Neuer Elan dank Captain Jauslin
17.01.2023 WohlenBritish-Swiss Parlamentarier-Skirennen: Wohlens Nationalrat führt das Schweizer Team an
Die Schweizer Politikerinnen und Politiker sind auf der Skipiste kaum zu schlagen. Den traditionellen Wettkampf gegen die Briten gewannen sie souverän. Matthias Jauslin feierte ...
British-Swiss Parlamentarier-Skirennen: Wohlens Nationalrat führt das Schweizer Team an
Die Schweizer Politikerinnen und Politiker sind auf der Skipiste kaum zu schlagen. Den traditionellen Wettkampf gegen die Briten gewannen sie souverän. Matthias Jauslin feierte als Captain einen tollen Einstand.
Daniel Marti
Das spezielle Skirennen gilt als der älteste Parlamentarier-Sportanlass der Welt. Grossbritannien gegen die Schweiz heisst es jeweils Anfang Jahr in Davos. Aber das Bri tish-Swiss Parlamentarier-Skirace ist weit mehr. Am Debattiertisch wird kritisch und engagiert miteinander diskutiert – über aktuelle Themen wie EU und Ukraine-Krieg. Auf den Skipisten sind dann Briten und Schweizer Konkurrenten. Dies seit genau 67 Jahren. Die Premiere fand 1956 statt.
Nur wer zum nationalen Parlament zählt oder ihm in der Vergangenheit angehört hat, ist auch startberechtigt. Da heisst es dann auf der Skipiste beispielsweise Lord gegen Nationalrat. Mittlerweile sind die Vorteile ziemlich deutlich bei der Schweizer Delegation. Auch bei der Austragung in diesem Jahr. Bei sämtlichen Einzelwertungen und bei der Nationenwertung gingen die Goldplätze an die Schweiz.
Wesentlich zu den Erfolgsmeldungen trug der Wohler FDP-Nationalrat Matthias Jauslin bei. Als erfolgreicher Skiläufer und als neuer Captain der Skigruppe der Bundesversammlung durfte er den Pokal für den Sieg in der prestigeträchtigen Nationenwertung in Empfang nehmen. Jauslin fühlt sich durch diesen neuen Job natürlich geehrt. Er will auch neuen Schwung und noch etwas mehr Elan in den traditionellen Anlass bringen. «Früher», sagt Nationalrat Jauslin, «war der Stellenwert des Rennens etwas höher.» Da habe jeweils auch das Schweizer Fernsehen beim britisch-schweizerischen Austausch und Wettkampf vorbeigeschaut. Nun ist es sein erklärtes Ziel, dass die Bedeutung des Skirace wieder zunimmt. Vor allem wenn Schweizer Erfolge wie dieses Jahr garantiert sind, sollte der Stellenwert doch nach oben zeigen.
«Das ist doch ein lässiger Job»
British-Swiss Parlamentarier-Skirennen in Davos: Der Wohler Nationalrat Matthias Jauslin trug zum Top-Ergebnis bei
Das Skirace hat eine lange Tradition. Briten gegen Schweizer. Seit 1956 jagen die Parlamentarier die Hänge runter. Die Schweiz gewann erneut die Nationenwertung – auch dank Matthias Jauslin. Der Nationalrat aus Wohlen ist zudem neuer Captain der Skigruppe.
Daniel Marti
Sport. Wettkampf. Politik. Aber auch Austausch und viel Tradition. Das ist das British-Swiss Parlamentarier-Skirennen in Davos. Seit 1956 messen sich Briten und Schweizer aus ihren nationalen Parlamenten auf den Ski. Nicht mit totalem Ehrgeiz, aber schnell und fehlerlos wollen auf der Piste alle unterwegs sein. In den Anfängen des «Wettbewerbs» vor 67 Jahren waren die Briten gut unterwegs, manchmal sogar schneller als die Schweizer. Mittlerweile ist Skifahren in der Schweiz längstens Nationalsport, bei den Briten wohl weniger.
Deshalb überrascht es nicht, dass die aktuelle Austragung des Rennens an die Schweizer Delegation ging. Ihr gelang die Titelverteidigung. Wegen Corona gab es eine zweijährige Pause. Den Triumph von 2021 konnten die Schweizerinnen und Schweizer jetzt wiederholen.
Ältester Parlamentarier-Sportanlass der Welt
Aber das British-Swiss Parlamentarier-Skirennen ist viel mehr als «nur» ein Riesenslalom oder eine Nationenwertung. Das «Parliamentary Skirace» gilt zudem als ältester Parlamentarier-Sportanlass der Welt, der praktisch eine ganze Skiwoche lang dauert. Anreise am Sonntag, Parallelslalom am Freitag, Riesenslalom am Samstag.
Und zwischen An- und Abreise gibt es ganz viele Aktivitäten. Vom Smalltalk über freies Skifahren bis zu einem Round Table mit Diskussionen mit den Botschaftern beider Länder. Die jeweilige Jahresversammlung der Skigruppe zählt auch zum Wochenprogramm. Die Teilnahme an der Jahresversammlung ist eine Bedingung für den Start am Riesenslalom, der den Höhepunkt und den Hauptevent darstellt. Ohne Versammlung keine Startberechtigung.
