Handeln, bevor etwas passiert
13.01.2026 Region Bremgarten, KüntenDas neue Schulwegsicherheitskonzept wird bereits umgesetzt
In Künten wurde letztes Jahr ein Schulwegsicherheitskonzept erarbeitet. Ein Augenschein vor Ort mit der zuständigen Gemeinderätin Seraina Siragna zeigt, wo die gefährlichsten Punkte im Dorf ...
Das neue Schulwegsicherheitskonzept wird bereits umgesetzt
In Künten wurde letztes Jahr ein Schulwegsicherheitskonzept erarbeitet. Ein Augenschein vor Ort mit der zuständigen Gemeinderätin Seraina Siragna zeigt, wo die gefährlichsten Punkte im Dorf sind und was bereits zur Entschärfung unternommen wurde.
Roger Wetli
Hier, an dieser Stelle hätte ein Kind von einem Fahrzeug angefahren werden können. Es ist der Ort, wo der Mühlemattweg auf die Quartierstrasse Chraz trifft. Gemeinderätin Seraina Siragna hebt den rechten Arm: «Es ist unübersichtlich hier. Immer wieder treffe ich Eltern, die auf ihre Kinder warten, die vom nahen Kindergarten und Schulhaus kommen.» Sie erklärt: «Mit ihren parkierten Autos machen sie diesen Ort noch gefährlicher. Er wird noch unübersichtlicher.» Nur um das zu bestätigen, spaziert an diesem düster-nebligen Morgen eine Mutter mit ihren Kindern vorbei. Sie hat Glück. Fahrzeuge sind aktuell nicht auszumachen.
Um den Bereich Chraz, Mühlemattweg inklusive Brülisauer Käserei sicherer zu machen, möchte der Gemeinderat hier eine Begegnungszone schaffen. In dieser liegt die erlaubte Höchstfahrgeschwindigkeit bei 20 km/h und Fussgänger haben Vortritt beim Überqueren der Strasse. «Das wird sicher viel bringen», ist die Gemeinderätin überzeugt.
Zeichen an die Bevölkerung
Ein paar Schritte weiter entfernt zeigt Seraina Siragna auf die Kantonsstrasse, die Künten mit Eggenwil und grösser gedacht Baden mit Bremgarten verbindet. Viele Künter Schülerinnen und Schüler überqueren diese täglich auf ihrem Weg von ihrem Zuhause in die Schule. Die Gemeinderätin deutet auf die Mitte der Kantonsstrasse. Zu sehen ist nichts. «Wir als Gemeinderat haben dem Kanton den Auftrag erteilt, den Mittelstreifen auf der Kantonsstrasse im gesamten Gemeindegebiet zu entfernen», erklärt sie. Die Entfernung des Mittelstreifens sei durch den Kanton erfolgt. «Der fehlende Mittelstreifen dient dazu, dass die Autofahrer den Blick vom Mittelstreifen weg auf die Strassenseite und somit auf die Fussgänger richten.» Zudem wirke durch den fehlenden Mittelstreifen die Fahrbahn schmaler, was bei den Fahrzeuglenkern automatisch zu einer Reduktion ihres Tempos führe. «Dass wir hier so schnell handeln konnten, ist ein enorm wichtiges Zeichen für die Bevölkerung. Wir sind willig, das Schulwegsicherheitskonzept umzusetzen.»
Keine isolierten Massnahmen
Begeistert erzählt sie vom Prozess, in dem dieses 17-seitige Konzept entstanden ist. «An einer Gemeindeversammlung stellten Eltern den Antrag, einen Lotsendienst an der Kantonsstrasse zu lancieren. Wir als Gemeinderat hielten diese isolierte Massnahme nicht als zielführend. Wir wollten ein ganzheitliches Vorgehen.» Also organisierte der Rat für Eltern eine Informationsveranstaltung mit einem Experten. «Es kam heraus, dass viele Erziehungspersonen für ihre Kinder in Künten zu viele unsichere Stellen auf den Strassen sehen», erinnert sich Seraina Siragna. «Zwar gab es bisher keine schweren Unfälle. Trotzdem waren wir uns einig, dass wir handeln sollten, bevor etwas passiert.»
