«Man spricht vom Wohler Treffen»
27.02.2026 WohlenEinzigartig in ganz Europa
Internationales Microcartreffen: Der Ausgangsort wechselt von Wohlen nach Meisterschwanden
Seit einem halben Jahrhundert begeistern die Inhaber von Microcars das Freiamt. Vom 1. bis 3. Mai drehen sie wieder ihre Runden ...
Einzigartig in ganz Europa
Internationales Microcartreffen: Der Ausgangsort wechselt von Wohlen nach Meisterschwanden
Seit einem halben Jahrhundert begeistern die Inhaber von Microcars das Freiamt. Vom 1. bis 3. Mai drehen sie wieder ihre Runden – und zwar in Meisterschwanden und nicht in Wohlen.
Sie ziehen immer alle Blicke auf sich. Denn den Microcars gehört alle vier Jahre die grosse Aufmerksamkeit. In Wohlen zählt der internationale Anlass zur guten Tradition. Aber dieses Mal nicht. Ausgerechnet beim 50-Jahr-Jubiläum wechselt der Standort von Wohlen nach Meisterschwanden. Das Organisationsteam hätte allzu gerne das Gebiet Bleichi, Hofmatten, Merkur-Areal erneut belegt. «Aber die Infrastruktur steht für uns nicht zur Verfügung», sagt OK-Präsident Bernhard Taeschler. Nun findet das beliebte Treffen vom 1. bis 3. Mai in Meisterschwanden statt. Das Teilnehmerfeld war im Nu ausverkauft, 35 verschiedene Marken werden die Menschen begeistern. Taeschler blickt auf zwölf Microcartreffen zurück – und auf viele tolle Begegnungen. «Heutzutage gibt es viele sogenannte Marken-Treffen – ob MG, VW, Mercedes oder welche Marke auch immer. Wir haben aber immer noch ein echtes Kleinwagentreffen mit der ganzen Breite von 35 Marken – in Europa ist das einzigartig.» Diese besondere Stellung sei auch sein «persönliches Highlight, das dieses Treffen schon lange auszeichnet».
Ob Messerschmitt, Isetta oder Henkel – die ganze Nachkriegsflotte der Kleinwagen wird am internationalen Treffen zu sehen sein. Taeschler selber staunt über die Entwicklung des Automobils. «Das ist eindrücklich. Stellt man eine Messerschmitt neben einen aktuellen SUV, hast du quasi einen Lastwagen neben einem Kabinenroller – so viel hat sich getan in den letzten Jahrzehnten.» --dm/hus
13. Internationales Microcartreffen vom 1. bis 3 Mai: OK-Präsident über den Wechsel von Wohlen nach Meisterschwanden
Er ist seit der ersten Stunde dabei. Und zieht noch immer die Fäden als OK-Präsident: Bernhard Taeschler hat vor 50 Jahren das Microcartreffen ins Leben gerufen. Nun steht die Jubiläumsausgabe an – am Hallwilersee, da, wo einst alles begann.
Simon Huwiler
Für all jene, denen Microcars (noch) nichts sagt: Was ist ein Microcar?
Bernhard Taeschler: Wir definieren das so: Der Microcar darf maximal drei Meter lang sein und 500 ccm haben. Und er soll mindestens 30 Jahre alt sein. Natürlich bestätigen Ausnahmen die Regel – aber im Grossen und Ganzen kommt das so ziemlich hin.
Ihr erster Microcar war ein Messerschmitt. Wie kamen Sie dazu?
1972 habe ich meinen ersten Messerschmitt gekauft, in St. Gallen. Damals war er ausgeschrieben am Migros-Anschlagbrett für 240 Franken. Ich habe ihn sofort gekauft und bin direkt von St. Gallen nach Hause gefahren.
Anfang Mai fahren die Microcars nun dahin zurück, wo 1976 alles begann. Wie war das damals am Hallwilersee beim ersten Microcartreffen?
Damals hatten wir jeweils donnerstagabends Herrenabend im Restaurant Delphin in Meisterschwanden. Als ich dann mit meinem gelben Messerschmitt vorfuhr, kam der so gut an, dass innerhalb von kurzer Zeit alle Stammtischbrüder einen Microcar besassen. So kam die Idee eines ersten Treffens auf. 30 Autos kamen zusammen. Alle fuhren sie selber hin und wieder zurück. Schon damals hatten wir Gäste aus dem Fürstentum Liechtenstein und aus Süddeutschland. Highlight war die Sonntagsfahrt rund um den Hallwilersee.
Schon bald waren die Microcars in festen Wohler Händen. Wie kam Wohlen auf den Geschmack?
Das erste Treffen kam so gut an, da kam schnell die Frage auf: Wann machen wir das wieder? Die Treffen wurden in der Folge immer grösser und beliebter. Das erste Upgrade: Wir zogen in die Turnhalle in Meisterschwanden. Die platzte aber schon bald aus allen Nähten. Immer mehr Leute, immer mehr Bedürfnisse: nach dreimal Meisterschwanden gabs wirklich keinen Platz mehr. Und so zogen wir in die Bleichi Wohlen – der ideale Platz, zusammen mit dem Hofmattenareal als Campingplatz.
