Mindestens eine Staude mehr
20.01.2026 Fasnacht, Region Unterfreiamt, VillmergenChnebelübergabe in Villmergen: Jahrgang 1976 übernimmt die Fasnacht
Mit der Chnebelübergabe im Kirchgemeindehaus ist in Villmergen der offizielle Übergang von der Fasnacht des Jahrgangs 1975 an den Jahrgang 1976 erfolgt. Vertreter beider ...
Chnebelübergabe in Villmergen: Jahrgang 1976 übernimmt die Fasnacht
Mit der Chnebelübergabe im Kirchgemeindehaus ist in Villmergen der offizielle Übergang von der Fasnacht des Jahrgangs 1975 an den Jahrgang 1976 erfolgt. Vertreter beider Jahrgänge blickten zurück auf ein intensives Jahr und voraus auf eine Tradition, die im Dorf fest verankert ist.
In Villmergen liegt die Fasnacht traditionell in den Händen der 50-Jährigen. Diese schliessen sich jeweils zu einem Verein zusammen und tragen während eines Jahres die Verantwortung für die Organisation und Durchführung der Fasnacht. Dazu gehören unter anderem das Staudenbinden, der Bau der sogenannten Güüggen aus Kuhhörnern sowie die Durchführung des Fasnachtsfeuers. Die Chnebelübergabe markiert dabei den offiziellen Wechsel von einem Jahrgang zum nächsten.
Für Roland Hoffmann, OK-Präsident des Jahrgangs 1975, bedeutete der Anlass den Abschluss eines fordernden, aber sehr erfüllenden Jahres. «Es fällt eine grosse Verantwortung ab. Jetzt kommt das Geniessen», sagte Hoffmann. Die Fasnacht habe viel Einsatz verlangt, sei aber zugleich ein aussergewöhnliches Erlebnis gewesen. Besonders hob er den starken Teamgeist hervor: «Wir haben immer an einem Strick gezogen.» Der Zusammenhalt habe sich unabhängig von Beruf oder Hintergrund entwickelt – getragen von Frauen und Männern gleichermassen.
800 Stauden entzündet
Als besonders eindrücklich blieb Hoffmann das Fasnachtsfeuer oberhalb der Kirche in Erinnerung. Rund 800 Stauden, die der Jahrgang im Frühling 2024 selbst im Villmerger Wald geschnitten und gebunden hatte, wurden dort gemeinsam entzündet. Das Staudenbinden sei eine grosse Gemeinschaftsleistung und ein fester Bestandteil der Vorbereitungen. Auch organisatorisch habe alles funktioniert, obwohl die Tage vom Ahösele bis zum Abhösele vor Aschermittwoch von wenig Schlaf geprägt gewesen seien. Der erhebliche Aufwand konnte vollständig durch die Vereinsmitglieder getragen werden.
Mit der Übergabe des Chnebels tritt Hoffmann nun ins zweite Glied zurück. Er spüre grosse Genugtuung, aber auch eine gewisse Erleichterung. Dem Jahrgang 1976 wünscht er «mindestens gleich viele schöne und prägende Erlebnisse als Gemeinschaft».
Rund 40 aktive Mitglieder
Beim Jahrgang 1976 liegt die Verantwortung für die Fasnachtsorganisation nicht bei einer einzelnen Person, sondern bei einem Co-OK. Als zentrale Ansprechpartner traten bei der Chnebelübergabe Markus Hunn und Michael Meyer auf. Für sie ist die Jahrgängerfasnacht ein Kulturgut, das sie seit ihrer Kindheit kennen. «Das gehört zu Villmergen, das wurde uns mitgegeben», sagten sie. Ohne diese Tradition würde im Dorf etwas Wesentliches fehlen.
Die Vorbereitungen sind weit fortgeschritten. In den kommenden Tagen wird noch der Fasnachtswagen fertiggestellt, wobei rund 20 Personen mithelfen. Insgesamt zählt der Verein des Jahrgangs 1976 rund 40 Aktivmitglieder, Frauen und Männer, von denen sich die grosse Mehrheit aktiv an den Vorbereitungen und während der Fasnacht engagiert. Wie ihre Vorgänger haben auch die 1976er im Frühling gemeinsam Stauden geschnitten und gebunden – mit einem augenzwinkernden Ziel: mindestens eine Staude mehr als der bisherige Jahrgang, also 800 plus eine.
Vorfreude ist deutlich spürbar
Neben der grossen Vorfreude ist auch ein gesunder Respekt spürbar, etwa vor den Aufgaben, die der bisherige Jahrgang den Nachfolgern stellt. Gleichzeitig sei man den 75ern sehr dankbar für deren Unterstützung und Begleitung. «Jetzt hoffen wir, dass wir die Fasnacht unfallfrei erleben dürfen», sagte Markus Hunn. Besonders freut sich Michael Meyer auf das Nussgipfelverteilen am Schmutzigen Donnerstag. «Wenn die Sonne hinter dem Kirchturm hervorschaut und man in die glücklichen Kinderaugen blickt, ist der Tag perfekt.» Markus Hunn nennt den Besuch im Seniorenzentrum Obere Mühle als persönlichen Höhepunkt. Dort zeige sich jeweils eindrücklich, wie stark die Fasnacht Erinnerungen wecke.
Motto ist bis zum Ahösele streng geheim
Wie es der Brauch verlangt, bleibt das Fasnachtsmotto des neuen Jahrgangs bis zum Ahösele streng geheim. Auch hartnäckiges Nachfragen blieb erfolglos. Klar ist lediglich: Innerhalb des vorgegebenen Rahmens bleibt viel Raum für individuelle Umsetzungen, was die Erwartungen zusätzlich steigen lässt. Auch seitens der Gemeinde Villmergen sei gegenüber der Jahrgängerfasnacht viel Wohlwollen spürbar, die Unterstützung sei gross. Die Verantwortung für Vorbereitung und Durchführung liege jedoch klar bei den Jahrgängen selbst, nun also bei den neuen Trägern des Chnebels. --str

