Konkrete Zahlen erwünscht
03.03.2023 WohlenKanton führt in Wohlen in den kommenden zwei Wochen Verkehrserhebungen durch
Wie rollt der Verkehr in Wohlen nach Abschluss der Sanierung Nutzenbachstrasse? Der Kanton will es genau wissen. Auch in Hinblick auf die Südumfahrung.
...Kanton führt in Wohlen in den kommenden zwei Wochen Verkehrserhebungen durch
Wie rollt der Verkehr in Wohlen nach Abschluss der Sanierung Nutzenbachstrasse? Der Kanton will es genau wissen. Auch in Hinblick auf die Südumfahrung.
Chregi Hansen
Wer selbst mit dem Auto in Wohlen unterwegs ist, hat es längst gemerkt. Seit die Nutzenbachstrasse wieder auf der ganzen Strecke geöffnet ist, hat sich die Situation im Zentrum beruhigt. Das heisst aber nicht, dass es gar keine Probleme gibt. Gerade zu den Stosszeiten braucht es noch immer etwas Geduld.
Ob und wie stark die Gemeinde durch den motorisierten Individualverkehr leidet, darüber wird schon seit Jahren trefflich gestritten. Ist der Verkehr tatsächlich vorwiegend hausgemacht, wie immer wieder betont wird? Oder kann die viel diskutierte und von vielen sehnlich erwünschte Südumfahrung die nötige Entlastung des Zentrums bringen? Die Meinungen dazu gehen auseinander.
Nun will es der Kanton genau wissen. Seit gut einem Jahr prüft er die Zweckmässigkeit einer Südumfahrung. Seither wurden verschiedene Varianten geprüft und eine technische und umweltrechtliche Machbarkeitsprüfung vorgenommen. Nun sollen die erarbeiteten Varianten bewertet und mit der aktuellen Situation verglichen werden. Dazu benötigt das Departement Bau, Verkehr und Umwelt aber genaue Zahlen. Deren Erhebung war wegen der Arbeiten an der Nutzenbachstrasse bisher nicht möglich. Nun aber wird zwei Wochen lang gezählt – und das an gleich acht Orten.
An acht Stellen wird gezählt
In Wohlen startet der Kanton heute mit einer umfassenden Verkehrserhebung
Zwei Wochen lang misst der Kanton an acht Stellen den Verkehr in und durch Wohlen. Diese Verkehrszahlen stellen eine wichtige Grundlage für die aktuell laufenden Verkehrsplanungen von Kanton und Gemeinde dar. Nicht zuletzt bei der Frage der Südumfahrung.
Chregi Hansen
Dass eine Umfahrung helfen kann, ein Verkehrschaos im Zentrum zu vermeiden, haben die Wohler in den vergangenen zwei Jahren vorgeführt erhalten. Denn auch die Nutzenbachstrasse ist eine Art Umfahrung, auch wenn sie nicht so bezeichnet wird. Und während ihrer Schliessung wegen der Sanierung und des Ausbaus brach der Verkehr durch Wohlen teilweise richtig zusammen.
Die Arbeiten hatten aber auch zur Folge, dass der Kanton in dieser Zeit keine brauchbaren Zahlen bezüglich der Verkehrsbelastung erheben konnte. Denn die Verkehrsströme waren natürlich stark durch die Arbeiten beeinträchtigt. Jetzt aber soll das dringend notwendige Zahlenmaterial beschafft werden. Ab heute Freitag wird in Wohlen für rund zwei Wochen der motorisierte Individualverkehr an den meistbefahrenen Strassen gezählt. Die Daten werden im Rahmen der Gesamtverkehrsbetrachtung Wohlen erhoben. Diese ist Grundlage für den Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) und die Zweckmässigkeitsbeurteilung der Südumfahrung Wohlen.
Dass diese Zählung notwendig ist, zeigt ein Blick auf den Strassenbelastungsplan des Kantons, der online einsehbar ist. Die dort erfassten Zahlen sind teilweise über 20 Jahre alt (beispielsweise diejenigen für die Zentral- oder die Waltenschwilerstrasse), die aktuellsten Zahlen sind aus dem Jahr 2020. Damals wurden auf der Villmergerstrasse 16 821 durchschnittliche Fahrten pro Tag gemessen. Wie die Zahlen auf den Wohler Strassen heute aussehen, weiss aber niemand.