Wohlen war jahrzehntelang die Heimat des Microcartreffens. Was hat diesen Ort so besonders gemacht?
Die Infrastruktur mit der Bleichi, Tiefgarage Hofmatten und Hofmattenareal hat wunderbar gepasst. Auch ist Wohlen Heimat von vielen Microcars – ein Grossteil des OKs kommt ja ebenfalls aus Wohlen. Wir wären übrigens gerne fürs Jubiläum nach Wohlen gekommen. Aber leider war es nicht möglich, die Infrastruktur steht nicht mehr zur Verfügung wegen zu vielen Belegungen. Die Szene redet aber natürlich immer noch von Wohlen. Oft fragten mich ehemalige Teilnehmer: «Wann ist wieder Wohlen?» Die Leute erinnern sich gerne zurück. Man spricht nicht vom Microcartreffen, sondern vom Wohler Treffen.
Sie sind seit der ersten Stunde aktiv mit dabei. Und ziehen noch immer die Fäden. Wie hat sich das Publikum im Laufe der Jahrzehnte verändert – sind heute andere an Microcars interessiert als früher?
Wie die Autos älter geworden sind, sind auch die Besitzer älter geworden. Es gibt junge Leute, die nachkommen, aber nicht allzu viele. Die Autos sind halt schon etwas aus der Zeit gefallen – ohne Gurte zu fahren, ist heute tabu, ohne Airbag ebenfalls. Ein Revival ist eher schwierig. Es schreien zwar alle nach kleinen Stadtautos, aber es kauft sie niemand. Viele der Autos waren damals Versehrtenfahrzeuge – in der Nachkriegszeit.
Gibt es mögliche Nachfolger?
Eine richtige Nachfolge wäre der elektrische Microlino, aber er hat einen schweren Stand. Letztes Jahr gab es im Pantheon Basel eine Kleinwagenausstellung. Es war die erfolgreichste Ausstellung an diesem Ort, die es je gab – man hat die Kleinwagen also noch immer sehr gern. Doch die Nachfolgeregelung ist wie bei vielen anderen Themen schwierig. Die Jungen wollen sich nicht mehr verpflichten.
Man fragt sich, was einst mit all den vielen tollen Autos passieren wird.
Unsere Autos werden uns überleben. Es ist unsere Pflicht, den Nachlass zu regeln. Es gibt drei Varianten, damit umzugehen: verkaufen, verschenken, am liebsten dem Enkel – und zwar mit vollem Tank – und so Interesse zu wecken. Oder die dritte Option, die Autos unter einem Tuch verstauben zu lassen. Für mich kommt Letzteres aber nicht infrage. Wenn du ein Auto hergibst, dann bitte, solange du noch dem Junior sagen kannst, wie man es anlässt und woher du Ersatzteile bekommst. Ich kenne selbst so viele Sammlungen von älteren Menschen, die an den Autos kleben und sich nicht lösen können oder Nachkommen haben, die kein Interesse zeigen. Das ist schade.
Vorbeischauen tun die Leute bei den Treffen immer gerne. Was macht das 50-Jahr-Jubiläumstreffen 2026 speziell?
Das Highlight wird sicherlich neben den Rundfahrten am Samstag und Sonntag die Fahrzeugausstellung vor der Mehrzweckhalle Eggen in Meisterschwanden. 125 Microcars auf einen Blick. Und dabei mussten wir erst noch diversen Interessenten absagen, aus Kapazitätsgründen. Es ist ein rollendes Museum, das wir präsentieren. Man sieht viele Autos, in allen Farben und Formen, die längst aus dem Strassenbild verschwunden sind. Wer gerne etwas zurückblickt auf die letzten sieben Jahrzehnte, der ist bei uns genau richtig.
Microcars haben ihren Nischenplatz gefunden. Was motiviert Sie, so viel Herzblut in diese Treffen zu stecken?
Die Liebe zu den Kleinwagen, vor allem auch zu der Geschichte dieser Art von Fahrzeugen treibt mich an. Und natürlich die vielen tollen Freundschaften, die ich über die Jahre machen und pflegen durfte. Ich mache es einfach sehr gerne. Und solange ich fit genug bin, mache ich weiter.
Unter den 35 Marken trifft man viele Exoten an. Welche Modelle oder Marken haben die Microcar-Kultur besonders definiert?
Den innersten Kern machen Messerschmitt, BMW Isetta und Heinkel aus – meist dreirädrig, jene Wagen sind der Inbegriff eines Microcars. Dies hängt eng mit Nachkriegsdeutschland zusammen – die Autos entstanden oft in früheren Flugzeugwerken und waren eine direkte Antwort auf die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Rohstoffe, Güter und das Geld sehr knapp waren. Obwohl deutsche Marken dominieren, gab es auch Microcars, die damals in Japan, Frankreich, Österreich oder Grossbritannien entstanden – oftmals brauchte man für diese Autos auch keinen Führerschein. Die Briten etwa mussten nach dem Krieg ebenfalls etwas zurückbuchstabieren – nur auf Bentley und Rolls-Royce zu setzen, lag nicht mehr drin.
