Geschichte lebendig machen
28.04.2026 Hägglingen, Region Unterfreiamt, GewerbeDie Hutwerkstatt Risa macht neue Angebote für Führungen
Seit über 100 Jahren werden in der Hägglinger Werkstatt Hüte hergestellt. 2010 übernahmen Gaby und Julian Huber den Betrieb und hauchten ihm neues Leben ein. Jetzt hat sich die Firma die ...
Die Hutwerkstatt Risa macht neue Angebote für Führungen
Seit über 100 Jahren werden in der Hägglinger Werkstatt Hüte hergestellt. 2010 übernahmen Gaby und Julian Huber den Betrieb und hauchten ihm neues Leben ein. Jetzt hat sich die Firma die eigene Geschichte neu aufgearbeitet und präsentiert.
Chregi Hansen
Die Produktionsräume der Risa wirken teilweise wie ein Museum. Die Maschinen, die hier zum Einsatz kommen, sind teilweise über 100 Jahre alt und funktionieren noch immer. «Mal besser, mal schlechter», wie Geschäftsführer Julian Huber erklärt. Aber man sei stolz auf die Geschichte der Firma. Und wolle den Kunden nicht einfach einen Hut verkaufen, sondern auch ein Stück Historie. «Sie ist Teil unserer Identität», so Huber.
«Risa erleben»
Huber ist stolz auf das Unternehmen und das alte Handwerk. Und er zeigt den Betrieb auch gerne anderen Interessierten. Die Firma zu öffnen, das war ein Anliegen der Familie Huber, als sie 2010 den Betrieb übernahm. Dazu gehören die Fabrikverkäufe, die Hutchilbi und andere Anlässe, die hier regelmässig stattfinden. «Es gab und gibt auch immer Anfragen für Führungen. Und ich mache diese auch gerne. Doch mit der Zeit wurde es einfach zu viel», erklärt Julian Huber. Darum habe man Wege gesucht, die Historie auf anderem Weg sichtbar zu machen.
Und so wurde in Zusammenarbeit mit Kulturvermittlerin und Ausstellungsmacherin Andrea Huser unter dem Motto «Risa erleben» ein neuer Rundgang gestaltet, der im Beisein vieler Freunde und Wegbegleiter feierlich eröffnet wurde. Anderthalb Jahre hat es gedauert von den ersten Ideen bis zur Vernissage. «Wie immer bei solchen Projekten wurde das Ganze wirklich erst am letzten Tag fertig. So ist gestern noch die Prozesssteuerung ausgefallen», erzählt Huber schmunzelnd. Aber wie beim ganzen Projekt konnte sich die Firma auch diesmal auf befreundete Handwerker und Helfer verlassen, die alle Probleme meisterten. Und dazu beitrugen, dass der Rundgang pünktlich eröffnet werden konnte.
Julian Huber hat Freude am Ergebnis. Drei Stationen hat Huser für den Rundgang gestaltet. Der eigenen Geschichte wird in der Risa schon lange Sorge getragen. «Aber es ist schön, dass jemand mit einem Blick von aussen auf unsere Geschichte schaut. Da kommen neue Aspekte zum Vorschein», sagt Huber. Auch er selber hat das eine oder andere Neue entdeckt. Doch bevor er auf den Rundgang geht, berichtet er, woher seine Faszination für die Hutwerkstatt stammt. Als Polimech-Lehrling in der Hägglinger Riwisa stiess er einst auf eine Wasserleitung, die noch mit Hutmacherei angeschrieben war. «Das hat mich neugierig gemacht und ich wollte mehr darüber wissen», erzählt er. Dabei fand er heraus, dass sein Grossvater Josef Sax zu den Gründern der Riwisa gehörte, die einst aus der 1919 gegründeten Hutmacherei Geissmann hervorging. 2010 übernahm er zusammen mit seiner Mutter Gaby die Hutmacherei und nannte sie neu Risa Hutwerkstatt AG. Damit hatte sich der Kreis geschlossen. «Die Firma hat viele turbulente Jahre erlebt und musste sich immer wieder anpassen. Unser Ziel ist es, das Erbe zu bewahren und die Tradition fortzuführen», so Julian Huber.
Die Grossmutter befragt
Andrea Huser, die Gestalterin des Rundgangs, spricht von einer megaspannenden Firmengeschichte. «Diese wollte ich sichtbar machen», sagt sie. So hat sie beispielsweise eine Station in der früheren Frauengarderobe eingerichtet, in der eine fiktive Arbeiterin den Gästen erzählt, wie das Unternehmen sich entwickelt hat und was in all dieser Zeit produziert wurde. Die Spannbreite reicht von Hüten, gedörrte Kartoffeln, Knöpfen bis zur Regenbekleidung und zurück zu den Hüten. An einer anderen Station erfahren die Gäste, welches Material hier verwendet wird und woher dieses stammt. Oder man kann zuschauen, wie auf uralten Maschinen die fertigen Hüte entstehen. «Man soll das alte Handwerk sehen, riechen und fühlen können», so das Ziel von Andrea Huser. Alte Logos, Kataloge und Werbungen zeigen dabei, wie sich die Mode in all den Jahren entwickelt hat. «Es war auch für mich ein spannender Auftrag. So habe ich etwa ein langes Gespräch mit meiner Grossmutter geführt, welche hier 30 Jahre lang gearbeitet hat und heute sagt, dass es ihre schönste Stelle war», erzählt Andrea Huser.
Am Wochenende Hutchilbi
Sie und Julian Huber sind stolz auf das Resultat. Und auf das grosse Lob, das sie von den Besuchern der Vernissage erhalten. «Wir haben immer daran geglaubt, dass wir mit unseren Hüten Erfolg haben können. Das Resultat gibt uns recht», sagt der Geschäftsführer. Viel Zeit zum Ausruhen bleibt aber nicht. Am kommenden Wochenende findet der traditionelle Fabrikverkauf statt samt Hutchilbi und einem umfassenden Kulturprogramm. Die ideale Gelegenheit, den neuen Rundgang auch anderen Interessierten zu zeigen.



