Nicht nur schöne Momente
03.03.2026 Wohlen, VereineGeneralversammlung des Vereins «Schöner Wohlen» im Schlössli
Das Räumliche Entwicklungsleitbild, die Revision der BNO, die Zukunft des Lüthi-Tschiemer-Hauses und das Wohler Zentrum stehen im Mittelpunkt des Wirkens des Vereins ...
Generalversammlung des Vereins «Schöner Wohlen» im Schlössli
Das Räumliche Entwicklungsleitbild, die Revision der BNO, die Zukunft des Lüthi-Tschiemer-Hauses und das Wohler Zentrum stehen im Mittelpunkt des Wirkens des Vereins «Schöner Wohlen». Beim Lüthi-Tschiemer-Haus muss der Verein einen Rückschlag hinnehmen.
Daniel Marti
Ein Bild von der Gründung des Vereins im August 2023 vor dem «Sternen» hat es Philipp Simka nach wie vor angetan. Und darum zeigte er es zu Beginn der Generalversammlung im Schlössli. «Da dachten wir noch, nur viele schöne Momente stehen vor uns», blickte der Vereinspräsident zurück. «Aber es gab inzwischen auch hässliche Auseinandersetzungen.» Denn nicht überall trifft der junge Verein auf Gegenliebe. Die kritische Betrachtung von «Schöner Wohlen» kommt nicht überall gut an.
Den grössten Streitpunkt stellt gegenwärtig das Lüthi-Tschiemer-Haus dar. Die Raiffeisenbank Wohlen plant, das Projekt «Reach 17» zu realisieren. Das neue Kulturhaus bezeichnet die Bank als klare Bereicherung von Wohlen. Zugleich muss das Lüthi-Tschiemer-Haus dem Projekt weichen. Hier stellt sich bekanntlich «Schöner Wohlen» dagegen.
Wende Lüthi-Tschiemer-Haus: Einsprachen zurückgezogen
«Das Lüthi-Tschiemer-Haus ist unser Dauerbrenner», betonte Simka an der GV. Diese im Jahr 1820 erbaute Liegenschaft soll erhalten bleiben. «Es war eines der 200 ersten Häuser, die in Wohlen gebaut wurden», so Simka. Es sei nur fünf Jahre jünger als die katholische Kirche. Der Verein «Schöner Wohlen» habe mehrfach nachgefragt bei der Bauherrin von «Reach 17», was denn die Grundlage für den geplanten Abriss sei. «Ist denn das Lüthi-Tschiemer-Haus objektiv betrachtet erhaltenswert? Dies Frage möchten wir beantwortet haben.» Es müsse ja Grundlagen geben für einen Abbruch und für den Erhalt. Von der Raiffeisenbank seien wenig Informationen gekommen, «von der kantonalen Denkmalpflege kam auch recht wenig». Weder der Archäologische Dienst des Kantons Aargau noch die kantonale Denkmalpflege sahen sich in der Lage, aktiv zu werden, heisst es im Jahresbericht. Und weiter: «Beide Institutionen signalisierten zwar Verständnis für unser Anliegen, verzichteten jedoch auf eigenes Handeln.»
Weil der Verein keine Legitimation hatte, eine Einsprache einzureichen, suchte «Schöner Wohlen» Anwohner, die bereit für eine Einwendung waren. «Wir führten viele Gespräche, verteilten 200 bis 300 Briefe, und wir haben dann fünf Anwohner überzeugen können», führt Simka ganz ehrlich aus. Aber auch diese Hoffnung wurde nun zerstört. Inzwischen haben die fünf Anwohner ihre Einsprache zurückgezogen. «Die Anwohner haben nach einer Sitzung mit der Bank eine Verzichtserklärung unterschrieben», orientierte Philipp Simka. Alle Beteiligten seien von den Gemeindebehörden darüber informiert worden, «nur wir nicht. Das ist alles eigenartig.» Stand jetzt: Der Widerstand gegen den Abriss des Lüthi-Tschiemer-Hause, der von «Schöner Wohlen» lanciert wurde, wurde entschärft. Und aktuell liess die Bankleitung ausrichten, dass sie erst wieder informieren werde, wenn dann eine rechtsgültige Baubewilligung vorliegen wird (siehe auch Ausgabe vom vergangenen Freitag).
