Nach eigener Auslegung …
16.01.2026 Wohlen, BaugewerbeBaubewilligung für umstrittenes Bauprojekt der Stach AG: Neuer Gemeinderat war nicht involviert
Die vom abgetretenen Gemeinderat erteilte Baubewilligung für die Firma Stach AG hat viel Staub aufgewirbelt. Und Fragen hinterlassen. Wie stellt sich der Gemeinderat ...
Baubewilligung für umstrittenes Bauprojekt der Stach AG: Neuer Gemeinderat war nicht involviert
Die vom abgetretenen Gemeinderat erteilte Baubewilligung für die Firma Stach AG hat viel Staub aufgewirbelt. Und Fragen hinterlassen. Wie stellt sich der Gemeinderat in der neuen Formation zu den Geschehnissen rund um das umstrittene Bauprojekt?
Daniel Marti
Die Reaktionen liessen nicht lange auf sich warten. Als Ende 2025 der damalige Gemeinderat die Baubewilligung der Firma Stach Investment AG für zwei Mehrfamilienhäuser in einer sensiblen Umgebung erteilte, gab es rasch deftige Opposition und Unverständnis.
Das vierköpfige Initiativkomitee der Ortsbürgergemeinde meldete sich sofort. In diversen Leserbriefen wurde Unmut über die Entscheidung geäussert. Und der Verein «Schöner Wohlen» kritisierte den Entscheid mit aller Schärfe. Darum drängen sich schon weitere Fragen auf.
Schliesslich haben drei Gemeinderäte, die ab 2026 nicht mehr im Amt sind, über das umstrittene Baugesuch entschieden. Wäre es nicht besser gewesen, wenn Gemeinderäte, die ab 2026 die Verantwortung tragen, über die Baubewilligung entschieden hätten? Vielleicht findet der Gemeinderat in neuer Besetzung Gründe für diesen eingeschlagenen Weg? Aber man gibt sich mehrheitlich vorsichtig.
Keine Absprache mit dem neuen Gemeinderat
«Der Gemeinderat der Legislatur 2022 bis 2025 war bis am 31. Dezember 2025 im Amt», heisst es in einer Antwort. «Es lag in seiner Kompetenz und Verantwortung, Entscheide zu fällen und Bewilligungen zu erteilen. Die Frage, ob es besser gewesen wäre, den Entscheid über die Baubewilligung dem neuen Gemeinderat zu überlassen, stellt sich heute nicht mehr, da die Baubewilligung erteilt wurde.»
Das Ressort Planung, Bau und Umwelt liegt nun seit Anfang Jahr in der Verantwortung des neuen Gemeinderates Olivier Parvex.
Generell sei festzuhalten, dass es sich bei dem erwähnten Baubewilligungsverfahren «um einen Verwaltungsakt handelt», der von den zuständigen Instanzen gemäss der geltenden Gesetzgebung zu beurteilen sei. Nur so viel zur Klärung: «Der Entscheid, die Baubewilligung zu erteilen, wurde nicht mit dem Gemeinderat 2026 bis 2029 abgesprochen. Das ist auch nicht vorgeschrieben.»
Kein Fachgutachten verlangt – das ist erstaunlich
Ein weiterer heikler Punkt betrifft das fehlende Fachgutachten. Der abgetretene Gemeinderat verlangte kein Fachgutachten. Dies ist doch sehr erstaunlich, führten doch diverse Ausnahmebewilligungen (zu wenig Parkplätze, fehlende Spielfläche, Pfählungen) zu viel Opposition.
Diverse Einsprecher und Widerstand von der Ortsbürgergemeinde, der das benachbarte Anwesen mit dem Schweizer Strohmuseum gehört, machten das Bauprojekt zu einer speziellen Angelegenheit. Bei einer solch brisanten Ausgangslage wäre es eigentlich angebracht gewesen, ein unabhängiges Fachgutachten einzufordern.
Genau das hat der Gemeinderat nicht gemacht. Ein solches Gutachten hätte sogar zur Entspannung beitragen können. Die Frage muss erlaubt sein: Warum hat man sich in dieser besonderen und angespannten Situation gegen ein Fachgutachten entschieden?
Der neue Gemeinderat liefert die Antwort: «Der Entscheid, kein Fachgutachten einzuholen, lag ebenfalls in der Verantwortung des Gemeinderates 2022 bis 2025. Er hat das nach eigener Auslegung und Einschätzung der Ausgangslage offensichtlich so entschieden. Die Gemeindeverwaltung führt diesbezüglich die Aufträge des Gemeinderates aus.»
Mit Respekt und Anstand einander begegnen
Und zu guter Letzt kritisieren Vertreter der Ortsbürgergemeinde und des Initiativkomitees, dass in dieser Sache acht Anträge eingereicht wurden, aber der Gemeinderat habe diesen (zu) wenig Beachtung geschenkt.
Die Ortsbürgergemeinde verdiene mehr Respekt, lautet deren Vorwurf. Will der neue Gemeinderat dem künftig nachkommen?
Ressortvorsteher Parvex und Gemeinderat versichern der Ortsbürgergemeinde und allen Personen und Organisationen, «die in Zukunft mit dem Gemeinderat zu tun haben werden, dass ihnen allen mit Respekt und Anstand begegnet wird. Dasselbe erwartet der Gemeinderat schliesslich auch von seinen Ansprechpartnern.»

