Ordnung ist auch Faszination
03.03.2023 WohlenSie ist in Wohlen aufgewachsen, leitet seit zehn Jahren die Medienarbeit der Regionalen Musikschule Wohlen und seit knapp einem Jahr hat sich Ramona Lackner ihrer neuen Faszination verschrieben. Sie schafft Ordnung und arbeitet als selbstständiger Ordnungscoach. --dm
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Sie ist in Wohlen aufgewachsen, leitet seit zehn Jahren die Medienarbeit der Regionalen Musikschule Wohlen und seit knapp einem Jahr hat sich Ramona Lackner ihrer neuen Faszination verschrieben. Sie schafft Ordnung und arbeitet als selbstständiger Ordnungscoach. --dm
Die Ordnungsexpertin
Ramona Lackner arbeitet als selbstständiger Ordnungscoach – hier kann sie Organisationstalent und Kreativität einsetzen
Man soll sich nicht von den Dingen und seinem Besitz beherrschen lassen, sondern sich freimachen. Dieser Ratschlag stammt von Ramona Lackner. Sie ist Ordnungscoach – und dieses neue Berufsfeld sei faszinierend. Und wer Ballast abwirft, kann mit Leichtigkeit durchs Leben.
Daniel Marti
Alles gut, alles in Ordnung? Eine beliebte Frage. Die Antwort ist dann oft belanglos oder oberflächlich. Ganz anders bei Ramona Lackner. Sie bringt den Menschen Ordnung bei, vor allem bei ihnen zu Hause, vielleicht mündet es auch in der guten Ordnung fürs Leben. Logisch, sie selbst ist ordnungsliebend. «Sehr sogar», betont sie. Ramona Lackner arbeitet als selbstständiger Ordnungscoach. Sie gibt Tipps, Ratschläge, sie schärft den Blick für das Wesentliche.
Es geht ums Bewusstsein
Denn Unordnung zu Hause kann belastend und unangenehm sein – im normalen Alltag und auch psychisch. Ein Chaos ist meistens störend. Als Ordnungscoach sorgt Ramona Lackner für Ordnung im persönlichen Umfeld ihrer Kunden. Die 36-Jährige ist Ordnungsexpertin.
Äussere und innere Ordnung spielten ineinander, erklärt sie weiter. Es gibt Gegenstände, die überf lüssig oder mit schlechten Erinnerungen belastet sind. Da kann die Frage «Warum hängst du daran?» auch psychologisch bereits einiges auslösen. «Aber», fügt sie gleich an, «ich bin keine Psychologin. Die Veränderung, die mit den Menschen durch meine Arbeit geschieht, ist für mich aber das eigentlich Faszinierende an der Sache.»
Oft zeigt bereits ein Blick in den Kleiderschrank einen ersten Eindruck. Nicht alle Menschen, die sich durch Unordnung kämpfen, besitzen automatisch zu viel. Reduzieren ist auch nicht das einzige und primäre Ziel. Ballast abwerfen führt zu Leichtigkeit. Aber: «Es geht ums Bewusstsein, warum man welche Gegenstände, Waren oder Kleider besitzt, und um die Frage, ob sie einem auch Freude machen. Nur wer darauf keine klare Antwort hat, kann dauerhaft Ordnung halten – wortwörtlich und im übertragenen Sinn.»
Leidenschaft fürs Ausmisten
Ramona Lackner hilft also beim Aufräumen und auf dem Weg zum persönlichen Wohlsein. Sie tut dies in Wohnungen, aber auch in Büros. Es können auch Handys oder Computer sein, die einen Ordnungsschliff benötigen, damit der Überblick oder der Durchblick wieder vorhanden ist. Die Ordnungsexpertin lebt nach einem eigenen Massstab: «Wenn sich mein Organisationstalent mit meiner Leidenschaft fürs Ausmisten paart, sich mein Sinn für Minimalismus und Nichtstun mit der sprühenden Kreativität zusammentun und ich mein Gespür für Menschen mit meiner Freude an Beratung zusammenbringen kann, dann sind wir relativ nahe an der Definition von Ordnungsexpertin dran», schreibt sie auf ihrer Homepage.
Ihr Angebot ist jeweils persönlich zugeschnitten und dreigeteilt: Ordnungscoaching (das Problem gemeinsam an der Wurzel packen); Ordnungsservice (die Arbeit macht der Profi, der Kunde entspannt); Hilfe für Messies (wie schafft man es, das Problem in den Griff zu bekommen). Coaching und Service – hier weist Lackner bereits viel Erfahrung auf. Der Bereich Messie ist dagegen im Aufbau (siehe Artikel unten).
Starke Bindung zur Musikschule
Als Ordnungscoach aktiv ist Ramona Lackner seit etwas mehr als einem Jahr. Aufgewachsen in Wohlen, lebte sie über 26 Jahre lang in der grössten Freiämter Gemeinde. Sie besuchte die Kanti, studierte Germanistik, arbeitete sieben Jahre lang als Deutschlehrerin in Zürich und auch als Redaktorin bei einem Verlag. Durch diese Arbeit kam es zum Engagement bei der Regionalen Musikschule Wohlen, wo sie die Leitung der Medienarbeit innehat. Seit vier Jahren wohnt sie in Wetzikon, die 10-jährige Tätigkeit bei der Regionalen Musikschule Wohlen stellt für sie jedoch eine starke Bindung zu ihrem ehemaligen Wohnort dar.
