Wann endet der Leidensweg?
23.01.2026 WohlenGemeindebibliothek: Sanierung und Erweiterung sind schon längst ein Thema – Gemeinderat gibt sich zurückhaltend
Der Standort ist gut, das Team ist engagiert und kompetent, aber die Verhältnisse in der Gemeindebibliothek sind ungenügend. ...
Gemeindebibliothek: Sanierung und Erweiterung sind schon längst ein Thema – Gemeinderat gibt sich zurückhaltend
Der Standort ist gut, das Team ist engagiert und kompetent, aber die Verhältnisse in der Gemeindebibliothek sind ungenügend. Modernisierung und Erweiterung lassen seit Jahren auf sich warten. Gibt es wieder Hoffnung? Vielleicht.
Daniel Marti
Sie ist beliebt, das Angebot ist vielfältig. Und die Gemeindebibliothek hat viel Charme – aber keine politische Lobby. Natürlich haben die Verantwortlichen Wünsche, was die Infrastruktur betrifft. Aber für zwei Tage stehen nun Feierlichkeiten im Vordergrund. Denn die Gemeindebibliothek feiert heute Freitag und morgen Samstag ihr 50-Jahr-Jubiläum.
Seit 50 Jahren ist die Bibliothek in der Liegenschaft Bankweg 2 einquartiert. Was anfänglich gut war, genügt schon seit mindestens zwei Jahrzehnten nicht mehr. Die Platzverhältnisse sind nicht nur zu knapp, sondern die Räumlichkeiten sind auch nicht behindertengerecht.
Die Leidenszeit ist zudem lang. Und bei möglichen Modernisierungsschritten haperte es immer wieder. Auch politische Vorstösse und Anregungen zeigten keine Wirkung. Mehr als Lippenbekenntnisse schauten nicht heraus. Eigentlich ein trauriges Kapitel. Und manchmal kommen sich die Menschen rund um die Gemeindebibliothek vergessen vor.
Petition mit über 1200 Unterschriften
Und es ist längst nicht so, dass die Bibliothek-Fans nur unter sich sind. Eine Petition aus dem Jahr 2011 forderte vom Gemeinderat konkrete Schritte für die Erweiterung der Gemeindebibliothek. Die Petition wurde von 1230 Personen unterzeichnet. Eine grosse Anzahl, bewirkt hat die Petition allerdings nichts.
Übrigens ein Jahr zuvor, also 2010, beantwortete der Gemeinderat im Rahmen einer Anfrage diverse kritische Punkte. Er gab damals zu, dass die räumliche Situation ungenügend sei und verschiedene Optionen geprüft würden.
Immerhin: Bereits vor über 15 Jahren war man sich im Gemeindehaus bewusst, dass der damalige Istzustand eigentlich nicht tragbar war. Der Zustand ist heute noch gleich.
Hoffnungen keimten dann 2012 auf. Die Einwohnerratsmitglieder Ariane Gregor (Mitte) und Jean-Pierre Gallati (SVP) reichten eine dringliche Motion ein. Die Parteien von Gallati, heute Regierungsrat, und Gregor, Gemeinderätin in den letzten acht Jahren, hätten eigentlich eine Mehrheit erzielen können im Bestreben, den Standort Bankweg 2 zu erweitern.
Konstant ist vor allem der Stillstand
Alle Parteien anerkannten damals den Raumbedarf der Gemeindebibliothek. Eine Mehrheit des Einwohnerrates (19:15) sprach sich aber dagegen aus, sich nur auf einen Standort zu konzentrieren. Zudem wurde vom Gemeinderat umgehend eine aussagekräftige Studie versprochen – die es allerdings nie gegeben hat.
Heute weiss man, dass keine anderen Lösungsmöglichkeiten für den Raumbedarf der Gemeindebibliothek als sinnvoll erachtet wurden. Keine angedachten Varianten (beim Strohmuseum und beim reformierten Kirchgemeindehaus) waren umsetzbar und politisch vertretbar.
Es gab also viel politische Bewegung rund um die Gemeindebibliothek in den letzten 15 Jahren. Konstant blieb aber nur ein wesentlicher Punkt: der Stillstand.
In der bewilligten Vorlage für den Occasions-Modulbau für die Erweiterung des Gemeindehauses wird die Problematik der Gemeindebibliothek wieder thematisiert. Die Flächen im Obergeschoss, jetzt als Sitzungszimmer genutzt, werden wieder frei. Und sind so eine Möglichkeit für die Erweiterung der Bibliothek. Damit allein ist noch nicht viel verbessert. Das Haus muss saniert werden und nur der Einbau eines Lifts würde die Bibliothek modern und zeitgemäss machen. Und behindertengerecht!
Gemeinderat äussert sich nicht mal zum aktuellen Stellenwert
Darum drängen sich jetzt Fragen auf: Beispielsweise pünktlich zum 50-Jahr-Jubiläum könnte sich der Gemeinderat, notabene in neuer Zusammensetzung, erklären, welchen Stellenwert die Gemeindebibliothek tatsächlich geniesst.
Aber da ist dem Gremium nichts zu entlocken: «Der Gemeinderat hat sich angesichts der erst begonnenen Legislaturperiode mit dieser Fragestellung bislang noch nicht vertieft auseinandergesetzt. Sie wird im Rahmen der anstehenden politischen und strategischen Diskussionen behandelt und findet gegebenenfalls Eingang in die Zielsetzungen der neuen Legislatur.»
Im Bericht und Antrag Occasions-Modulbau für die Erweiterung des Gemeindehauses wird zumindest angedeutet, dass im oberen Stock der Liegenschaft Bankweg 2 Platz frei werden könnte. Der Gemeinderat werde sich mit der Erstellung des Finanzplans «mit der Zukunft der Bibliothek befassen. Allfällige weitere Planungsschritte erfolgen nach einem entsprechenden politischen Entscheid», so die offizielle Redensart des Gesamtgemeinderates. Auskunft gibt es über das Ressort Präsidiales, das zu Gemeindeammann Roland Vogt zählt.
Die Beträge im Finanzplan …
Ähnlich defensiv gibt man sich im Gemeindehaus bei der Auseinandersetzung mit dem aktuellen Finanzplan. Dort sind 200 000 Franken für die Projektierung (in den Jahren 2025/2026) und 2 Millionen Franken für die Sanierung, die Umnutzung und Realisierung in den Jahren 2026 bis 2028 für die Liegenschaften Bankweg 2 vorgesehen.
Wird diese aufgezeigte Marschrichtung überhaupt eingehalten? Der Gemeinderat habe sich mit dieser Fragestellung «noch nicht vertieft befasst», lässt er ausrichten. «Ob und in welcher Form die aufgezeigte Marschrichtung weiterverfolgt wird, ist Gegenstand der anstehenden politischen und strategischen Diskussionen.»
Die Prioritäten des Gemeinderats werden dann im neuen und aktualisierten Finanzplan ersichtlich sein. Und dort wird der neue Gemeinderat sicherlich seine Haltung in vielen Fragen erkennen lassen. Im Finanzplan wird dann kommuniziert, wie lange der Leidensweg der Gemeindebibliothek noch andauern wird. Eine Prognose ist echt schwierig.

