«Genau für solche Momente»
02.06.2026 Sport, HandballDas Double geholt
Wohlerin ist Schweizer Meisterin
Seraina Kuratli aus Wohlen darf jubeln. Nach dem Sieg im Cup gelingt ihr mit GC Amicitia Zürich auch der Triumph in der Meisterschaft. In einer nervenaufreibenden Play-off-Serie gegen LC ...
Das Double geholt
Wohlerin ist Schweizer Meisterin
Seraina Kuratli aus Wohlen darf jubeln. Nach dem Sieg im Cup gelingt ihr mit GC Amicitia Zürich auch der Triumph in der Meisterschaft. In einer nervenaufreibenden Play-off-Serie gegen LC Brühl entscheiden die Zürcherinnen das alles entscheidende Spiel mit 25:22 für sich und feiern den Meistertitel. «Das ist eine wunderbare Belohnung», sagt die 19-jährige Torhüterin.
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Frauen, Play-off-Final: Die Wohlerin Seraina Kuratli holt mit GC Amicitia Zürich den Meistertitel
Spannung, Drama und am Ende ein emotionaler Sieg. GC Amicitia Zürich kürt sich zum Schweizer Meister. Torfrau Seraina Kuratli aus Wohlen braucht nach der nervenaufreibenden Play-off-Serie jetzt zuerst eine Pause – und wartet noch mit einem Wechsel ins Ausland.
Stefan Sprenger
Das Wechselbad der Gefühle endet in der Meisterparty. «Die letzten Wochen haben Nerven gekostet», sagt Seraina Kuratli. Doch am Sonntagabend nach dem alles entscheidenden Sieg von GC Amicitia Zürich in Spiel 5 gegen den LC Brühl «bricht alles raus», wie die Torhüterin sagt. «Die Emotionen, der Stolz, die Freude. Für solche Momente macht man Sport», sagt die 19-Jährige.
Eine Achterbahnfahrt bis zur «Belle»
Für GC Amicitia ist dieser Meistertitel historisch. Seit der Fusion von Amicitia und GC im Jahr 2010 hatte der Verein auf diesen Moment hingearbeitet. Die Play-off-Serie zwischen den Zürcherinnen und dem LC Brühl war Drama pur. Oder eben: «Ein Wechselbad, ein Auf und Ab, eine Achterbahnfahrt. Es gab Spiele, da klappte alles. Dann gab es wieder viele Fehler von uns», wie Kuratli sagt. Spiel 1: GC Amicitia gewinnt 27:26. Spiel 2: Brühl siegt ebenfalls 27:26 – nach Verlängerung Spiel 3: Die Zürcherinnen setzten ein deftiges Zeichen mit dem 32:24-Erfolg. Matchball. Doch Brühl antwortete mit Spiel 4 und siegt 24:22. In Spiel 5 ging es um alles oder nichts, ein Final, eine «Belle».
Die Saalsporthalle mit 1250 Zuschauern erlebt ein intensives, aber nervöses Spiel. GC Amicitia Zürich kann sich mit vier Toren absetzen, auch dank einer starken Abwehr, auch dank einer starken Seraina Kuratli im Tor. Doch LC Brühl gibt nicht auf, kommt wieder etwas ran. «Es wurde dann auch zum Nerventest», sagt Kuratli.
Mehr geht nicht: Double geschafft
Das Team besteht den Test und gewinnt mit 25:22. Nach dem Cupsieg Ende Februar gelingt GC Amicitia damit das Double. Mehr geht nicht im Schweizer Frauenhandball. Kuratli sagt: «Wir sind ein zusammengewürfeltes Team. Viele Spielerinnen mit vielen unterschiedlichen Geschichten und Hintergründen. Dennoch ist es uns gelungen, eine sehr konstante Saison zu spielen. Diese beiden Titel sind eine sehr schöne Belohnung. Und nach dem geschafften Meistertitel fiel auch ein Stein vom Herzen.» Denn auch wenn es nicht das erklärte Saisonziel war, so erwartete GC Amicitia Zürich irgendwann während der letzten starken Monate diesen Titel auch von sich selbst.
Das Team feierte den Titel in Zürich, erst in der Halle, dann im Ausgang «gebührend», wie Seraina Kuratli etwas heiser und lachend erzählt. Sie habe viele Nachrichten erhalten von ihrem Stammverein Handball Wohlen. Stefan Maag, ihr Trainer, den sie zwischen 2018 und 2020 in Wohlen hatte, war beim letzten Spiel dabei, und natürlich auch ihre Mutter Daniela Kuratli und Partner Martin Koch. «Ich bin allen, die mich supporten, enorm dankbar.»
Wie weiter?
Im Sommer beendet Seraina Kuratli ihre Zeit in der Handball-Akademie OYM in Cham. Danach wird sie die Berufsmatur in der Fachrichtung Gesundheit und Soziales an der AKAD-Schule in Zürich ein Jahr lang absolvieren. Kuratli hat zwar Angebote von anderen Klubs, auch aus dem Ausland, doch sie hat sich entschieden, bei GC Amicitia Zürich zu bleiben. «Angebote waren da, doch es hat nichts zu 100 Prozent gepasst. Ich bin jetzt 19 Jahre alt, ich habe noch Zeit. Hier in Zürich kann ich weiterhin viel Erfahrungen sammeln, viel Spielzeit erleben. Deshalb ist das jetzt der richtige Weg. Nächste Saison will ich Gas geben, den Meistertitel verteidigen, einen weiteren Schritt nach vorne machen. Für mich passt es prima so. In einer Saison schauen wir weiter. Jedoch ist dann in einem Jahr ein Transfer ins Ausland mein Wunsch.» Seraina Kuratli hat nun ein bisschen Pause vom Handball. In der ersten Woche will sie «gar nichts machen», weil diese nervenaufreibende Play-off-Serie und die Saison «anstrengend waren und uns alle ans Limit brachten». Dann wird sie motiviert ihre neuen Ziele beim Verein und dem Nationalteam angehen. Und das als frischgebackene Schweizer Meisterin.


