Sie probieren es einfach aus
13.02.2026 Benzenschwil, Region Oberfreiamt, GewerbeAuf dem Lindenhof der Familie Vollenweider in Benzenschwil werden Kichererbsen verarbeitet
Im April gesät, im Herbst geerntet und jetzt verarbeitet. Kichererbsen sind der neuste Betriebszweig des Lindenhofs in Benzenschwil. Fabian Vollenweider und Andreas Hediger ...
Auf dem Lindenhof der Familie Vollenweider in Benzenschwil werden Kichererbsen verarbeitet
Im April gesät, im Herbst geerntet und jetzt verarbeitet. Kichererbsen sind der neuste Betriebszweig des Lindenhofs in Benzenschwil. Fabian Vollenweider und Andreas Hediger sprechen über die Vorzüge der Kichererbsen, gestehen aber auch, dass der Markt zuerst aufgebaut werden muss.
Annemarie Keusch
Hummus und Falafel. Zwar sind es exotische Gerichte, haben aber längst Einzug in die heimischen Küchen erlangt. Beide Produkte gibt es beim Grossverteiler in stattlicher Auswahl zu kaufen – auch eingemachte Kichererbsen, um selber Falafel herzustellen. Nur ein ganz kleiner Teil wurde bisher nicht aus dem Ausland importiert. Das soll sich aber ändern, zumindest wenn es nach den Vollenweiders in Benzenschwil geht. Letztes Jahr pflanzten sie zum ersten Mal Kichererbsen an, aktuell läuft die Verarbeitung, in Bälde sollen die Produkte nicht nur in ihrem Online-Shop und in ihrem Hofladen erhältlich sein, sondern auch in den Läden der Region. «Kein einfacher Weg», weiss Fabian Vollenweider, der den Landwirtschafts-betrieb zusammen mit seinem Bruder Raphael führt.
Neues zu wagen, das ist für die Vollenweiders und ihr Team von bis zu 15 Leuten nichts Neues. Ihr Hof ist divers aufgestellt: Milchvieh, eigene Käserei, Weideschweine und -beef, Legehennen, Gemüse, Obst, Beeren, eigene Backstube, Ackerbau, Imkerei. Der Blick in den Hofladen zeigt ihr riesiges Sortiment an frischen und verarbeiteten Produkten. Auch in den Dorfläden der Region sind sie präsent, mit einigen Produkten gar im Grossverteiler. Seit wenigen Wochen nun gibt es drei neue Produkte im Hofladen: getrocknete Kichererbsen, Hummus und eingemachte Kichererbsen. «Der Absatz läuft gut», sagt Fabian Vollenweider. Zudem seien auch die Rückmeldungen bestens.
Rund zwei Tonnen geerntet
Ideen für neue Betriebszweige, auf dem Lindenhof entstehen sie ganz oft am Znüni-Tisch. Auch diese. «Dann probierten wir es einfach.» Weil sie gegenüber anderen Landwirten den grossen Vorteil haben, kein Partner für die Verarbeitung und für den Vertrieb zu suchen – das machen sie auf dem Lindenhof alles selber. Im April wurden die Kichererbsen gesät, im Herbst gereinigt. Fabians Bruder Raphael betreute die Kultur auf dem Feld. «Die Ernte war gut, obwohl es für diese Kultur fast zu nass war im Sommer», sagt Fabian Vollenweider. Die Unkompliziertheit der Kirchererbsen ist einer der grossen Vorteile. Sie kommen mit trockenem und heissem Wetter zurecht. Und sie sind robust, Pflanzenschutzmittel braucht es nicht. «Die Herausforderung liegt beim Unkraut», gesteht Vollenweider. Jäten auf einer Fläche von 1,5 Hektaren ist nicht sinnvoll. Direkt nach der Saat und vor dem Keimen der Pflanzen einmal Herbizid zu spritzen, das ist die momentan beste Lösung. Künftig wollen sie ganz darauf verzichten, entsprechende Versuche laufen.
Haltbarkeit als grosse Herausforderung
Rund zwei Tonnen Kichererbsen wurden mit dem Mähdrescher geerntet. In der Eichmühle in Beinwil wurden sie vorgereinigt und getrocknet, später nochmals gereinigt und sortiert und die Erbsen, die zu Hummus verarbeitet werden, geschält. «Wir schätzen sehr, dass die Eichmühle so innovativ unterwegs ist und auch die Verarbeitung ungewöhnlicher Kulturen anbietet», sagt Andreas Hediger. Seit rund vier Jahren ist der Lebensmitteltechnologe Teil des Lindenhof-Teams.
Hediger beschäftigt sich vor allem mit den Rezepturen und der Lebensmittelsicherheit. Und er verarbeitet die gereinigten und geschälten Kichererbsen zu Hummus. Ein Cutter macht aus den Zutaten – neben Kichererbsen verschiedene Gewürze (Salz, Pfeffer, Kümmel, Knoblauch), Sesampaste, Öl und Wasser – eine feine Masse. «Eine geschmacklich gute Rezeptur zu erarbeiten, war nicht die grösste Herausforderung», sagt er. Schwieriger war es, eine Haltbarkeit zu erreichen. Pasteurisieren ist die Lösung, aktuell noch im Wasserbad, bald schon im neu angeschafften Kombi-Steamer. Vorher müssen die Erbsen noch gekocht, nachher in die Gläser abgefüllt werden.
Produziert werden könnte auf dem Lindenhof viel Hummus. Noch lagert ein Grossteil der Kichererbsen im temperierten Raum. «Wir wissen noch nicht, ob wir nächsten Frühling wieder Kichererbsen anpflanzen», sagt Fabian Vollenweider. Nicht, weil er nicht an den Erfolg der Kichererbsen und ihrer Produkte glaubt – im Gegenteil. Er weiss aber, dass es Zeit braucht, neue Produkte zu lancieren und gerade bis in die Regale der Grossverteiler zu bringen. «Wenn der Absatz bald steigt, säen wir im April wieder, sonst reichen unsere Reserven und wir setzen ein Jahr aus.» Zuerst müssen Detailhandel und Kundschaft überzeugt werden. Das tut das Lindenhof-Team nicht alleine, sondern als Mitglied des Vereins Schweizer Hülsenfrüchte. Seit rund zwei Jahren gibt es diesen. Hülsenfrüchte präsenter zu machen, besonders jene, die in der Schweiz produziert werden, ist eines der Ziele.
Weitere Ideen sind da
Denn Hülsenfrüchte, zu denen die Kichererbsen gehören, sind gesund. Unter anderem reich an Eiweiss und mit hoher Nährstoffdichte. Und sie bieten auch den Landwirten einiges. Nicht nur, weil sie Wärme und Trockenheit gut vertragen und robust sind. «Sie führen Stickstoff zurück in den Boden und sind darum sehr wertvoll für unsere Böden und unsere Fruchtfolge», hält Fabian Vollenweider fest.
«Es macht grossen Spass», sagt Andreas Hediger. Aus den Kichererbsen verschiedenen Produkte zu erarbeiten, erfülle ihn. «Vor allem auch, weil ich selber oft und gerne Kichererbsen esse und überzeugt bin, dass dieses Lebensmittel viel Zukunft hat.» Mit getrockneten und eingemachten Kichererbsen und mit Hummus will das Lindenhof-Team mit drei Produkten den Markt erobern. Und weitere Ideen sind in der Pipeline, etwa für eine Fertigmischung, um Falafel anzurühren. An Ideen wird es auf dem Hof in Benzenschwil auch in Zukunft nicht mangeln.
Mehr Infos: www.lindenhofdirekt.ch.


