Fasziniert von der Archäologie
24.03.2023 WohlenDraussen auf den Feldern, in der Natur, dort fühlt sich Cornel Braunwalder wohl. Dort sucht er am liebsten Spuren der Vergangenheit. Ausgerüstet mit einem Metalldetektor spürt er Objekte auf, die Informationsträger sind einer früheren Zeit. So hat sich der Wohler seinen ...
Draussen auf den Feldern, in der Natur, dort fühlt sich Cornel Braunwalder wohl. Dort sucht er am liebsten Spuren der Vergangenheit. Ausgerüstet mit einem Metalldetektor spürt er Objekte auf, die Informationsträger sind einer früheren Zeit. So hat sich der Wohler seinen Weg gebahnt. Bis zum Teammitglied der Freiwilligenarbeit der Aargauer Kantonsarchäologie. Früher galt seine Leidenschaft dem Goldwaschen. Nun ist er fasziniert von der Archäologie. Beim Anlass «Archäologie persönlich» gab er gerne Auskunft. --dm
Spurensucher und Botschafter
Vindonissa-Museum: «Archäologie persönlich» mit dem Wohler Cornel Braunwalder, Mitglied des Freiwilligenteams
«Es ist eine Sucht.» Das gibt Cornel Braunwalder offen zu. Der Wohler zählt zum Freiwilligenteam der Kantonsarchäologie. Mit Metalldetektor ausgerüstet, sucht und forscht er nach Objekten im Boden, die vieles über die Vergangenheit verraten und gleichzeitig Kulturerbe sind.
Daniel Marti
Die Archäologie übt auf viele Menschen eine besondere Faszination aus. Und für freiwillige Helfer mit ihren Metalldetektoren ist die Suche nach archäologischen «Schätzen» eine tägliche Herausforderung. Seit 2018 ist diese Freiwilligenarbeit der Kantonsarchäologie im Aargau organisiert. Cornel Braunwalder ist ein Mann der ersten Stunde. Der Wohler erzählte zusammen mit Marvin Lanz am Anlass «Archäologie persönlich» von seinen Erfahrungen. Frewilligenmanager Pirmin Koch steht den beiden bei der Arbeit nicht nur zur Seite. Koch gab auch einen Einblick, wie Freiwillige zur Erforschung des Kantons Aargau beitragen.
Die Freiwilligen mit ihren Metalldetektoren leisten einen wertvollen Beitrag zum Schutz des archäologischen Erbes. Die archäologische Forschung war laut Pirmin Koch bis ins 20. Jahrhundert reine Freiwilligenarbeit. Erst 1943 wurde die Aargauische Kantonsarchäologie gegründet. Damit ist sie die zweitälteste Kantonsarchäologie in der Schweiz.
Eine einmalige Spur von Wohlen nach London
Seit den Anfängen der Freiwilligenarbeit bei der Kantonsarchäologie, so Mitte 2018, kamen rund 5000 Stunden Freiwilligenarbeit zusammen. Und über 1000 Funde. Zeugen von der Bronzezeit bis ins 19. Jahrhundert. «Vom Schuhnagel bis zur Arzneidose», so Koch.
Der Kantonsarchäologe nannte bei seinen Aufzählungen auch ein Beispiel in Wohlen. Cornel Braunwalder hatte als Einheimischer den Auftrag, Vorabklärungen auf einem künftigen Baugebiet zu tätigen. Reste von einer römischen Siedlung wurden dort vermutet. Und tatsächlich: Er fand eine Münze, aber keine Mauern. Die gefundene Bleiplombe gab jedoch etliche Informationen preis. Sie wurde offenbar in London hergestellt, von einer Firma, die auch in den USA tätig war. Wie sich herausstelle, war es die einzige Münze dieser Art, die je in der Schweiz entdeckt wurde. Und sie wurde in Wohlen gefunden.
Cornel Braunwalder und Marvin Lanz gaben beim Anlass «Archäologie persönlich» aus erster Hand Auskunft über ihre Tätigkeit. Sie sind zwei wichtige Teamstützen der Freiwilligenarbeit für die Kantonsarchäologie. Braunwalder nahm erstmals im Jahr 2015 Kontakt auf mit der Kantonsarchäologie, also drei Jahre bevor das Freiwilligenprogramm überhaupt gestartet wurde. Er wurde ursprünglich von den Villmergerkriegen inspiriert und forschte deshalb im Freiamt auf eigene Faust, