«Geniesst jede Minute»
15.05.2026 Sport«Freiämter Sportler des Jahres»: Die geehrten Sportler sind voller Dankbarkeit
Das gab es noch nie: Alle ausgezeichneten Sportler halten eine kurze Rede, nachdem sie ihren Pokal erhalten haben. Der grosse Sieger Alessandro Vogt zeigte dabei, wie wichtig ihm ...
«Freiämter Sportler des Jahres»: Die geehrten Sportler sind voller Dankbarkeit
Das gab es noch nie: Alle ausgezeichneten Sportler halten eine kurze Rede, nachdem sie ihren Pokal erhalten haben. Der grosse Sieger Alessandro Vogt zeigte dabei, wie wichtig ihm seine Wurzeln sind. «Ich weiss, woher ich komme», sagte der Shootingstar des Schweizer Fussballs.
Stefan Sprenger
Dieser spontane Szenenapplaus spricht für sich. Alessandro Vogt verlässt nach dem Hauptgang im Restaurant Sternen den Saal im oberen Stock. Als er die Treppe hinuntergeht, erblickt er seinen Vater Roland Vogt, der auf seinen Überraschungsauftritt an der Ehrung wartet. Die Überraschung ist damit dahin, was nicht weiter tragisch ist. Alessandro Vogt – der Shootingstar des Schweizer Fussballs und neuer Sportler des Jahres im Freiamt – geht in das Restaurant, um seinen Vater zu begrüssen. Der «Sternen» ist an diesem Donnerstagabend gut gefüllt. Auch Walter Dubler, früherer Gemeindeammann, ist vor Ort. Und es entbrennt ein spontaner und langer Szenenapplaus für Alessandro Vogt, dazu laute «Bravo»- und «Mer send stolz»- Rufe. Eine schöne Szene, die Alessandro Vogt beweist, wie gross die Wertschätzung aus der Heimat für seine sportlichen Höchstleistungen ist.
Gewohnt bodenständig und sympathisch
Wenig später ist die Ehrung und der 21-Jährige erhält den Pokal. Der frühere FC-Wohlen-Spieler hat einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Im Sommer 2025 unterschrieb er seinen ersten Profivertrag beim FC St. Gallen und erzielte seither in der Super League 15 Tore, trifft auch in der U21-Nati. Er überraschte und verblüffte mit seinen Leistungen die Fussballschweiz. Im Sommer wechselt der Stürmer zudem in die Bundesliga zu Hoffenheim.
Er ist ein absolut würdiger «Freiämter Sportler des Jahres». Gerührt von den lobenden Worten der Sportredaktion nimmt er den Pokal entgegen und sagt: «Mega. Ich bin sehr dankbar und glücklich, dass ich diesen Preis gewonnen habe in meiner Heimat.» Vogt zeigt sich gewohnt bodenständig und sympathisch, bedankt sich mehrmals und meint am Ende seiner kurzen Ansprache: «Ich weiss, woher ich komme. Die Wertschätzung aus meiner Region bedeutet mir viel. Schön, dass ihr alle hier seid. Ich freue mich sehr.» Vogt untermauert seine Verbindung zur Heimat mit seiner Begleitperson. Es ist Maurizio De Icco, Fussballer beim FC Wohlen und bester Freund von Vogt.
Cupfinal für Pilgrim und Vogt
Vogt ist der Sieger, Vogt darf als Letzter vor den anwesenden Jury- und Redaktionsmitgliedern, vor Sportlern und deren Begleitungen sprechen. Vor ihm halten alle geehrten Sportler eine kurze Ansprache. Etwas, was es bei der Ehrung des «Freiämter Sportlers des Jahres» so noch nie gegeben hat.