Die Anfänge der Idee für ein Ordnungsbusiness gehen zurück auf den Beruf als Lehrerin. «Das Begleiten, Anleiten und Unterstützen von Erwachsenen hat mich immer begeistert. Es kam aber der Wunsch auf, dies künftig auf einer persönlichen Ebene zu tun.» Und der Lehrerberuf führte auch zur folgenden Erkenntnis: «Dein persönliches räumliches Umfeld ist massgeblich entscheidend für Erfolg oder Nichterfolg.»
Wenn jede Person mit sich im Reinen sei, davon ist Lackner überzeugt, dann ist auch die Welt ein Stück besser, eben in Ordnung. Und die perfekte Ordnung, gibt es die überhaupt? «Die ist individuell», sagt sie, «es gibt Leute, die wollen nur weisse Wände um sich herum, damit es ihnen wohl ist.» Gleichzeitig gibt es jedoch Menschen, die brauchen das Chaos, um aufzublühen. «Das ist nicht weiter schlimm. Wenn ihr Leben so funktioniert, ist das okay.» Oft setzt beim chaotischen Umfeld dann doch irgendwann der Leidensdruck ein, das sei entscheidend. Dann sind auch solche Menschen bei der Ordnungsexpertin in den richtigen Händen.
Wichtigste Werte: Freiheit und Selbstbestimmtheit
Das Berufsfeld des Ordnungscoachs gibt es noch nicht so lange, deshalb beschränkt sich der Konkurrenzkampf gegenwärtig noch auf den Raum der Stadt Zürich. Leute mit einem Ordnungsproblem gibt es jedoch überall. Inzwischen wird auch eine Ausbildung zum Ordnungscoach angeboten. Die ist für Ramona Lackner (noch) kein Thema. Sie will zuerst ihr eigenes Ding durchziehen und selbst ihre Ziele erreichen. «Das hat viel mit meinen persönlich zwei wichtigsten Werten zu tun – Freiheit und Selbstbestimmtheit. Sie sind für mich in meinem Tun eine Leitplanke, aber genauso möchte ich diese Werte meinen Kunden mitgeben.»
Die Ordnungsexpeterin konkretisiert: «Man soll sich nicht von den Dingen und seinem Besitz beherrschen lassen, sondern sich freimachen davon und selbst entscheiden, was noch einen Platz im eigenen Leben verdient und was nicht.» Dies bedeutet rein nach Ramona Lackner auch: mehr Klarheit, mehr Freiheit, mehr Flow im Alltag, mehr Energie.
Bei der Kundschaft will sie ihren Optimierungsblick und ihr Motto anwenden. «Machs dir leicht – damit fällt auch vieles leichter.» So kann sie durchaus zur Hoffnungsträgerin werden. «Das ist zwar ein wenig übertrieben», entgegnet sie. Ramona Lackner richtet sich nach dem Bedürfnis der Kundschaft, die in den meisten Fällen weiblich ist. «Ich kann nicht anders, als ein jeweiliges Chaos wieder in Ordnung bringen.» Unordnung sei für sie wie ein Magnet, der Prozess von Chaos zu Struktur immer wieder von Neuem eine Faszination.
Weitere Informationen: www.ramonalackner.com
Die nächste Nische besetzen
Auch im Angebot: Hilfe für «Messies»
Ordnungscoaching und Ordnungsservice – das sind die beiden Eckpfeiler der Angebote von Ramona Lackner. Ein weiteres Thema ist das Messietum. Personen mit dem Messie-Syndrom fällt es dauerhaft schwer, sich von Dingen zu trennen oder sie zu entsorgen, sodass sich die Gegenstände ansammeln und den Wohnraum so sehr zustellen, dass er nicht mehr nutzbar ist. Messietum ist zudem ein komplexes Geflecht aus Zuständen und Verhaltensweisen. Das Thema ist oft mit Scham behaftet – weil sich eben das ganze Leben dermassen ungeordnet stapelt.
Bei Messies können sich wahre Abgründe auftun. «Darum ist bei diesen Menschen eine psychologische Begleitung Voraussetzung für ein Ordnungscoaching», so Ramona Lackner. Und bei Messies müssen beide Seiten bereit sein, genau hinzuschauen: «Mir ist es wichtig, Betroffenen wertund vorurteilsfrei zu begegnen – Offenheit statt Schamgefühle.» Die Frage, warum eine Person in einem solchen Chaos lebt, ist nicht immer einfach zu beantworten. Verlustängste können laut Lackner bis in die Kindheit zurückgehen. Deshalb müsse sich auch ein Ordnungscoach mit Betroffenen intensiver befassen. Menschen mit dem Messie-Syndrom zu betreuen, sei für sie der nächste Schritt, um eine weitere Nische zu besetzen. «Angehörige sind mit der Hilfe oft überfordert. Als Aussenstehende kann ich auch da Entlastung anbieten», fügt sie an. Um bei der Arbeit mit Messies erfolgreich zu sein, das weiss Ramona Lackner, «müssen grosse Hürden überwunden werden». Aber es sei sehr spannend, auch die Bedürfnisse von Messies zu begleiten, noch tiefer in die Psyche und Beweggründe zu schauen. «Ich bin bereit dazu.» --dm



