Grosser Mann in kleinen Rollen
20.01.2026 Sarmenstorf, Region UnterfreiamtPeter Fischli in Sarmenstorf
Schauspieler, Sprecher und Regisseur Peter Fischli war bei der Veranstaltung «Alpinitkultur, eingefädelt» zu Gast. Durch Rollen in Filmen wie «Grounding» und der Soap «Lüthi und Blanc» wurde er bekannt. ...
Peter Fischli in Sarmenstorf
Schauspieler, Sprecher und Regisseur Peter Fischli war bei der Veranstaltung «Alpinitkultur, eingefädelt» zu Gast. Durch Rollen in Filmen wie «Grounding» und der Soap «Lüthi und Blanc» wurde er bekannt. Seine Stimme ist noch oft im Radio zu hören. Fischli, der heute in Bremgarten wohnt, gab in Sarmenstorf Geschichten, Gedichte und Anekdoten aus seinem Schaffen preis und konnte so das Publikum begeistern. --red
Peter Fischli bei der Alpinitkultur zu Gast
«Alpinitkultur, eingefädelt» bietet spannende Veranstaltungen im eigenen Haus. Dieses Mal ist in der ehemaligen Textilfabrik Alpinit der Schauspieler, Sprecher und Regisseur Peter Fischli aus Bremgarten zu Gast. Mit Geschichten, Gedichten und Anekdoten begeistert er die Zuhörer.
Monica Rast
«Du bist unser Auftakt für unser Programm 2026», begrüsst Josefine Krumm von der Kunstkommission «Alpinitkultur, eingefädelt» ihren Gast Peter Fischli. Mit den Kulturveranstaltungen möchten die Organisatoren ein wenig Abwechslung in den Alltag bringen und manchmal spielt dabei der Zufall bei der Wahl an Kunstschaffenden eine grosse Rolle.
Eingeladen an einen Geburtstag machten Josefine Krumm und Alice Lüps die Bekanntschaft mit dem vielseitigen Peter Fischli. Die Bekanntschaft blieb so stark in Erinnerung, dass Krumm ihn als idealer Gast für das Kulturprogramm vorschlug. «Anfangs war er ein wenig zögerlich», erinnert sie sich an das Telefongespräch mit dem 79-Jährigen.
«Ich bin sehr bescheiden. Das hat sich durch meine ganze Karriere hindurchgezogen», ergänzt Fischli schmunzelnd. Obwohl seine Karriere beachtlich ist. Es braucht seine Zeit, wenn man die Berufstätigkeiten des Schauspielers, Sprechers und Regisseur durchlesen möchte. Besonders beim Radio SRF ist seine Stimme oft zu hören. Sei es in den «Haarsträubenden Rollen des Philip Maloney», im «Schreckmümpfeli» oder in weiteren Hörspielen und Erzählungen.
«Ich bin ausschliesslich ein Radio-SRF-Hörer, kenne aber seine Stimme nicht», meint ein Besucher. Josefine Krumm vertröstet ihn, denn neben dem Interview und den Lesungen werden auch Ausschnitte seines Schaffens gezeigt. Und jetzt hat die Stimme plötzlich auch ein Gesicht.
Wenn Stimme und Gesicht zusammentreffen
Bei der Gestaltung des Abends machte sich Josefine Krumm so Gedanken. «Wenn man immer die Stimme im Radio hört, ist es schön, wenn Stimme und Gesicht aufeinandertreffen», und freut sich, dass sie Fischli für die Alpinitkultur «einfädeln» konnte. Der Abend war eine Mischung aus Fragen beantworten, Einspielungen und Lesungen und dabei sehr spannend und unterhaltsam für die Zuhörer.
