«Miss Cup» schlägt wieder zu
19.05.2026 Sport, FussballKrimi mit Happy End
Frauen des FC Wohlen feiern den Cupsieg
Die Frauen des FC Wohlen bezwingen Favorit Niederlenz mit 3:2 und holen den Sieg im Aargauer Cup. Das Spiel wurde aber zur Zitterpartie. Nach 2:0-Führung zur Pause mussten die Wohlerinnen ...
Krimi mit Happy End
Frauen des FC Wohlen feiern den Cupsieg
Die Frauen des FC Wohlen bezwingen Favorit Niederlenz mit 3:2 und holen den Sieg im Aargauer Cup. Das Spiel wurde aber zur Zitterpartie. Nach 2:0-Führung zur Pause mussten die Wohlerinnen den zwischenzeitlichen 2:2-Ausgleich hinnehmen, ehe Sandy Steinmann das Team erlöste. Der FCW ist damit in drei von vier Finals erfolgreich.
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Aargauer Cupfinal, Frauen: FC Niederlenz – FC Wohlen 2:3 (0:2) – Wohlen holt den zweiten Titel
Es ist vollbracht. Die Frauen des FC Wohlen gewinnen den Aargauer Cup. In einem Krimi setzen sie sich mit 3:2 gegen Niederlenz durch. Schlüsselfigur ist wie schon beim ersten Cupsieg 2023 Sandy Steinmann.
Josip Lasic
Es sind nur ein paar Sekunden, die sich aus Wohler Sicht wie eine Ewigkeit anfühlen. Der Schlusspfiff im Cupfinal fällt. Einen Moment lang herrscht Zurückhaltung, sogar leichte Verwirrung. Als allen klar wird, dass die Partie tatsächlich zu Ende ist, brechen alle Dämme. Grenzenloser Jubel auf Freiämter Seite. Der Platz wird gestürmt. Spielerinnen, Staff und Fans liegen sich in den Armen.
Nach diesem nervenaufreibenden Spielverlauf wollten sich die Wohlerinnen keinesfalls zu früh freuen. Niederlenz hat nach der Pause aus einem 0:2 ein 2:2 gemacht. Doch als das Spiel zu kippen droht, schlägt die Stunde von Sandy Steinmann. Die 32-jährige Wohlerin, die bereits das 1:0 erzielt, ist fünf Minuten nach dem Ausgleich wieder zur Stelle. Während die Gegnerinnen noch ihre Rückkehr ins Spiel feiern, werden sie kalt geduscht. Steinmann trifft mitten in diese Euphorie, mitten ins Niederlenzer Herz. Sie sorgt dafür, dass die Wohlerinnen den Cup am Ende doch mit nach Hause nehmen. «Sie ist einfach Miss Cup», schwärmt Wohlen-Trainer Christian Maier. «In solchen Spielen hat sie ein Gefühl dafür, wo sie stehen muss, um die wichtigen Tore zu erzielen. Spielerinnen wie sie, die solche Geschichten schreiben können, brauchst du einfach in einem Final.» Schon vor drei Jahren, als die Wohlerinnen als Underdog mit einem sensationellen 4:1-Erfolg gegen Baden-Wettingen den ersten Cupsieg feierten, war Steinmann mit drei Treffern die Frau der Stunde. Jetzt legt sie nach.
Sandy Steinmann: «Gut, geil, sensationell»
Die Doppeltorschützin beschreibt ihre Gefühlslage nach dem Cupsieg mit drei Worten: «Gut, geil, sensationell. Es ist einfach unglaublich. Aber wir waren so von unserem Erfolg überzeugt und haben es am Ende als Einheit geschafft. Die mentale Stärke war ausschlaggebend.» Die ist auch nötig. Die Ausgangslage spricht gegen Wohlen. Niederlenz hat den Cup zweimal in Folge gewonnen und liegt in der Tabelle vor den Freiämterinnen. Wohlen bleibt unbeeindruckt. Neben Steinmann steht mit Michelle Liebi eine zweite Goalgetterin auf dem Platz. Nach einer halben Stunde bereitet sie Steinmanns Führungstreffer vor. In der 42. Minute legt Liebi selbst nach und schiebt den Ball nach einem starken Sololauf an der gegnerischen Keeperin vorbei. 2:0. Wohlen ist auf Kurs. Doch nach der Pause wird es eng. Niederlenz bekommt Oberwasser, macht Druck und trifft. In der 65. Minute fällt der Anschlusstreffer, in der 80. Minute der Ausgleich. «Man darf nicht vergessen, dass sie ein enorm guter Gegner sind. Das ist unser erster Sieg gegen sie», sagt Steinmann. «Sie kamen hochmotiviert aus der Kabine. Aber wir wollten das einfach so sehr und liessen es uns nicht mehr nehmen.»
