Opfer von Sabotage
12.06.2026 Sport, Weitere SportartenTriathlon: Die Freiämterin Cécile Treier erlebt an der Ironman-EM Unerwartetes
Ein halbes Jahr hat Cécile Treier aus Berikon für die Ironman-EM in Hamburg trainiert – und wollte im Titelrennen ein Wörtchen mitreden. Doch es kam anders: ...
Triathlon: Die Freiämterin Cécile Treier erlebt an der Ironman-EM Unerwartetes
Ein halbes Jahr hat Cécile Treier aus Berikon für die Ironman-EM in Hamburg trainiert – und wollte im Titelrennen ein Wörtchen mitreden. Doch es kam anders: Unbekannte haben auf der Rennstrecke Metallsplitter auf die Strasse gestreut und so über 100 Athleten ausgebremst. Darunter auch Treier.
Nach über 10 Stunden Leiden, Rennen und Schwitzen hat die Freiämterin ihre positive Art nicht verloren. «Kopf hoch und weiter gehts. Eigentlich ist die Vorbereitung und das Training mit meinen Kollegen viel wichtiger als das eine Rennen an sich», sagt die 48-jährige Cécile Treier nach der Ironman-EM in Hamburg.
«Ohne Platten hätte ich um den EM-Titel laufen können»
Ein Sabotageakt verhinderte, dass sie um den EM-Titel mitrennen konnte. Denn auf die Siegerin in ihrer Kategorie fehlten nur 21 Minuten. Treier landete auf dem undankbaren 4. Rang. Die Architektin aus Berikon absolvierte den Triathlon in Hamburg in 10 Stunden und 33 Minuten. 69 Minuten benötigte sie für die 3,86 Kilometer Schwimmen, 5:26 für die 180,2 Kilometer Radfahren und 3:45 für die 42,195 Kilometer Laufen. «Ich denke, ohne den Platten hätte ich gut um den Europameistertitel mitlaufen können», sagt sie.
Ein Teilnehmer im Spital, Polizei ermittelt
Beim Ironman Hamburg war es am letzten Sonntag zu einer extrem hohen Zahl an Reifenpannen gekommen. Man geht davon aus, dass mehrere Hundert Athletinnen und Athleten betroffen sind. Zahlreiche Rennräder wurden beschädigt, ein Teilnehmer musste nach einem Sturz mit einem Bruch gar ins Spital, viele brachen ihr Rennen ab. Unbekannte sollen auf mehreren Strassenabschnitten Metallspäne auf die Fahrbahn geworfen haben. Man geht von einem Sabotageakt aus und seitens der Organisatoren spricht man von einem «Anschlag einer kleinen Gruppe». Die Kriminalpolizei ermittelt auf Verdacht der gefährlichen Körperverletzung und Sachbeschädigung.
Treier erlebte es so: «Ich war unterwegs auf der Radstrecke, vorbei an der Elbphilharmonie in Hamburg. Und ich fühlte mich körperlich richtig gut und war bestens in Schuss. Doch ich sah plötzlich viele Athleten am Strassenrand mit kaputten Rädern. Mir kam das komisch vor.» Ein paar Kilometer weiter passiert ihr dasselbe: «Puff. Die Luft war draussen. Ich blieb ruhig und wechselte den Schlauch. Wenn man immer die vorbeifahrenden Räder hört, wird man dann doch ein wenig nervös.» Die Freiämterin benötigte zwei Schläuche und drei Kartuschen, um den Schlauch zu reparieren. Alles Flick-Material war aufgebraucht. «Also ging es 110 Kilometer weiter immer mit dem Gedanken im Kopf, keinen zweiten Platten zu kassieren, sonst wäre das Rennen vorbei.» Treier fährt etwas vorsichtiger. Und schafft die Radstrecke dennoch – trotz Defekt und einer Viertelstunde Pause deshalb – in ordentlicher Zeit und als Zweite ihrer Alterskategorie. Es ging in die Wechselzone und der Marathon startete für sie. Mit einer Pace von 5.05 pro Kilometer rannte sie dem Ziel entgegen. «Die letzten 10 Kilometer war es ein Überleben bis ins Ziel», sagt sie lachend. Nach 3 Stunden und 46 Minuten schafft sie den Marathon.
Im Ziel erfährt sie vom mutmasslichen Sabotageakt, von den Metallsplittern auf der Strasse. «Wir haben 6 Monate hart trainiert auf diesen einen Tag und dann wird dies zunichtegemacht – angeblich wegen Unmut einiger Menschen aus der Bevölkerung wegen des Triathlons.» Ein bisschen könne sie verstehen, dass man sich als Anwohner gestört fühlt. «Aber es muss doch möglich sein, dass man im Sinne der Allgemeinheit für ein paar Stunden eine Strassensperrung duldet.»
Erst Texas, dann Ironman-WM auf Hawaii
Treier nahm es mit Humor. Sie kam motiviert und ohne Verletzung durch die Vorbereitung und den Ironman. Im Vorfeld siegte sie an einem Rennen über die Mitteldistanz in Italien. In Hamburg konnte sie – aufgrund dieses Defekts – nicht um den EM-Titel in ihrer Alterskategorie mitreden. 2027 will sie es an die Ironman-WM nach Hawaii schaffen. Treier wechselt dann in die nächsthöhere Kategorie (50+) und träumt vom Weltmeistertitel. Um sich für Hawaii zu qualifizieren, muss sie in Texas (im April 2027) einen starken Ironman hinlegen. Cécile Treier wird dies packen – wenn sie unverletzt bleibt und es keinen weiteren Sabotageakt gibt. --spr

