Von «Södli» bis «Chüsenrainer»
14.04.2026 Muri, NaturBaumkronenpfad, Infopunkte, Degustation und viel Natur – «Muri blüht» begeistert
Die Landwirtschaft, vor allem den Obstbau näherbringen. Das war die Idee hinter «Muri blüht». Entstanden ist ein Rundweg, der viel Wissen vermittelt, ...
Baumkronenpfad, Infopunkte, Degustation und viel Natur – «Muri blüht» begeistert
Die Landwirtschaft, vor allem den Obstbau näherbringen. Das war die Idee hinter «Muri blüht». Entstanden ist ein Rundweg, der viel Wissen vermittelt, die Schönheit der Natur zeigt und die Menschen in Scharen anlockt.
Annemarie Keusch
19 Kilogramm Äpfel essen die Schweizerinnen und Schweizer jährlich im Durchschnitt. 114 Stück. Der Apfel ist die mit Abstand beliebteste Frucht. Es ist eine von unzähligen Tatsachen, die erfahren hat, wer am Wochenende «Muri blüht» besuchte. Wer den Rundweg unter die Füsse nahm, die Informationstafeln las. Und wer erlebte, mit wie viel Liebe zum Detail das OK um Stefan Frey «Muri blüht» auf die Beine stellten. «Achtung, steiles Gelände» steht etwa auf einer Tafel, bevor es für wenige Meter wirklich steil wird. Der Rundweg ist ausgemäht, mit Pfosten und Absperrband deutlich signalisiert. Die Pfeile lassen einen den Weg ganz automatisch finden.
Die Liebe zum Detail wird aber vor allem dann sichtbar, wenn es um die Protagonisten von «Muri blüht» geht: die Bäume. Über hundert sind beschriftet. Nicht einfach mit dem Namen: Adamsparmäne, Blauacher Wädenswiler, Aargauer Jubiläum oder Södli. Allein schon die Namen und deren Herkünfte wären wohl hundert spannende Geschichten. Zu allen verraten die «Muri blüht»-Macher Informationen. Etwa, dass der Chüsenrainer-Apfel im 19. Jahrhundert als Wildling im Kanton Luzern gefunden wurde. Oder dass die Magda-Kirsche auch bei Regen nicht so schnell aufplatzt. Oder dass die dünnen Äste des Södli-Apfels jeweils bei Vollertrag stark herunterhängen. «Was der Baum noch sagen will», so steht es geschrieben. Und wenn es beim Gelbmöstler einfach nur die Tatsache ist, dass die Früchte desselben den Geist des «Kafi Bluescht» lieferten.
Fünfmal mehr Vitamin C
Der Rundweg führt an ganz vielen Hochstamm-Obstbäumen vorbei. «Aber nur mit Hochstammbäumen könnte der Bedarf nicht gedeckt werden», sagt Hans Peter Frey. In der Bergmatten betreibt er Obstbau – bei «Muri blüht» gibt er sein Wissen in Stefan Freys Anlage weiter. «In solchen Anlagen können wir pro Hektare rund 40 Tonnen Früchte ernten.» Verschiedene Apfelschnitze, um die unterschiedlichen Sorten direkt zu vergleichen. Baumscheren und Mausefallen, um zu zeigen, welche Arbeiten in solchen Plantagen das ganze Jahr über nötig sind – die verschiedenen Infopunkte sind vielfältig.
Auch der Sodhof präsentiert seinen Betrieb, samt Dinkelzopf. Der Bienenzüchterverein Muri und Umgebung beleuchtet diesen Aspekt der Blüten. Auch die Spargelfelder entlang des Weges erhalten Aufmerksamkeit. «An schönen Tagen wachsen die Pflanzen bis zu fünf Zentimeter», weiss Lukas Bächler zu erzählen. Der Kirschenernte ist ein separater Infopunkt gewidmet. Der Biodiversität und der Sortenvielfalt ebenfalls. Stefan Freys Cousin David Beeler gibt hier sein Wissen weiter. Etwa darüber, dass die alte Apfelsorte Ananasreinette fünfmal mehr Vitamin C enthält als die neue Sorte Gala. Oder darüber, dass Streuobstwiesen nicht nur als einzigartiges Kulturgut für malerische Landschaften sorgen. Sondern dass sie auch Schatten und Wasserspeicherung in Hitzesommern des Klimawandels ermöglichen.
Viele Helfer im Einsatz
Und dann ist da noch der Baumkronenpfad. Hier geht es ganz nah an die Blüten – auf zehn Metern Höhe. Ein einmaliges Erlebnis. «Die Trillerpfeife blieb das ganze Wochenende ruhig», sagt Stefan Frey. Ermahnen, sich an die Regeln zu halten, mussten die Helferinnen und Helfer niemanden. Ein weiteres positives Zeichen. Dass geschätzt wird, was «Muri blüht» ermöglicht. Nicht zuletzt auch in der «Bluescht-Beiz», wo gemütliche Stunden verbracht werden – samt möglicher Degustation verschiedener Produkte.
1000 Besucherinnen und Besucher kamen am ersten Wochenende. Rund 60 Helferinnen und Helfer sind alleine in der Beiz im Einsatz – hinzu kommen jene an den Infopunkten. «Wir dürfen auf viel Unterstützung zählen», sagt Stefan Frey. Kein Nachbar, kein Landbesitzer, kein angefragter Verein – bei niemandem stiessen er und sein Team auf Gegenwind. Und die Besucherzahlen beweisens: beim Publikum erst recht nicht.
«Muri blüht» auch am nächsten Wochenende – am Samstag, 18., und Sonntag, 19. April, jeweils 10 bis 18 Uhr. Mehr Infos: www.muri-blueht.ch.



