Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Das waren die Helden unserer (Ski-)Kindheit, aber auch Joël, Dani, Karl und Zoë. Wie haben wir mitgefiebert vor unseren damals noch riesigen ...
Martin Rüfenacht, Jurist und Krimiautor, Aristau.
Das waren die Helden unserer (Ski-)Kindheit, aber auch Joël, Dani, Karl und Zoë. Wie haben wir mitgefiebert vor unseren damals noch riesigen Flimmerkisten! Und auf der Piste eiferte jedes Kind seinen Heldinnen und Helden nach.
Und da kommt eine bis heute unerreichte Marketingkampagne ins Spiel: Die Rivella-Sammeletiketten. Jedes, wirklich jedes Kind sammelte die ablösbaren Etiketten, um sich eines der angepriesenen Fan-Produkte sichern zu können; natürlich gegen eine immense Anzahl Etiketten und einen noch enormeren Aufpreis in bar respektive in Briefmarken. Wir liessen uns davon nicht beirren und gingen im Bergrestaurant von Tisch zu Tisch, um nach Etiketten zu betteln. Einmal das Sammelziel erreicht und die Eltern weichgejammert, steckten wir die Zettelchen und Batzen beziehungsweise Wertzeichen in ein Couvert und warteten zum Zerreissen gespannt, bis nach ein paar Wochen endlich der Pöstler die heiss ersehnte Ware in den Briefkasten legte. Eine Mütze mit aufgedruckten Unterschriften, ein Fanschal oder ein Pin seines Idols waren Statussymbole auf dem Pausenplatz. Für jede und jeden gab es nur ein Motiv, das er oder sie ins Zeichenheft malte. Schon bald waren die roten und orangen Farbstifte in der Carand’Ache-Schachtel bis zu kleinen Stummeln runtergespitzt, um die Renndresses unserer Helden zu zeichnen.
Diese Zeiten sind lange vorbei. Heute scannt man den QR-Code unter dem Deckel und hofft, vielleicht einen Preis zu gewinnen, obwohl man weiss, dass es eher darum geht, unsere Daten zu Marketingzwecken zu gebrauchen. Wo bleibt der Sammelspass von damals? Wo die leuchtenden Kinderaugen beim Erhalt der Prämie? Wo der unerschütterliche Zusammenhalt auf dem Schulhof, wenn es um unsere Sportler geht?
Bleibt zu hoffen, dass wenigstens unsere Skistars von heute das Sammeln nicht verlernt haben, zumindest, wenn es um Olympiamedaillen geht.
Und ganz so wirkungslos war die Werbeaktion von damals dann doch nicht, oder welches Getränk bestellen Sie im Bergrestaurant?