Teil-Kapitulation vor WC-Vandalen
13.01.2026 BremgartenÖffentliche Toiletten-Anlage am Obertorplatz zunehmend verschandelt
Bremgarten hat ein Problem mit Vandalismus – das zeigt sich exemplarisch bei der öffentlichen WC-Anlage am Obertorplatz, wo die Stadt unlängst im Katz-und-Maus-Spiel mit den ...
Öffentliche Toiletten-Anlage am Obertorplatz zunehmend verschandelt
Bremgarten hat ein Problem mit Vandalismus – das zeigt sich exemplarisch bei der öffentlichen WC-Anlage am Obertorplatz, wo die Stadt unlängst im Katz-und-Maus-Spiel mit den Tätern das Handtuch warf.
Marco Huwyler
Es verging jeweils keine Woche. «Eben noch hatten wir die Anlage umständlich und gründlich gereinigt, da war sie schon wieder verwüstet», seufzt Stefan Walder. Der Leiter Abteilung Bau hat deshalb gemeinsam mit der damaligen Ressortvorsteherin Doris Stöckli noch im November des alten Jahres die Notbremse gezogen. «Irgendwann sagten wir uns – so geht es nicht weiter», erklärt Walder. Und so hat man beschlossen, die Anlage nur noch oberflächlich zu reinigen. Schmierereien werden stehen gelassen. «Eine Ausnahme bilden sexistische und rassistische Motive, die wir nach wie vor nicht dulden», sagt Walder. Doch abgesehen davon hat man angesichts des Ausuferns kapituliert. «Wir hatten letztlich kaum eine andere Wahl. Die Kosten wären sonst aus dem Ruder gelaufen.»
Genau beziffern kann Walder die Höhe der Summe nicht, welche die Vandalen verursachten. Doch allein der Schaden durch Schmierereien habe in den letzten Jahren einen signifikanten vierstelligen Betrag erreicht und hunderte Arbeitsstunden gekostet. Hinzu kommen weitere kostspielige Vandalendelikte, wie beschädigte Brünneli und WC-Schüsseln, herausgerissene Halterungen, eine kaputtgemachte Lichtbauwand usw.
Videoüberwachung schwierig
«Es ist uns nicht leicht gefallen», sagt Walder über den Entscheid. Denn er widerspricht der sonstigen städtischen Praxis, Schmierereien bei Bekanntwerden baldmöglichst wieder entfernen zu lassen. Im Falle einer WC-Anlage habe solches im Übrigen abgesehen vom Ästhetischen auch praktische Gründe. «Denn das Inventar ist schwerer zu reinigen, wenn es versprayt ist», erklärt Walder. Ausserdem widerstrebt es der Stadt grundsätzlich, gegenüber Vandalen klein beizugeben. Doch etwas gegen die Untaten zu tun, ist schwierig bei einer WC-Anlage. «Einen solch intimen Ort kann man logischerweise im Innern nicht videoüberwachen lassen», sagt Walder. Und selbst im Aussenbereich wäre solcherlei ziemlich kompliziert. «Weil es sich um öffentlichen Grund handelt.» Eine Bewilligung müsste deshalb nach ausführlicher Begründung durch die Stadt und vorgängiger Gutheissung vom Kanton erfolgen. Darüber hinaus fallen bei Videoüberwachung hohe Kosten an, die dem städtischen Sparkurs widerstreben.
Keine Kollektivstrafe – WC soll bleiben
Die jetzige Lösung ist deshalb pragmatisch und die am besten Gangbare, wie Walder findet. «Wir haben diverse Möglichkeiten diskutiert. Von kostenpflichtigem WC-Besuch bis hin zur Schliessung der Anlage.» Doch solcherlei habe man schliesslich verworfen. «Wir möchten nicht wegen ein paar wenigen die ganze Bevölkerung abstrafen», begründet der städtische Abteilungsleiter. Zudem wäre zu befürchten, dass sich das Problem am Obertor der gut frequentierten Lage wegen einfach verlagern würde. «Schliesslich bedient ein WC ein urmenschliches Bedürfnis», wie Walder festhält. Ein vermehrtes wildes Urinieren rund um den Obertorplatz möchte man im Rathaus aber verständlicherweise verhindern.
Rückgang nach dem Rückzug
Die Massnahme mit der reduzierten Entfernung der Schmierereien bei der Obertor-Liegenschaft gilt bis auf Weiteres. Drastischere Massnahmen würden nur ergriffen, wenn die Vandalismus-Fälle weiterhin ausarten. «Dann müssten wir die Anlage wohl schweren Herzens zumindest zeitweise doch schliessen», sagt Walder.
Die ersten Erfahrungen zeigen jedoch Gegenteiliges. Seit dem Beschluss der Stadt im November wurden weniger neue Schmierereien und Kleber angebracht. Als würden die Täter die Freude an ihrem «Spiel» ohne Gegenpart verlieren – oder ihre eigenen Schriftzüge nicht wieder übermalen wollen. Was wiederum die Vermutung bestätigen würde, dass es sich um eine kleine, immer gleiche Täterschaft handelt.
Hinweise gefragt
So oder so – Walder ist dankbar, wenn die Bevölkerung auffälliges Verhalten von Individuen rund um die Anlage meldet. «Denn nur wenn die Polizei Hinweise erhält, kann erfolgreich ermittelt werden.» Damit die Vandalen für ihr regelmässiges übles Treiben dereinst vielleicht doch noch Rechenschaft ablegen müssen – und man auch in der Bremgarter Öffentlichkeit wieder ein unverschmiertes stilles Örtchen aufsuchen kann.


