangt.
Schon als Kind war er fasziniert von Steinen. Auf der familieneigenen Alp im Wallis hat er sie gesammelt und mit ihnen gespielt. Und sein Grossvater war Mineraliensammler. Die Leidenschaft wurde ihm also sozusagen in die Wiege gelegt. Aber der Weg zu seinem Traumberuf verlief nicht geradlinig. Ursprünglich hat er Maurer gelernt – auch da hatte er mit Steinen zu tun. Wenn auch weniger kreativ. «Aber ich wollte einen Handwerksberuf erlernen. Und Steinbildhauer ist vermutlich nicht gerade das, was sich die Eltern für ihre Kinder wünschen», erzählt er lachend. Inzwischen hat er die Ausbildung zu seinem Traumberuf nachgeholt und konnte erste Erfahrungen im Atelier von Vittorio Fontanive in Villmergen machen. «Von ihm konnte ich sehr viel lernen. Es ist toll, dass er mich an seinem grossen Wissen teilhaben lässt.» Gern würde er sich mit anderen Bildhauern und Künstlern vernetzen. Aber es ist ihm auch klar, dass niemand auf einen Konkurrenten warte. «Ich bin überzeugt, dass von einem Miteinander alle profitieren.»
Als Steinbildhauer und Künstler bezeichnet sich Eric Meier auf seiner Homepage. Doch was von beidem trifft eher zu? Er mag sich nicht festlegen. «Für mich ist Steinbildhauerei mehr als nur ein Handwerk – es ist eine Kunstform, die Geduld, Präzision und ein tiefes Verständnis für das Material erfordert.
Geschichten sichtbar machen
Jedes Stück beginnt mit einer Vision und entwickelt sich durch sorgfältige Planung und handwerkliche Meisterschaft», sagt er. Jeder Stein sei einzigartig und erzähle seine eigene Geschichte – «es ist meine Aufgabe, diese Geschichte sichtbar zu machen und in Form zu bringen». Entweder als Auftragnehmer, der einen Kundenwunsch erfüllt. Oder aber als Künstler. Schon in der Ausbildung hat er zwei bemerkenswerte Werke abgeliefert – die Katze und der Tintenfisch sind quasi seine Visitenkarte. «Mit gefällt es, die Figuren so zu gestalten, dass sie über die Grundplatte herausragen, das ergibt einen ganz besonderen Effekt», strahlt er. Er will einfach kreativ tätig sein. «Heute beschränken sich viele kreative Berufe auf die Arbeit am Computer. Ich finde es wichtig, das alte Handwerk zu ehren», sagt er. Und darum will er schon bald erste Versuche mit Hammer und Amboss wagen – schliesslich steht ein solcher in seiner Werkstatt.
Wobei: Es sei möglich, dass er sich später einmal spezialisiere. Aber vorerst will er eine möglichst breite Palette an Arbeiten anbieten. Von kunstvollen Skulpturen über würdevolle Grabmale, Reliefarbeiten, Restaurierungen bis hin zu ganz individuellen Gartengestaltungen oder auch Natursteinmauern kann er alles anbieten. «Ich bin gerne im Garten aktiv.»
Kunstwerke für die Fasnacht
Weil sich das Auftragsbuch erst langsam füllt, bleibt ihm noch genügend Zeit für seine zweite Leidenschaft, die Fasnacht. Da ist er eben ein Sarmenstorfer durch und durch. Mit Freunden hat er vor einigen Jahren den Zirkus Sarminelli gegründet, für dessen Gestaltung er jeweils zuständig ist. Auch andere Fasnachtsgruppen geben einen Teil der Dekoration bei ihm in Auftrag. Auch wenn dabei kein Stein zum Einsatz kommt, liebt es das kreative Mitgestalten, beispielsweise beim Bau eines Wagens. «Vielleicht kann ich daraus auch mal ein Geschäftsmodell kreieren», lacht er. Was er in diesem Bereich leisten kann, sieht man beim Wagen der Wohler Gruppe Olympia.
Beim Aufbau des eigenen Geschäfts muss er sich auch mit Dingen beschäftigen, von denen er bisher keine Ahnung hatte, zum Beispiel die ganze Administration oder die Buchhaltung. «Aber ich habe viele, die mich unterstützen. Und ich bin bereit, das Wagnis einzugehen. Niemand kann sagen, ob es funktioniert. Aber wenn ich es nicht versuche, dann weiss ich es nie», meint er zum Schluss. Und mit dieser Einstellung hat er sowieso schon gewonnen.
Infos: www.ericmeier.ch

