Marco Huwyler, Redaktor.
«Weli Suppe chamer nöd ässe?», tönt es in diesen Tagen unablässig und lautstark bei mir zu Hause. «Findsches nöd use, dänn lueg veruse!» Ich habe den gesanglichen Vortrag ...
Marco Huwyler, Redaktor.
«Weli Suppe chamer nöd ässe?», tönt es in diesen Tagen unablässig und lautstark bei mir zu Hause. «Findsches nöd use, dänn lueg veruse!» Ich habe den gesanglichen Vortrag meiner Tochter schon so oft gehört, dass mir die Melodie auch bei der Arbeit nicht mehr aus dem Kopf geht. Zumal das Besungene zumeist auch zutrifft. Leider – im Lied geht es um die Nebelsuppe.
Eine ärgerliche und überaus ungerechte Erfindung von Petrus, das fand ich schon immer. Sind doch die Privilegierten, welche den Winter – oder nur schon ausgedehnte Ferien – in den Bergen geniessen dürfen, schon bevorteilt genug. Auch den Schnee haben sie meist exklusiv. Dann lasst uns doch wenigstens am Sonnenlicht teilhaben …
Allerdings soll dieser verflixte Nebel durchaus seine guten Seiten haben. Nicht nur für Poeten und Regisseure von Horrorfilmen. Darüber habe ich mich in einem wissbegierigen Moment schlau gemacht. Nebel versorgt nämlich unsere Pflanzen mit essenziellem Wasser in niederschlagsarmen Tagen. Er stabilisiert so die Wasserbilanz. Nebel sorgt für Luftfeuchtigkeit, was in moderatem Masse gesund ist für Mensch und Tier – gerade im Winter. Nebel ist ein Schutz vor Bodenfrost. Davon profitieren nicht nur Insekten und Pflanzen, sondern auch die Tierchen, welche ihre Nahrung von dort beziehen – beispielsweise Vögel.
Insgesamt ist er also schlicht positiv für die Natur. Was sich auch exemplarisch daran zeigt, dass an Orten, wo es konstant besonders viel Nebel hat (noch mehr als bei uns im Schweizer Flachland – auch wenn dies schwer vorstellbar scheint), einzigartige Tiere und Pflanzen entstehen. Ganze Nebelökosysteme soll es geben. Beispielsweise in Küstenregionen oder Gebirgen.
Denken Sie also an all jenes, wenn Sie zu jenen gehören, die wie ich die anstehenden Schulsportferien zu Hause verbringen werden und dabei Trübsal blasend auf die omnipräsente Nebelsuppe blicken. So schreibe ich diese Zeilen, während mir der kindliche Ohrwurm weiterhin im Kopf schwirrt, und versuche, mich für die herzigen Vögelchen zu freuen, die ich vom Fenster aus sehe. Ihnen geht es besser dank der Suppe, die man nicht essen kann. Das ist tröstlich. Aber ein bisschen Schnee und Sonne in den nächsten Tagen, auch bei uns Daheimbleibenden, wären dann trotzdem ganz nett.