Stiller Ort der Einkehr
01.05.2026 Büttikon, Region Unterfreiamt, KircheAm Samstag feiert Büttikon den 330. Geburtstag der Kapelle
Sie ist das älteste Gebäude im Dorf. Aber noch immer ein wahres Schmuckstück. Dass dies so bleibt, dafür sorgt seit 1949 der Kapellenverein. Am Samstag sind alle zum Familiengottesdienst ...
Am Samstag feiert Büttikon den 330. Geburtstag der Kapelle
Sie ist das älteste Gebäude im Dorf. Aber noch immer ein wahres Schmuckstück. Dass dies so bleibt, dafür sorgt seit 1949 der Kapellenverein. Am Samstag sind alle zum Familiengottesdienst geladen.
Chregi Hansen
Jörg Sax kennt die lange Geschichte der Büttiker Kapelle bestens. «Es ist erstaunlich, was die Bewohner eines kleinen Bauerndorfes immer wieder geleistet haben für den Erhalt dieses Gebäudes», sagt der Architekt. So wurden beispielsweise 1955 aus Anlass der Gesamtrenovation rund 2600 Arbeitsstunden durch Büttiker Männer geleistet. Laut Chronik haben diese Männer nach Abschluss der Arbeiten aus Begeisterung über die Schönheit der Kapelle spontan «Grosser Gott, wir loben dich» gesungen.
Solche Anekdoten gibt es einige im Zusammenhang mit diesem Gotteshaus. Einige von ihnen hat Jörg Sax in den vergangenen Wochen gesammelt und zu einer kleinen Dokumentation zusammengestellt. Anlass ist das 330-Jahr-Jubiläum, das am Samstag gefeiert wird. «Wir tun dies in einem einfachen Rahmen mit einem Familiengottesdienst um 18 Uhr», sagt Lucia Bütler, die Präsidentin des Kapellenvereins. Gleichzeitig wird der Hochaltar nach erfolgter Reinigung und Restaurierung wieder gesegnet. Beim anschliessenden Apéro können dann die gefundenen Dokumente besichtigt werden.
Die Sache mit dem Beichtstuhl
Die Geschichte der Büttiker Kapelle ist gut dokumentiert. Und doch stossen die Verantwortlichen immer wieder auf Überraschungen. So wurde kürzlich bei der Reinigung ein Stuhl gefunden, der 1946 für die Beichte gespendet wurde – obwohl es im Innern gar keinen Beichtstuhl gibt. «Auf der Unterseite ist schriftlich festgehalten, dass dieser Stuhl die Kapelle Büttikon nie verlassen soll», erzählt Bütler schmunzelnd. Sie hat als Präsidentin etliche Ordner mit alten Unterlagen zu Hause. Für das Jubiläum hat sie diese Architekt Jörg Sax zur Verfügung gestellt. Dieser hat vor Kurzem die Geschichte des ersten Schulhauses des Dorfes aufgearbeitet, das sich direkt neben der Kapelle befand – inklusive einer kleinen Wohnung für den Kaplan der Kapelle. Kein Wunder, interessierte er sich nun auch für die Kapelle selber. «In meiner beruflichen Karriere war ich in viele Projekte mit historischen Bauten oder Kirchen involviert», sagt er.
Für viele eine grosse Bedeutung
Natürlich hat er auch so manche persönliche Erinnerung. Etwa an das grosse Fest 1966. Damals wurde eine komplette Aussenrenovation mit Turm- und Dachumbau vorgenommen und eine der beiden Glocken ersetzt. Gleichzeitig wurde das Jugendfest gefeiert und ging der langjährige Dorflehrer Gottlieb Scherer in Pension. «Die Gemeinde hat alle drei Ereignisse in ein Fest gepackt», erzählt Sax. Überhaupt wurden die Arbeiten an und in der Kapelle immer wieder zum Anlass genommen zum Feiern. So auch 2017 nach der erfolgten Restauration. «Die Kapelle hat eine grosse Bedeutung für das Dorf. Viele Menschen besuchen sie regelmässig, um dort einzukehren, die Stille zu geniessen oder zu beten. Darum ist der Verein auch bemüht, dass sie immer in einem guten Zustand ist», macht die Präsidentin deutlich.
Gebaut wurde sie 1696. Schon zuvor gab es im Dorf eine Kapelle, eine solche wird etwa im Zinsbuch des Klosters Muri Mitte des 14. Jahrhunderts erwähnt. Noch 1611 wurde der Chor der alten Kapelle renoviert. 1965 wurde dann die heutige Anlage gebaut und ein Jahr später eingeweiht. Ursprünglich zu Ehren von Johannes dem Täufer, später dem Heiligen Nikolaus, der heute noch als Kirchenpatron verehrt wird. Ursprünglich war die Kapelle im Besitz der Ortsbürger, 1948 übertrug man sie dem neu gegründeten Kapellenverein. Dieser sorgt nicht nur für den Unterhalt, sondern organisiert auch regelmässig Anlässe. Einmal im Monat wird ein Gottesdienst gefeiert, dafür kommt der Villmerger Pfarrer nach Büttikon. Immer mal wieder finden Konzerte, Lesungen oder andere Anlässe statt. Mit Platz für rund 100 Personen eignet sie sich aber auch für Hochzeiten.
Hilfiker tritt zurück, aber bleibt Sakristan
Der Kapellenverein lebt vom Engagement seiner Mitglieder. Einer sticht dabei besonders hervor. An der GV von letzter Woche trat Ernst Hilfiker nach 38 Jahren aus dem Vorstand zurück – bleibt aber vorerst weiterhin Sakristan. «Er ist Gold wert für unseren Verein. Er ist immer zur Stelle, wenn es Hilfe braucht», lobt Bütler. Es spricht zudem für ihn, dass er zwar seinen Rücktritt gab, aber dem Neuen im Vorstand beratend zur Seite steht. «Wir können ihm eigentlich nicht genug Danke sagen», so die Präsidentin.


