Grosse Ära geht zu Ende
06.01.2026 Wohlen, GewerbeDie Tschachtli AG beendet ihre Geschäftstätigkeit am 31. März definitiv
Die Firma war einst in Wohlen führend in der Branche der Unterhaltungselektronik und lieferte die perfekten Lösungen für Klang und Bild. Der Markt hat sich in den letzten ...
Die Tschachtli AG beendet ihre Geschäftstätigkeit am 31. März definitiv
Die Firma war einst in Wohlen führend in der Branche der Unterhaltungselektronik und lieferte die perfekten Lösungen für Klang und Bild. Der Markt hat sich in den letzten Jahren jedoch stark verändert. Nun wird in drei Monaten auch der Privatkundenbereich geschlossen.
Daniel Marti
Vor knapp einem Monat informierte die Tschachtli AG, dass die Business-Geschäftsaktivitäten für Firmenkunden an die Winkler Systeme AG übergehen und dass man sich nur noch auf den Privatkundenbereich konzentrieren möchte (siehe Ausgabe vom 12. Dezember). Damals sprachen Verwaltungsratspräsident Lucien Tschachtli und Geschäftsführer Serge Müller von einer guten Lösung. Nach reiflichen Überlegungen folgt nun der nächste einschneidende Schritt: Die Tschachtli AG wird liquidiert, die Geschäftsaktivitäten für den Privatkundenbereich werden am 31. März am Hauptsitz an der Breitistrasse eingestellt. Zuvor ist noch ein grosser Ausverkauf vorgesehen.
«Müssen die Reissleine ziehen»
«Der Fachhandel ist der grosse Verlierer in der Branche der Unterhaltungselektronik», sagt VR-Präsident Lucien Tschachtli. Diese Erkenntnis treffe übrigens auch bei anderen Branchen zu, fügt er noch an. Die Verantwortlichen versuchten zwar, den Geschäftszweig für die Privatkundschaft weiterhin zu pflegen, aber letztlich fehlen die Perspektiven. «Die negative Entwicklung geht weiter, wir müssen die Reissleine ziehen», so Tschachtli weiter. «Eine Weiterführung des Privatkundenbereichs macht nach wirtschaftlichen Überlegungen keinen Sinn mehr.»
Lucien Tschachtli und Serge Müller geben offen zu, dass der Geschäftsbereich Firmenkunden stets gut funktionierte und über eine längere Zeit den fehlenden Umsatz im Privatkundenbereich kompensierte.
Der Business-Bereich für Firmenkunden (Hotels, Schulen, Gemeinden, Fitnesscenter, Altersheime) wird ab Januar von der Firma Winkler Systems AG weitergeführt. Und der Privatkundenbereich hat als eigenständiger Geschäftszweig laut Geschäftsführer Serge Müller praktisch keine Zukunft mehr. Onlinedienste beherrschen die Szene vollumfänglich. «Früher durften wir im Privatkundenbereich Einfamilienhäuser mit unseren Systemen ausrüsten, heute geht mittlerweile alles übers Handy.» Auch darum mache das Ende der Tschachtli-Ära Sinn.
Für Privatkunden: Neue Firma «TV-Service Freiamt»
Wichtig ist für Lucien Tschachtli und Serge Müller, dass alle Angestellten eine Anschlusslösung gefunden haben. Lucien Tschachtli, mittlerweile 78-jährig, geht definitiv in den wohlverdienten Ruhestand. Serge Müller selbst ist zuversichtlich, dass er ab Frühling eine neue Herausforderung finden wird. Die Privatkunden dürfen sich jedoch darüber freuen, dass sie über den 31. März hinaus vom Tschachtli-Team betreut werden können. Die langjährigen Mitarbeiter Peter Trachsel und Dani Gardonova werden mit der neuen Firma «TV-Service Freiamt» den Bereich weiterführen. Das Duo steht ab 1. April an einem neuen Standort als kompetenter Ansprechpartner bereit. Der neue Standort ist noch nicht ganz fixiert, er sollte jedoch in der Nähe des jetzigen Tschachtli-Lokals sein. «Somit konnten für sämtliche Mitarbeitende tragfähige und passende Anschlusslösungen gefunden werden», betonen Lucien Tschachtli und Serge Müller, «das erfüllt uns mit Freude und Stolz.»
Vision stimmte ursprünglich
Die Entscheidung, die Ära der Firma Tschachtli zu beenden, ist den beiden Verantwortlichen nicht leichtgefallen. Denn in diesem Jahr wären gleich zwei Jubiläen angestanden: Am 1. Februar ist der Hauptsitz zehn Jahre lang an der Breitstrasse, und am 1. September hätte das 50-Jahr-Firmenjubiläum gefeiert werden können. Erst war die Firma am Kirchenrain, dann an der Zentralstrasse und seit zehn Jahren an der Breitistrasse zu Hause. Und vor zehn Jahren wurden die Standorte Niederrohrdorf, Berikon und Wohlen am neuen und modernen Hauptsitz zusammengelegt. «Damals waren wir überzeugt, dass der Fachhandel nur eine Chance hat, wenn gleichzeitig ein Einkaufserlebnis angeboten wird. Und das haben wir am neuen Hauptsitz auch gemacht», blickt Serge Müller zurück. «Vor zehn Jahren war dieses Bedürfnis noch vorhanden.»
Rund zwei Jahre lang ging diese Strategie auf, «danach begann die Talfahrt». Discounter und Online-Handel kamen immer stärker auf. «Die Vision aus dem Jahr 2014 hat damals gestimmt. Dann veränderte sich der Markt radikal. Und jetzt haben wir ganz andere Verhältnisse», erklärt Müller. Anstatt Jubiläumsfeierlichkeiten kommt nun das Aus. Es sei allerdings viel wichtiger, die Ära sauber zu beenden, erklärt Lucien Tschachtli. «Wir haben alles sauber analysiert, und nun gilt es den Entscheid einfach zu akzeptieren.» Das Ende mit sämtlichen Anschlusslösungen sei für alle eine akzeptable und bessere Lösung. Man blicke mit grosser Dankbarkeit auf nahezu ein halbes Jahrhundert mit viel Vertrauen und treuer Kundschaft zurück. «Wir sind bereit, hier loszulassen», sagen Lucien Tschachtli und Serge Müller. «Und wir haben hier in Wohlen fast 50 Jahre lang eine schöne Geschichte geschrieben.» Auch diese Feststellung stösst auf viel Akzeptanz.

