Unmut führt zu Fragen-Flut
23.01.2026 Wohlen, BaugewerbeAnfrage von Manfred Breitschmid, SVP, zum Bauprojekt der Stach Investment AG
Die Baubewilligung für das Projekt der Firma Stach AG am Freihofweg hat für viel Unverständnis gesorgt. Teile der Bevölkerung sind empört. Und SVP-Einwohnerrat Manfred ...
Anfrage von Manfred Breitschmid, SVP, zum Bauprojekt der Stach Investment AG
Die Baubewilligung für das Projekt der Firma Stach AG am Freihofweg hat für viel Unverständnis gesorgt. Teile der Bevölkerung sind empört. Und SVP-Einwohnerrat Manfred Breitschmid wird mit einer umfangreichen Anfrage politisch aktiv.
Daniel Marti
«In den letzten Wochen wurden viele Menschen in Wohlen durch das Bauprojekt und die erteilte Baubewilligung der Bauherrschaft Stach Investment AG aufgewühlt», schreibt Manfred Breitschmid in seinem Vorstoss. Ende Dezember wurde die Baubewilligung öffentlich.
«Ohne polemisch zu wirken», so Breitschmid weiter, «darf festgehalten werden, dass dieses Bauprojekt bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern von Wohlen auf erheblichen Unmut stösst.» Dies zeigt sich in Berichten und Leserbriefen in den Zeitungen, «die sich kritisch zu diesem Projekt äussern». Auch wenn mit der politischen Anfrage keine Änderung an der erteilten Baubewilligung erreicht werde, erachtet es der SVP-Einwohnerrat als wichtig, dass der Gemeinderat zu seinen Fragen Stellung nimmt. Es sind total 21 Fragen. Die Bevölkerung soll transparent über die Hintergründe und Überlegungen informiert werden.
Und er hält weiter fest: «Mit Beginn der neuen Legislatur des Gemeinderates wird die politische Verantwortung nicht einfach auf null gesetzt.» Es sei zudem festzuhalten, «dass die Mitarbeitenden der Bauverwaltung, Bereich Planung, Bau und Umwelt, nach wie vor dieselben Personen sind».
So will Breitschmid beispielsweise wissen, ob der Gemeinderat beziehungsweise die Bauverwaltung bei der Bearbeitung dieses Baugesuchs «an die Grenzen der fachlichen oder organisatorischen Leistungsfähigkeit» gelangt sind. Und wurde die Baubewilligung mit einem Umfang von 53 Seiten ausschliesslich durch die Bauverwaltung bearbeitet? Welche externen Personen, Fachstellen oder Unternehmen waren beteiligt? Wie hoch sind die effektiven Kosten der Gemeinde Wohlen im Zusammenhang mit der Bearbeitung und Erteilung der Baubewilligung?
Er fordert Klarheit bei den Ausnahmebewilligungen
Breitschmid will weiter wissen, wie der Gemeinderat die Tatsache beurteilt, dass gegen das Bauprojekt mehrere substanzielle Einwendungen von Anwohnern, Institutionen und Organisationen erhoben wurden, von denen keine zu einer Verhinderung oder Redimensionierung des Bauprojekts geführt hat. In welchem Zusammenhang stehen die erteilten Ausnahmebewilligungen zu diesem Ergebnis? Und inwiefern wurden die Einwendungen zu Verkehrssicherheit, Parkierung, Gewässerraum Bünz, Hochwasserschutz, Baumschutz sowie zur Ortsbildverträglichkeit in der Interessenabwägung berücksichtigt und gewichtet?
Ortsbild, Kernzone, Schutzobjekte, Isler-Areal
Ein kritischer Punkt ist das Thema Fachgutachten. Hier wird der SVP-Einwohnerrat konkret. Weshalb hat der Gemeinderat trotz der Lage in der Kernzone und der Nähe zu kommunal und kantonal geschützten Objekten (Villa Isler, ehemaliges Fabrikareal Bruggisser und Jacob Isler) auf ein unabhängiges Fachgutachten zur Ortsbildverträglichkeit verzichtet?
Dass sich zwei neue Mehrfamilienhäuser harmonisch in das bestehende Ortsbild einordnen, darf bezweifelt werden. Ein unabhängiges Fachgutachten einzuholen, da sind sich viele Involvierte einig, wäre wohl angebracht gewesen.
Fragen zu Verkehrserschliessung, Gewässerraum, Hochwasser- und Umweltschutz sowie Grundwasserverhältnissen beschäftigen den Lokalpolitiker ebenfalls. Der Stach-Bauinstallationsplatz soll auf dem Isler-Areal eingerichtet werden. «Ist die Gemeinde überhaupt verpflichtet, der Nutzung des Isler-Areals als Bauinstallationsplatz zuzustimmen, und auf welcher rechtlichen Grundlage beruht eine solche Verpflichtung?», fragt Breitschmid.
Beim Isler-Areal wird gleichzeitig das vorgesehene Baurecht (an Xaver Meyer AG) für das Isler-Areal durch die Nutzung als Bauinstallationsplatz beeinträchtigt. Ob nun der künftige Baurechtsnehmer zeitlich oder inhaltlich sogar eingeschränkt sei, lautet eine berechtigte Frage.
Entzug der Kompetenz nachvollziehbar
Zusammenfassend ist laut Manfred Breitschmid festzuhalten, dass es im Zusammenhang mit diesem Bauprojekt «zu Spannungen zwischen dem Gemeinderat und der Ortsbürgergemeinde gekommen ist. Vor diesem Hintergrund ist nachvollziehbar, dass mit dem Reglement über die Ortsbürgergemeinde an der Versammlung vom 14. Juni 2025 dem Gemeinderat die Kompetenz für künftige Geschäfte betreffend Grundstücke und Dienstbarkeiten entzogen wurde.»
Darum stellt Breitschmid noch eine weitere elementare Frage: Wäre das Stach-Bauprojekt ohne den im Jahr 2024 abgeschlossenen Dienstbarkeitsvertrag zwischen Gemeinderat und Bauherrschaft realisierbar gewesen, oder stellte dieser Vertrag einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung des Projekts dar? Nun hofft der SVP-Einwohnerrat, dass der Gemeinderat aus der hohen öffentlichen Resonanz und den zahlreichen kritischen Rückmeldungen zu diesem Projekt seine Lehren ziehen wird.