Auf dem Fussballfeld wäre er ein guter Mittelfeldspieler
Einmal wurde über Peter Fischli geschrieben, er sei der grosse Mann in kleinen Rollen. Das sieht der Schauspieler ein wenig anders. Er sieht sich als Mitspieler. «Im Fussball würde man sagen ein guter Mittelfeldspieler. Ich wollte nie grosse Rollen spielen.» Es interessierte ihn mehr, ob die Rolle wichtig war. «Ich habe mir sogar die kleinen Rollen gewünscht», erklärt Fischli. «Ich muss in ganz kurzer Zeit einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Das fand ich viel spannender.»
Witzig erzählt er Anekdoten aus seinen unterschiedlichsten Rollen. Sei es als Zauberer Petrosilius Zwackelmann in Räuber Hotzenplotz oder als Oberbonzen Pi Pa Po in Jim Knopf. Auch in «Victor Spätprogramm» und «Tatort» hatte er kleinere Rollen besetzt. In «Grounding» spielte Fischli den Gourmetchef, der einen Untergebenen entlassen musste. Dieser warf ihn in einer Szene zu Boden. «Damals meinte die Crew, ich bräuchte einen Stuntman für diese Szene», erinnert sich Fischli. «Man muss ja die Szene mehrmals spielen, bis es genau stimmt. Ist alles gut gegangen, aber am nächsten Tag hatte ich überall blaue Flecken.»
In der Neuinszenierung der Niederdorfoper spielte Peter Fischli den Trödler Schaggi Baumann ganze 357 Mal. «Dann hatte ich genug», meinte der 79-Jährige. Für ihn war die ganze Produktion sehr spannend. Man wusste nicht, ob die Aufführung mit der neuen Besetzung ankam – ohne Ruedi Walter und Margrit Rainer. «Wir waren alle wie auf ‹Gufe›. Diese Spannung hatte ich noch nie erlebt vor einer Premiere.»
Von Textsicherheit und Castings
Als freischaffender Schauspieler war Fischli viel auf Castings unterwegs. Mal erfolgreicher, mal weniger. Inzwischen haben sich die Ansprüche verändert. Man muss um seine Person ein grosses Netzwerk aufbauen. Früher wollte man als Schauspieler auf die Bühne – heute eher zum Film oder in die Moderation. «Ich hatte viele gute Parts und Sprechaufträge. Auch eine grosse Rolle», erinnert er sich. Inzwischen überlässt er die Bühne Jüngeren. «Als ich meinen Text vergass, war es an der Zeit aufzuhören.» Doch ganz bleiben lassen will er es dann doch noch nicht. Als Sprecher fürs Radio ist er immer noch zu haben.
Lieblingsprojekte
Auf die Frage, welches seine Lieblingsprojekte waren, muss Fischli nicht lange überlegen: «Alles, was mit Spielen, Erzählen und Musik zu tun hat.» Besonders die Inszenierungen auf dem Sädel, in Meienberg und im Kellertheater in Bremgarten bleiben ihm in lebhafter Erinnerung. Oder als Sprecher einer Weihnachtsgeschichte im Glarner Dialekt im KKL in Luzern. «Es ist etwas vom Schönsten, wenn man die Leute abholen kann und sie mitmachen. Wenn man das für sich entdeckt, ist das sensationell.»
«Imenä schünne Glarnertüütsch»
Als Glarner lässt es sich Peter Fischli nicht nehmen, eine Glarner Sage im Glarner Dialekt vorzutragen. Die Geschichte vom «Sülzlipuur» lässt die Zuhörer schmunzeln, auch wenn sie nicht alle Ausdrücke verstehen. Als Gegenzug hat Fischli noch ein paar Gedichte von Robert Stäger, welche vor 1966 geschrieben wurden, zur Hand. Beim abschliessenden «Schreckmümpfeli» lacht Fischli beim Zuhören seiner Rolle immer wieder still in sich hinein und spricht den Text leise mit. Die Zuhörer geniessen den Abend in kleiner Runde und haben nun das Gesicht hinter der Stimme von Radio und Fernsehen persönlich kennengelernt.