«Schöner Wohlen» hat die Hoffnung allerdings noch nicht ganz aufgegeben. In einem Brief an den Gemeinderat verlangte der Verein ein unabhängiges Fachgutachten zu Bausubstanz und historischer Bedeutung des Lüthi-Tschiemer-Hauses. Diese Antwort aus dem Gemeindehaus ist offenbar noch ausstehend.
REL ist spannend und interessant
Neben dem Dauerbrenner Lüthi-Tschiemer-Haus beschäftigt sich der Verein mit einer weiteren «grossen Sache», wie Simka erklärte. Das Räumliche Entwicklungsleitbild wurde Ende Dezember vom Gemeinderat beschlossen. «Hier wurden viele Daten gesammelt», so Simka. «Und wir waren als Diskussionspartner dabei, für uns ist das eine Wertschätzung.» Das Räumliche Entwicklungsleitbild sei eine «spannende und interessante Sache». Und «Schöner Wohlen» will auch weiterhin seinen Beitrag leisten. Vor allem im Zentrum. «Das Zentrum ist nicht überall spürbar», heisst es in diesem Dokument. «Das ist sehr zurückhaltend formuliert», kommentiert Simka. «Schöner Wohlen» will jedenfalls dazu beitragen, «dass die historische Struktur im Zentrum weiterentwickelt wird».
Zudem hat der Vorstand ein Positionspapier zur laufenden Revision der Bau- und Nutzungsordnung erarbeitet. In diesem Papier macht «Schöner Wohlen» Vorschläge zur Anpassung der Baubewilligungspraxis sowie zum besseren Schutz von historischen Bauten.
Ausblick: Die Bünz erlebbar machen
Die Revision der Bau- und Nutzungsordnung und das Räumliche Entwicklungsleitbild (REL) werden den jungen Verein auch in Zukunft weiter beschäftigen. Das REL soll in der Zeitspanne 2026 bis 2028 in einen Masterplan münden. Bei beiden Papieren wird laut Philipp Simka der Gewässerraum rund ums Isler-Areal eine wichtige Rolle spielen. «Man soll doch die Bünz in Wohlen erlebbar machen», fordert er.
Konkret verfolgt «Schöner Wohlen» in diesem Jahr drei wesentliche Ziele. Die historischen Bauten stehen wie immer im Mittelpunkt. «Das Inventar für Substanzschutz ist total überaltet», kritisiert er. «Bis in Wohlen ein Haus unter Substanzschutz gestellt wird, besteht die Gefahr, dass es schon weg ist …» Und die Frage, warum es in Wohlen kein Zentrum gibt, soll ebenfalls weiterverfolgt werden. Eventuell müsse die Kernzone präzisiert werden.
Zudem soll die Gaswerkstrasse ein bisschen genauer studiert werden. Es gehe dabei nicht nur um Nuancen. Oder der Neubau an der Bahnhofstrasse mit Namen «Perron»? Passt der in die Umgebung? Die Frage erübrigt sich. Der Abriss der alten Bauten ist im Gang. Die Ensemblezone an der Steingasse sowie das Isler-Areal stehen unter Beobachtung von «Schöner Wohlen». Und es soll abgeklärt werden, ob die Liegenschaft des Restaurants Gotthard einen historischen Wert hat.
Ein Ziel: Bald 100 Mitglieder
Also eine Menge an Zielen und viel Arbeit stehen bevor. Und ein wenig Geld ist auch in der Kasse. Im letzten Jahr machte der Verein einen Gewinn in der Höhe von 3900 Franken. Das Eigenkapital beträgt aktuell 6400 Franken. Es besteht also eine Reserve, um auch einmal ein Fachgutachten einzuholen, sofern nötig. Aktuell zählt «Schöner Wohlen» 85 Mitglieder. «Und es ist unser Ziel, die magische Zahl von 100 zu erreichen», liess der Vorstandstisch verlauten.