Schmeckt der Erfolg nach so einem Krimi süsser als nach dem klaren Sieg vor drei Jahren? «Es ist beides geil», sagt Steinmann augenzwinkernd. «Aber ja, es war speziell. Schon im Halbfinal war viel Nervosität dabei. Da spielten wir gegen Baden-Wettingen, die Finalgegnerinnen bei unserem ersten Sieg. Und jetzt dieser Final. Aber wir wussten, dass die Favoritenrolle bei Niederlenz liegt und wir nichts zu verlieren haben. Das hat Druck genommen.» Ob einer der beiden Finalsiege schöner war, wurde schnell zur Nebensache. Der Fokus lag auf der Siegerparty des aktuellen Triumphs. «Jetzt wird erstmal ordentlich abgefeiert», lautete die deutliche Ansage der Cupheldin. Dem liessen sie und das Team auch Taten folgen. Laut Aussagen aus der Mannschaft verliessen die letzten Spielerinnen die «Zanzibar» in Wohlen zwischen 3 und 4 Uhr morgens. Auch drei Jahre, nachdem «Miss Cup» zum ersten Mal zugeschlagen hat, bleibt so ein Titel etwas Besonderes.
Tränen und Träume
Trainer und Frauenverantwortliche zum Cupsieg
Christian Maier zeigt nach dem Spiel auf seine Fitness-Uhr. Der Trainer der Wohlen-Frauen hat immer noch einen Puls von über 150. «Das war eine emotionale Achterbahnfahrt. Zuerst die 2:0-Führung, ein souveräner Auftritt und dann diese Zitterpartie.» Maier hatte erwartet, dass Niederlenz nach der Pause alles versuchen würde. «Unsere Devise war: dagegenhalten. Das haben wir zunächst nicht geschafft. Doch im Fussball gibt es kaum etwas Schöneres, als mit einem späten Tor den Titel zu holen.»
Nach dem Abpfiff sprintet Maier mit seinen Spielerinnen los, um zu feiern – mit Tränen in den Augen. «Der Druck war endlich weg. Wir müssen ehrlich sein: Spielerisch sind sie vermutlich etwas besser als wir. Aber in der ersten Halbzeit haben wir gut mitgehalten, am Ende hat die Mentalität entschieden. Ich bin so stolz auf mein Team.» Doppelt stolz ist Jasmin Hochstrasser. Sie ist Frauenverantwortliche des FC Wohlen, stand aber wie schon beim ersten Cupsieg 2023 auch diesmal als Spielerin auf dem Platz. Für sie gibt es auch Parallelen zwischen den beiden Titeln. Wohlen ging jeweils als Underdog ins Spiel. Baden-Wettingen hatte vor drei Jahren drei Cupsiege in Folge gefeiert, Niederlenz diesmal zwei. «Wir konnten beide Serien durchbrechen. Das bedeutet uns sehr viel. Wir haben lange darauf hingearbeitet. Es war ein harter Kampf, aber wir haben es geschafft.» Als Vorstandsmitglied des FC Wohlen sieht Hochstrasser die Cupfinaltage auch insgesamt als Erfolg. Der FCW stellte vier Finalisten. Insgesamt gab es drei Siege (siehe Artikel «Gelungener Freiämter Sturm»).
Mit dem Cupsieg sichern sich die Wohlerinnen auch die Teilnahme am Schweizer Cup der kommenden Saison. Ein attraktives Los könnte dem Verein einen schönen Anlass und einen finanziellen Zustupf bringen. Als Vorstandsmitglied freut sich Hochstrasser darüber. Auch als Spielerin hätte sie nichts gegen einen grossen Namen als Gegner. «Ich glaube, dass das ganze Team davon träumt. Aber das hat Zeit. Wir feiern jetzt erst einmal gebührend diesen Titel.»
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