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26.07.2024 WohlenGenug Reserven geschaffen
Einblick in die Wasserversorgung Wohlen
Auch im grössten Hitzesommer müssen die Wohler nicht auf frisches Wasser verzichten.
Dank dem seit über sechzig Jahren bestehenden Anschluss an das ...
Genug Reserven geschaffen
Einblick in die Wasserversorgung Wohlen
Auch im grössten Hitzesommer müssen die Wohler nicht auf frisches Wasser verzichten.
Dank dem seit über sechzig Jahren bestehenden Anschluss an das Grundwasservorkommen im Raum Länzert ist die ibw in der komfortablen Situation, den Wasserbedarf der Bevölkerung auch während längerer Trockenphasen gut abdecken zu können. Wie das genau funktioniert, zeigt ein Blick hinter die Kulissen. --red
Sommerserie «Blick hinter die Kulissen»: Das Wasserreservoir Hochwacht der ibw
Für die meisten Menschen ist es eine Selbstverständlichkeit: Das Duschwasser funktioniert am Morgen ebenso, wie das Frischwasser für die Kaffeemaschine aus der Leitung fliesst. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, dass für die zuverlässige Wasserversorgung eine beeindruckende Infrastruktur und ein kompetentes Team im Einsatz stehen.
Walter Minder
Wir schreiben das Jahr 1894: Die Wasserversorgung im dank der Strohindustrie stark wachsenden Wohlen basiert auf zahlreichen Sodbrunnen, doch wegen der anhaltenden Trockenheit genügt die zur Verfügung stehende Wassermenge nicht mehr. Zudem ist die Löschreserve völlig ungenügend, was aufgrund der vielen Strohdächer ein hohes Risiko darstellt. Eine Bürgerinitiative beschleunigt den Entscheid zum Bau einer öffentlichen Wasserversorgung, die Gemeinde kauft südlich von Oberniesenberg Nutzungsrechte für Quellen sowie eine Parzelle für die Brunnenstube und 1898 strömt erstmals Wasser nach Wohlen.
Die Wasserknappheit blieb aber ein ständiger Begleiter im Bünztal. Darum beschlossen Wohlen und Lenzburg 1959 den Bau des Grundwasserpumpwerks Hard II bei Niederlenz und der Transportleitung nach Wohlen. Heute basiert die Wasserversorgung in Wohlen auf drei Quellfassungen und drei Grundwasserpumpwerken, wobei Hard II mit 79 Prozent Anteil das Rückgrat bildet.
Reservoir deckt durchschnittlichen Tagesbedarf
Treffpunkt mit Giovanni Romeo, Geschäftsleiter der IBW Technik AG, ist das Reservoir Hochwacht, dessen zwei Kammern ein Fassungsvermögen von 3 Millionen Liter Wasser haben, was dem durchschnittlichen Tagesbedarf entspricht. Zusammen mit den Reservoiren Bärholz und Dreihägen stehen täglich 7,5 Millionen Liter zur Verfügung, «so schnell sitzen wir also auch in wärmeren Jahreszeiten nicht auf dem Trockenen».
Dann geht es hinein ins 1999/2000 erstellte Reservoir, das den 1898 erbauten Vorgänger ersetzt hat. Das Befüllen der beiden Kammern erfolgt während der Nacht, die Verteilung tagsüber, wobei die erhöhte Lage für den notwendigen Wasserdruck im Versorgungsnetz sorgt. Romeo: «Wir reinigen die Kammern einmal jährlich mit Wasser, da sich die im Wasser enthaltenen Mineralien am Boden ansammeln. Selbstverständlich erfolgt diese Reinigung etappenweise, sodass das Reservoir immer in Betrieb ist.»
Stabile Wasserversorgung, hohe Qualität
Wie stabil die Wohler Wasserversorgung ist, zeigt sich während längeren Trockenperioden. Am 22. Juni 2017 wurden im IBW-Versorgungsgebiet 9,98 Millionen Liter Wasser verbraucht, also rund dreimal so viel wie an einem durchschnittlichen Tag. «Die maximal verfügbare Menge beträgt aber rund 13 Millionen Liter, «wir haben also noch viel Luft».
Da das Wasser relativ kalkhaltig ist, wird es in Bewegung gehalten. Durch Löcher in den Einlaufrohren fällt Wasser in die Kammern, was zu einem regelmässigen Wellengang führt. Erfreulich ist die hohe Qualität des Wassers. So wurden im vergangenen Jahr 66 Proben durchgeführt – allesamt mit problemlosen Resultaten. «Die Dunkelheit im Reservoir ist ein Aspekt der Wasserqualität», so Romeo. Zudem wird der Wasserstand permanent überwacht, wobei auffällige Veränderungen in die ibw-Leitstelle gemeldet werden «und aus Sicherheitsgründen dafür zwei Arbeitsplätze mit redundanten Servern im Einsatz stehen».
Der nächste Schritt: Wasser2035
Um die Trinkwasserversorgung im Bünz- und im Reusstal zu sichern, wurde im Juni 2022 die Interkommunale Anstalt (IKA) Wasser2035 mit 19 beteiligten Gemeinden sowie den privatrechtlich organisierten IB Wohlen AG und Regionaler Wasserverband Mutschellen gegründet. Das Ziel: die bestehende Transportleitung durch das Bünztal soll mit einer neuen Leitung durch das Reusstal zu einem Ring ergänzt werden, sodass das ganze Einzugsgebiet vom Grundwasserpumpwerk Hard II und damit von den Grundwasserströmen im Aare- und Seetal profitieren kann. Auch im Projekt «Wasser2035» spielt das Reservoir Hochwacht eine wichtige Rolle, wird doch die Ringleitung von hier aus mit Wasser aus dem Hard II versorgt. Romeo: «Wenn keine unerwarteten Probleme auftreten, rechnen wir mit dem Baustart ab 2028 und der Inbetriebnahme der Ringleitung ab 2030/31».
Von Wohlen nach Biel
Die Gesamtlänge des Transport- und Verteilnetzes der ibw beträgt ohne Hausanschlüsse rund 93 Kilometer, was der Distanz zwischen Wohlen und Biel entspricht. «Unser Team kontrolliert das Transportnetz einmal jährlich, wobei wir auch den Leitungsbau innerhalb des Versorgungsgebietes ausführen.»
Dann verlassen wir das angenehm kühle Reservoir. Im Nebengebäude ist die Zonenpumpanlage installiert, deren Bau 1973 durch die Aufteilung der Wohler Wasserversorgung in eine obere und eine untere Druckzone notwendig wurde. Seit 1985 wird von hier aus das Reservoir Dreihägen mit Wasser versorgt, sodass auch in den höher liegenden Liegenschaften das Wasser mit genügend Druck aus den Hahnen fliesst. Zudem befindet sich im Reservoir Dreihägen die Hälfte der Löschreserve für die Wohler Feuerwehr von total 600 000 Litern Wasser, sodass deren Einsatz auch an Hitzetagen mit hohem Wasserverbrauch gesichert ist.