Die wichtige Disziplin ist der Riesenslalom. Dieser wird für sämtliche Wertungen herangezogen. Rennleiter Daniel Ammann sagt jeweils, dass das British-Swiss Parlamentarier-Skirennen jener Wettbewerb im Skisport sei mit den meisten Ranglisten. Mit einer Art Handicap-Formel werden mittlerweile die Stärken und die Altersunterschiede leicht «korrigiert» und ausgeglichen.
Auch mit oder ohne Bonussekunden: Die Schweizer Delegation war auch heuer kaum zu schlagen. Erstmals wurden die Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier vom neuen Captain Matthias Jauslin angeführt. Der Wohler Nationalrat ist seit seiner Wahl ins Bundeshaus 2015 immer dabei gewesen beim British-Swiss Parlamentarier-Skirennen. Nun trat er als Nachfolger von Heinz Brand die Captain-Rolle an. Es war ein erfolgreicher Einstand. Die Schweiz gewann Einzel- und Teamwertung.
Matthias Jauslin zweimal ganz oben auf dem Podest
Auf der Riesenslalompiste in Davos war Alt-Nationalrat Adrian Wüthrich (SP Bern) der Schnellste. Der 43-Jährige gewann in 58,82 hauchdünn vor EVP-Nationalrat Marc Jost aus dem Kanton Bern (58,99). Bronze ging an Alt-Nationalrat Jürg Stahl (SVP Zürich) mit 1.02,23. Gefolgt von Martin Landolt in 1.02,92 (Mitte Glarus) und Matthias Jauslin 1.04,22.
Schnellster Brite wurde übrigens der Konservative Henry Smith mit 1.11,48.
Die Zürcher GLP-Nationalrätin Barbara Schaffner fuhr mit einer Zeit von 1.12,64 zur Goldmedaille. Sie verwies Christa Markwalder (FDP Bern, 1.16,03) und Ruth Humbel (Mitte Aargau, 1.18,59) auf die weiteren Medaillenplätze. Bei dieser Dominanz der Schweizerinnen und Schweizer war es logisch, dass die Nationenwertung ans einheimische Team ging. Die sieben besten Resultate der Riesenslalomwertung waren für den Nationenpreis massgebend. Trotz Bonussekunden waren die Briten praktisch chancenlos gegen die Schweiz.
Dann gibt es aus Wohler Sicht noch eine weitere Erfolgsmeldung. Bei der Handycap-Trophy wurden die Altersunterschiede berücksichtigt. Und Wohlens Nationalrat Matthias Jauslin wurden so 4,5 Sekunden abgezogen. Es verblieb eine Fahrzeit von 59,72 Sekunden. Bestzeit. Jauslin gewann diesen Wettbewerb vor Jürg Stahl und Martin Landolt.
Politischer Austausch ebenso wichtig
Es war auch die Aufgabe von Matthias Jauslin als neuer Captain, die Schweizer Mannschaft zusammenzuhalten und auf das Rennen vorzubereiten. Das ist ihm sehr gut gelungen. «Weiter will ich versuchen, noch mehr Parlamentarierinnen und Parlamentarier für das Skirennen zu begeistern. Wir brauchen aktive Skifahrer.» So wie er einer ist. Als Skilehrer war er bei den Skilagern der Schule Wohlen etliche Male dabei. Und so sei es auch logisch, dass er beim Parlamentarierrennen gegen die Briten jeweils «mit gewissen Ambitionen an den Start» geht. Je näher jeweils der Start komme, so Jauslin weiter, «desto stärker tritt der sportliche Ehrgeiz hervor».
Auch so betrachtet ist er mit seinem Abschneiden sehr zufrieden. Vor allem der Sieg in der Nationenwertung ist schon eine gewisse Prestigeangelegenheit. Zudem wird dem Captain jeweils der grosse Pokal übergeben. «Das ist doch ein lässiger Job», freut er sich.
Neben dem Skirace geniesst der politische Austausch einen gleich grossen Stellenwert. Im Zentrum der Parlamentarier-Skiwoche stehen die Kontaktpflege, politische Diskussionen und auch das künftige Verhältnis von Grossbritannien und der Schweiz zur EU. «Die Folgen des Brexit und die problematische Rolle zur EU wurden diskutiert, aber auch die Folgen des Ukraine-Krieges», erklärt Jauslin.
Noch einen wichtigen Punkt durfte FDP-Nationalrat Matthias Jauslin feststellen: «Die Briten haben gegenüber der Schweiz eine grosse Wertschätzung.» Und sie leben immer grosse Fairness vor. Obwohl die britischen Ski-Parlamentarier aktuell auf der Piste gegen die Schweizer Delegation das Nachsehen haben, kommen sie immer wieder gerne zum «Skirace» nach Davos.
Dass der neue Schweizer Teamcaptain Matthias Jauslin seine Mannschaft noch weiter verstärken möchte, hat er seinen britischen Parlamentskollegen jedoch nicht verraten.