Nach der Veranstaltung gründete der Gemeinderat eine Arbeitsgruppe, bestehend aus zwei Gemeinderäten, sieben Eltern und Einwohnern und dem Verkehrsexperten Thomas Bellioli. Diese erarbeite das nun vorliegende Schulwegsicherheitskonzept aus. «Von einem möglichen Lotsendienst verabschiedeten wir uns schnell. Dies, weil uns klar wurde, dass wir nicht überall und ständig ehrenamtliche Lotsen an Strassen stellen können. Die Schülerinnen und Schüler müssen lernen, gefährliche Stellen selbst richtig einzuschätzen und auf kritische Situationen zu reagieren», so Siragna. Um deren Verhalten zu analysieren, stellte die Gemeinde an verschiedenen Fussgängerstreifen an der Kantonsstrasse an zwei Morgen Kameras auf. Seraina Siragna lächelt: «Wir sahen, dass es die Kinder gut machen. Allerdings fuhren bis zu drei Autos an den wartenden Kindern vorbei, bis eines anhielt und sie über den Fussgängerstreifen laufen liess.»
25 Orte wurden von der Arbeitsgruppe analysiert, mögliche Massnahmen aufgezeigt und wie dringend sie umgesetzt werden müssen. «Ich bin überrascht, wie gut das ging», sagt die Gemeinderätin. Diesem Urteil schliesst sich auch Verkehrsplaner Thomas Bellioli an. «Der Prozess lief aus meiner Sicht vorbildlich. Die verschiedenen Personen mit ihren unterschiedlichen Erfahrungen waren stets konstruktiv und es konnte sehr gut diskutiert werden. Ich selbst habe auch viel von der grossen Erfahrung der Leute in der Arbeitsgruppe profitiert und gelernt.»
Seraina Siragna betont, dass zu Verkehrssicherheit nicht nur bauliche Massnahmen oder strengere Regeln beitragen, sondern auch das Verhalten aller. Im Konzept werden bei den Zuständigkeiten deshalb neben dem Gemeinderat auch die Schule, Eltern und Grundstückbesitzer erwähnt. Die Gemeinderätin weist auf Sträucher an einer Hauseinfahrt hin, die nicht vorschriftsgemäss zurückgeschnitten wurden und welche die Sicht beeinträchtigen. «Hier zählt die Verantwortung jedes Einzelnen.» Ein paar Schritte weiter zeigt sie auf ein Firmengebäude. «Auch hier laufen viele Kinder durch. Wir schrieben die Firma an, dass sie ihre Lastwagenfahrer auf den Schulweg aufmerksam macht.»
Konzentration auf einfache Massnahmen
Der Rundgang mündet bei der Kreuzung zwischen Gemeindehaus und Kirche. Seraina Siragna signalisiert mit ihrer Hand die Augenhöhe eines kleinen Kindes. «Wenn es hier auf die Strasse läuft, sieht es die Fahrzeuge sehr spät und wird selbst auch sehr spät wahrgenommen. Diese Stelle zu entschärfen, ist nur mit grösseren baulichen Massnahmen möglich. Hier wird es deshalb nicht so schnell gehen.» Sie versichert, dass der Gemeinderat jetzt schnell dort handle, wo mit einfachen Mitteln die Schulwegsicherheit erhöht werden kann. «Darauf konzentrieren wir uns jetzt», verspricht sie.
Verkehrsplaner Bellioli erklärt, dass sich in Sachen «Gefährlichkeit» die Verhältnisse in Künten nicht gross von anderen Orten unterscheiden. «Man kann aber die empfundene Gefährdung reduzieren.» Für Seraina Siragna ist es wichtig, dass die Arbeitsgruppenmitglieder ihre Erkenntnisse in die Bevölkerung getragen haben. «Das war und ist ausdrücklich erwünscht.» Sie findet es besonders schön, dass auch Eltern mitmachten, deren Kinder bald aus dem gefährdeten Alter heraus sind. «Sie betonten, dass sie es für andere Eltern machen», freut sich die Mutter zweier noch nicht schulpflichtiger Kinder.
Kontrolle im Herbst
Das Schulwegsicherheitskonzept ist nun geschrieben und auf der Gemeindewebsite aufgeschaltet, die Arbeitsgruppe inaktiv, aber bei Bedarf abrufbar. Die Umsetzung liegt beim Gemeinderat. In diesem Herbst oder Winter möchten die Verantwortlichen prüfen, ob die getroffenen Massnahmen gewirkt haben. Als Parameter dienen Geschwindigkeitsmessungen, Kameraaufnahmen und das subjektive Empfinden der Eltern. Trotz des Nebels und der Kälte glänzen Seraina Siragnas Augen: «Ich bin fest davon überzeugt, dass die Massnahmen viel bringen – und wir damit den Schulweg sicherer machen können.»

