Juwel in nächster Nähe
24.04.2026 Region Unterfreiamt, Vereine138. Generalversammlung der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee AG
Kein geringerer Ort als ein Schiff wird für die GV der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee gewählt. Mitten auf dem See rückt der geschäftliche Teil schnell in den Hintergrund und ...
138. Generalversammlung der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee AG
Kein geringerer Ort als ein Schiff wird für die GV der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee gewählt. Mitten auf dem See rückt der geschäftliche Teil schnell in den Hintergrund und die 495 Aktionäre geniessen das milde Wetter auf der dazugehörigen Rundfahrt.
Monica Rast
Leise brummen die Motoren, kaum spürbar. Einzig die sich drehende Aussicht zeugt davon, dass sich die Schiffe bewegen. Die Aktionäre der Schifffahrtsgesellschaft Hallwilersee AG (SGH AG) werden zur jährlichen Generalversammlung traditionsgemäss auf die Schiffe der eigenen Flotte eingeladen. Und nicht etwa an einer beliebigen Station, sondern auf dem See.
So nimmt die MS Delphin vom Seehotel in Meisterschwanden mit ihren Aktionären Fahrt auf und steuert auf die Mitte des Hallwilersees zu. Kurze Zeit später gesellen sich die Schiffe MS Brestenberg, MS Seetal und MS Hallwil mit ihren jeweiligen Aktionären dazu. Lachend und winkend werden die Ankommenden auf dem Oberdeck der anderen Schiffe begrüsst. «Da kann man sich ja gleich die Hand reichen», meinen einige Passagiere lachend, als die Schiffe links und rechts an die Delphin angebunden werden. Sie geniessen die Fahrt bei milden Temperaturen, ruhiger See und der sinkenden Sonne.
Während der Generalversammlung manövriert Joelle Reck, Kapitänin der Delphin, die Schiffe. «Kein schwieriges Manöver», erklärt Geschäftsführer und Kapitän Ueli Haller, «doch die Kräfte wirken mit den zusammenhängenden Schiffen.»
Geopolitische Lage hat das Jahr geprägt
Verwaltungsratspräsident Thomas Lindenmann begrüsst die 495 Aktionäre an Bord. Gleich zu Beginn nehmen die Anwesenden Abschied von Ernst Fischer, Götti der MS Delphin. «Ernst, du bleibst uns in bester Erinnerung.» Das Wort wird Geschäftsführer Ueli Haller übergeben für den Jahresbericht.
«Die geopolitische Lage war im vergangenen Jahr nicht gut», erklärt dieser, «Spannungen, militärische Konflikte und Handelspolitik haben das Jahr geprägt.» Das Weltgeschehen geht auch an der SGH nicht spurlos vorbei. Plötzlich sind Ersatzteile nicht sofort lieferbar und die Kosten steigen überall. Insbesondere bei den Gebühren für das Online-Ticketing und Kreditkartengeräte. Wichtig sei, dass man den Gästen das Gefühl des Willkommens vermittelt, sodass sie sich trotz Turbulenzen auch in Zukunft einen Ausflug an den Hallwilersee leisten. «Denn der Hallwilersee ist ein Juwel», ist Haller überzeugt.
Rund 120 000 Passagiere wurden auf den fünf Schiffen der Gesellschaft auf Kurs-, Themen- und Extrafahrten transportiert. «Wir verzeichnen besonders bei unserem vielseitigen Jahresprogramm höhere Anfragen», informiert Haller. Trotz weniger Schiffstagen und Fahrkilometern stiegen die Personenfrequenzen. An sehr schönen Tagen waren die Kursfahrten ausgebucht. Ein grosses Thema ist auch die Nachhaltigkeit. So wurde das Level zwei bei Swisstainable erreicht – einem Schweizer Nachhaltigkeitsprogramm aus dem Tourismus für den Tourismus. Dies beinhaltet unter anderem, dass alle Schiffe rollstuhlgängig und barrierefrei sind. Ebenfalls mitgemacht hat die Gesellschaft bei «Aargau isch fein». Das Gütesiegel steht für saisonale und regionale Produkte vom Hof und fördert die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Gastronomie.
Wichtige Faktoren für die Zukunft
Ueli Haller erwähnte bereits im letzten Jahr, dass die Dekoversierung (Anpassung, Registrierung und Kennzeichnung) in der schweizerischen Binnenschifffahrt die SGH beschäftigt. «Es ist schwierig, Lösungen zu finden. Nicht nur finanziell, sondern auch die Umsetzung.» Grundsätzlich sei man zufrieden mit der Saison 2025. «Was uns in die Karten spielt, ist das Wetter», meint der Kapitän. «Aber es gab im letzten Jahr auch einige Regentage, wo die Frequenzen zusammenfielen.»
Die Mannschaft der SGH ist sehr gut ausgebildet und probt mehrmals sicherheitsrelevante Szenarien. Doch ein solches Ereignis wie am 15. Juni 2025 gab es noch nie in der Geschichte der SGH. Die MS Seetal lag am Schiffsteg Birrwil, bereit, Gäste ein- und aussteigen zu lassen, als eine Gewitterbö das Schiff erfasste und vom Steg wegdrückte. Die beiden Pfähle hielten dem Druck nicht stand und wurden ausgerissen. «Zum Glück gab es nur einen Sachschaden», meinte Haller, «aber wie man sieht, haben auch wir keinen Einfluss auf die Natur.» Nach umfangreichen Reparaturarbeiten konnte die Anlegestelle nach rund zwei Wochen wieder bedient werden.
Liquidität gewährleistet
Finanzchef Peter Haerry: «Trotz den zwei Jahren mit Verlusten ist die Liquidität der Gesellschaft sehr gut gewährleistet.» Nichtsdestotrotz ist man besonders im Sommer auf regelmässige Besucher angewiesen. Dem Betriebsertrag von 2,6 Millionen Franken steht der Betriebsaufwand von 2,4 Millionen Franken gegenüber.
Die angenehmen Frühlingstage sind ein guter Start in die Saison und wie in vergangenen Jahren erfreuen sich die Morgenkurse grosser Beliebtheit.