Nun also will man es genau wissen. In Wohlen selbst hat der Kanton keine permanente Messstelle eingerichtet, die nächstgelegene befindet sich bei der Umfahrung Bremgarten. Dafür werden jetzt an acht verschiedenen Orten temporäre Zählstellen eingerichtet, die bis zum 16. März im Einsatz sind. Gleich drei von ihnen befinden sich auf der Kantonsstrasse K127 zwischen der Bullenbergkreuzung und Bremgarten, dazu kommen je eine auf der Niederwilerstrasse, Anglikerstrasse, Waltenschwilerstrasse, Freiämterstrasse und Bünzstrasse.
Infoanlass im Herbst geplant
Die so erhobenen Zahlen sind wichtig für die künftige Verkehrsplanung. Mit den neuen Erhebungen wird nun ein aktueller Zustand ohne jegliche Einschränkungen oder Sperrungen auf dem Strassennetz erhoben, auf welchen sich die Planungen abstützen können. Dies ist besonders wichtig im Hinblick auf eine mögliche Südumfahrung. Diese soll, falls sie gebaut wird, die Bünztalachse (K 124 / Farnstrasse) mit der Bremgarterstrasse (K 127) verbinden und das Zentrum von Wohlen vom Verkehr entlasten.
Die Südumfahrung ist als Zwischenergebnis im kantonalen Richtplan eingetragen. Seit dem Frühjahr letzten Jahres prüft der Kanton die Südumfahrung vertieft mittels einer Zweckmässigkeitsbeurteilung. Die Phase 1 (Variantenstudium) und die Phase 2 (technische und umweltrechtliche Machbarkeitsprüfung) sind bereits abgeschlossen. In der dritten und letzten Phase werden die erarbeiteten Umfahrungsvarianten bewertet und mit dem Zustand ohne Umfahrung verglichen. Im Herbst 2023 ist dazu eine Informationsveranstaltung vorgesehen.
Zahlen helfen sowohl dem Kanton wie der Gemeinde
Die ganzen Schritte gehören zur Gesamtverkehrsbetrachtung für die Gemeinde Wohlen, mit der bereits im letzten Frühling begonnen wurde. Wohlen ist mit rund 17 000 Einwohnern die viertgrösste Gemeinde des Kantons und ein regionales Wirtschaftszentrum. Die engen Platzverhältnisse und die Bündelung mehrerer Hauptverkehrsstrassen im Zentrumsbereich führen bereits heute zu grossen Verkehrsbelastungen im Siedlungsgebiet. Diese werden zukünftig infolge des prognostizierten Bevölkerungswachstums und der steigenden Mobilitätsbedürfnisse weiter zunehmen. Die jetzt in Angriff genommene Gesamtverkehrsbetrachtung soll auch der Gemeinde zur Überarbeitung des Kommunalen Gesamtplans Verkehr (KGV) dienen.
Synergien nutzen
In Wohlen ist man froh, dass es jetzt vorwärtsgeht. Die drei Verkehrsplanungsprojekte sind dabei eng koordiniert. Während der Kanton für die Gesamtverkehrsbetrachtung und die Zweckmässigkeitsbeurteilung Südumfahrung zuständig ist, liegt die Verantwortung für den Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) bei der Gemeinde. «Die Verkehrsdaten, die nun erhoben werden, dienen allen drei Planungen gleichzeitig. Es können Synergien genutzt werden und die Planungen gehen von denselben Grundlagen aus», erklärt Gemeindeammann Arsène Perroud.
Endlich eine Situation ohne Einschränkungen
Er ist froh, dass bald konkrete und aktuelle Zahlen vorliegen. «Es bestehen bereits aus früheren Jahren Zählungen und Modellrechnungen betreffend dem Verkehrsaufkommen. Für die Verkehrsplanung sind aber aktuelle und verlässliche Zahlen wichtig», sagt er. Der Zeitpunkt sei zudem ideal. «Aktuell bestehen keine Einschränkungen auf dem Verkehrsnetz, da keine Baustellen in Betrieb sind. Somit sind unverfälschte Zahlen zu erwarten», macht der Gemeindeammann deutlich.
Die Gesamtverkehrsbetrachtung und die Prüfung der Südumfahrung Wohlen sind neben der bereits erfolgten Realisierung des A1-Zurbringers in Lenzburg und der geplanten Knotenausbauten entlang der Bünztalachse weitere Elemente, um die Erreichbarkeit des Freiamts zu verbessern. Die Planung erfolgt unter Federführung des Kantons und in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde Wohlen sowie der Region. Abhängig vom Ergebnis der Zweckmässigkeitsbeurteilung wird das weitere Vorgehen für die Südumfahrung inklusive einer allfälligen Anpassung im kantonalen Richtplan definiert. In Wohlen bleibt man gespannt.