Nicht nur die Formen wandelten sich mit der Zeit, auch das Innenleben der Autos. Wie würden Sie einem heutigen Ingenieur die Konstruktion eines Microcars erklären?
Primär sind es Autos mit kleinen Ein-Zylinder-Motoren. Die Einfachheit ist entscheidend: Es gibt keine Elektronik und kaum hydraulische Bremsen, alles funktioniert mechanisch. Zudem sind die Microcars sehr leicht, 250 bis 300 Kilogramm. All diese Spezifikationen sind heute undenkbar mit unseren Vorschriften von Knautschzonen. Trotz dieser Einfachheit fahren die Microcars aber sehr angenehm.
Gibt es einen Microcar, den Sie besonders schätzen?
Klar, ich hatte immer die Liebe zur Marke Messerschmitt, speziell natürlich zum FMR Tg500. Der sogenannte Tiger ist die Krönung aller Kleinwagen, der Inbegriff eines Kleinwagens mit einer gewissen Sportlichkeit. Und zudem sieht er auch ulkig aus.
Ob Microcartreffen oder andere Oldtimer-Veranstaltungen. Die Frage kommt immer wieder auf: Welche Rolle können historische Fahrzeuge in der Zeit von E-Mobilität spielen?
Microcars werden bleiben, solange es noch Benzin gibt. Aber sie werden seltener, vielleicht landen sie mal in einem Museum. Es ist natürlich ein Auto, das sich auch nicht weiterentwickeln kann. Alle vorhandenen Kleinwagen sind grösstenteils restauriert, es geht nur ums Erhalten. Und nach 50 oder mehr Jahren fahren die meisten Teilnehmenden von Treffen auch nicht mehr auf eigener Achse an, sondern auf einem Anhänger. Das ist auch den veränderten Strassenverhältnissen geschuldet.
Was würden Sie jemandem sagen und raten, der heute neu in die Microcarwelt einsteigen will?
Er oder sie soll beim Jubiläumstreffen bei uns vorbeischauen. Und dann die verschiedenen Fahrzeuge genau anschauen. Wenn einem etwas gefällt, mit dem Besitzer reden. Der Besitzer ist vielleicht bereit, einen mal mitfahren zu lassen, damit man so auf den Geschmack kommt.
Den Blick voraus richtend: Was wünschen Sie sich für die nächsten 50 Jahre Microcar-Kultur?
Ich wünsche mir, dass diese Kultur – in welcher Form auch immer – weitergeht. Und die Liebe zu diesen Autos von Enthusiasten gepflegt wird und auch meine Autos in gute Hände kommen und dass die Autos weiterhin gefahren werden und nicht in einer Garage verstauben. Es sind eben Fahrzeuge, keine Stehzeuge.
Zwei Ausfahrten
Das Programm des 13. Internationalen Microcartreffens. Am Freitag, 1. Mai, ist Anreisetag der Teilnehmer. – In eigener Regie: Fahrt um den Hallwilersee mit Besuch Schloss Hallwyl. – Samstag, 2. Mai, 10 Uhr, Start zur grossen Rallye mit Postenarbeiten. 15.30 bis 18 Uhr, Teilemarkt. Galaabend mit Renelvis. – Sonntag, 3. Mai, 9 Uhr, Abfahrt nach Rudolfstetten. Aufstellung der Fahrzeuge auf dem Dorfplatz. 12 bis 13 Uhr, Showlauf am GP Mutschellen mit direkter Rückfahrt. 15 bis 15.30 Uhr, Preisverleihung und Verabschiedung.
Informationen: microcars.ch.
Persönlich
Bernhard Taeschler-Gfeller ist die treibende Kraft hinter den 13 Microcartreffen seit 1976. Er ist leidenschaftlicher Fahrer und Sammler von historischen Fahrzeugen und deren Geschichte. Er hat seit jungen Jahren eine grosse Begeisterung für den Motorsport.
Bernhard Taeschler wohnt in Sarmenstorf, wurde geboren am 28. Februar 1951 (also morgen 75), ist seit 50 Jahren verheiratet, Vater von drei erwachsenen Kindern und hat sieben Enkel (zwei davon fahren schon Auto!).
Seine Ausbildung: Gemeindeschule Sarmenstorf, Bezirksschule in Fahrwangen und Wohlen, Kantonsschule in Aarau und HSG St. Gallen – lic.oec. HSG, Wirtschaftsjurist. – Beruf: drei Wanderjahre in Cape Town, dann tätig in der Alpinit in Sarmenstorf. Ab 2000 Verwalter der JVA Lenzburg. Seit zehn Jahren im «Unruhezustand».
Hobbys: 27 Jahre Clubpräsident ACS Aargau respektive ACS Mitte (Ehrenpräsident 2018) und sechs Jahre Präsident der Swiss Historic Vehicle Federation (SHVF), des Dachverbands von weit über 100 Clubs in der Schweiz (Ehrenpräsident seit 2025). Mitglied im OK GP Mutschellen (seit 2004) und OSMT (Oldtimer-Sunday-Morning-Treffen in Zug).



