Worauf ich mich 2026 freue: Hannes Leo Meier
Zwanzig Jahre lang arbeitete Hannes Leo Meier als Regisseur, Autor und Schauspieler in der Freien Theaterszene. Heute bietet der gebürtige Dottiker als Experte für das Gehen diverse Kurse an.
Ich ...
Worauf ich mich 2026 freue: Hannes Leo Meier
Zwanzig Jahre lang arbeitete Hannes Leo Meier als Regisseur, Autor und Schauspieler in der Freien Theaterszene. Heute bietet der gebürtige Dottiker als Experte für das Gehen diverse Kurse an.
Ich starte am letzten Tag des alten Jahres beim Bahnhof Dottikon und mache mich zu Fuss auf nach Wohlen. Als Erstes freue ich mich über das Backsteingebäude der ehemaligen Schuhfabrik Bally. Es erinnert mich an «Schuhwerk». Wenn sich im kommenden Jahr viele kreative, innovative und erfolgreiche Zusammenarbeiten ergeben, wie wir dies mit dieser Theaterproduktion erleben durften, dann freue ich mich.
Später dann auf dem Pausenhof des Schulhauses Hübel, wo ich sowohl zur Schule ging und später auch als Lehrer tätig war, weiss ich, auf dem Brunnenrand sitzend und mein Zvieri essend, dass ich mich auf ein engagiertes Lernen freue – sowohl wo ich lerne, als auch wo andere von mir lernen werden. Danach wandere ich an meinem Elternhaus vorbei. Inzwischen ist es verkauft und fremde Menschen wohnen darin. Im Vorbeigehen denke ich freudvoll daran, was ich im kommenden Jahr wohl alles stimmig loslassen werde. Womöglich kann auch ich anderen Menschen beim Loslassen helfen. Denn das Gehen ist nicht nur gut, um das Loslassen zu üben, es ist überhaupt der beste Lehrmeister.
«Gehen im Freiamt»
Gehen ist auch das beste Training und der stärkste Garant dafür, wie etwas «gut geht». Und schön wäre, denke ich auch noch, wenn «Gehen im Freiamt» während einer Woche wieder möglich würde. Dann in der Weite des Bünztals freue ich mich über die Sonne und den weiten Himmel. Ich denke an jene Bleistiftzeichnung, die ich vor vierzig Jahren dort kreierte und die fast nur aus lauter Himmel bestand. Mir wird dabei bewusst, dass ich mich sehne nach allem, was Raum schafft: Raum für gute Gedanken und Zusammenarbeit, Raum für Respekt und Zuwendung, Raum für Vielfalt und Engagement und Raum für Kreatives und Neues.
Schreiben wollte ich diesen Text dann in Wohlen in einer mir bekannten Beiz. Nun aber trugen mich meine Füsse schon ins Bifang, wo ich nach der Niederschrift zusammen mit meiner Mutter Znacht essen werde. Von ihr nehme ich noch den folgenden Spruch mit: «Ich bin Freude!» Sie liebt diesen Satz über alles und zitiert mit ihm ihre langjährige portugiesische Haushaltshilfe, wohl im tiefen Verständnis dafür, dass das «sich Freuen» weniger mit «Haben» zu tun hat, als vielmehr mit «Sein».
Hannes Leo Meier