Den Stein ins Rollen bringt Tanja Pilgrim, die Mutter von Profifussballerin Alayah Pilgrim. Eigentlich wäre sie in Rom auf Besuch bei ihrer Tochter, doch spontan krempelt sie die Reise um – und konnte an der Ehrung zum «Freiämter Sportler des Jahres» als Stellvertretung dabei sein. Die Mama vollführt bei der Pokalübergabe eine sympathische Ansprache (siehe Text zu den Eltern der Sportler). Und Alayah Pilgrim, die den 3. Rang gewinnt, meldet sich per Videobotschaft aus Rom: «Ich wäre gerne dabei», sagt Alayah Pilgrim, die mit der AS Rom vor Kurzem den Titel in Italien gewann. «Aber wir haben noch ein wichtiges Cupspiel und es war mir leider nicht möglich, spontan in die Heimat zu kommen», so die Stürmerin, die sich ihre Auszeichnung besonders durch das Sommermärchen 2025 des Schweizer Nationalteams an der Heim-EM im eigenen Land verdient. Pilgrim erzielt damals das 2:0 gegen Island – und bringt die ganze Fussballschweiz zum Ausrasten. Am 24. Mai spielt sie mit Rom den Cupfinal gegen Juventus Turin. Apropos: Auch Vogt und der FC St. Gallen kämpfen an diesem Tag um den Schweizer Cuptitel gegen den FC Stade Lausanne-Ouchy.
Der Marathonmann und der Ringerprinz
Nino Leutert von der Ringerstaffel Freiamt holt sich den 2. Rang. Der Ringerprinz der RS Freiamt, der im letzten Jahr die Bronzemedaille an der Militär-WM gewinnt und national unschlagbar ist, sagt mit dem Pokal in der Hand: «Ich bin super dankbar für diesen Preis. Das Ringen ist eine Randsportart. Aber nicht hier im Freiamt, hier kennt es jeder, hier ist die Wertschätzung gross. Und das freut mich enorm», sagt der 27-Jährige.
Last, but not least: Urs Huber, der Marathonmann aus Jonen, der den Spezialpreis als schönen Endpunkt seiner unglaublichen Karriere erhält. Der frühere Profi-Marathonmountainbiker gewinnt über 100 Rennen. «Ich habe weiche Knie. 19 Jahre lang habe ich den Sport mit purer Freude gemacht. Aber alles ist irgendwann vorbei», so der 40-Jährige. «Ich hatte die Zeitung und die ganze Region stets im Rücken. Das war für meine Karriere enorm wertvoll und wichtig. Danke für alles. Danke für diese Auszeichnung. Und den jungen Sportlern am Tisch möchte ich eines sagen: Viel Erfolg. Viel Freude. Und geniesst jede Minute.»
In Gedenken an Stefan Strebel
Es war eine absolute Ausnahmesituation. Die Redaktion diskutierte aufgrund des Todes von Stefan Strebel intensiv darüber, die Ehrung zum «Freiämter Sportler des Jahres» abzusagen. Der Abend im Restaurant Sternen in Wohlen fand zwei Tage nach dem tragischen Tod des Villmergers statt.
In diesen dunklen Stunden ein wenig tröstlich
Schliesslich entschied man sich, den Anlass durchzuziehen. Auch weil Stefan Strebel ein grosser Fan dieser Wahl war und er es sich wohl so gewünscht hätte. Vielleicht auch ein kleines Stück weit als Gedenken an ihn.
Zu Beginn der Ehrung gab es emotionale Worte zu Stefan Strebel – und eine Schweigeminute. Und was in diesen dunklen Stunden ein wenig tröstlich war: Die anwesenden Juryund Redaktionsmitglieder erzählten zahlreiche Anekdoten und Geschichten, die sie mit dem charismatischen und wundervollen Stefan Strebel erlebt hatten.
Strebel selbst wurde 1998 zum «Freiämter Sportler des Jahres». In den letzten Jahren war er bei der Ehrung auch oft dabei. Als Gast. Als Schwingerboss. Als Sportpersönlichkeit. Als wunderbarer Mensch. Als bereichernder Gesprächspartner. Und als Auslöser der Freiämter Erfolgswelle im Schwingsport. Denn aus jener Zeit, als Strebel Freiämter Jungschwingertrainer war, entspringen alle drei Eidgenossen. Und die sahnten in den letzten Jahren auch mächtig an der Wahl zum Freiämter Sportler des Jahres ab. Andreas Döbeli (2019) und Joel Strebel (2021, 2022, 2024) holten sich zuletzt oft den Titel. Und Stefan Strebel war drei Mal in diesen vom Schwingsport geprägten Jahren der Sportlerwahl an der Ehrung dabei. Es zeigt: Stefan Strebel war einzigartig, wichtig, prägend. Und er wird schmerzlich vermisst. Ruhe in Frieden. --spr



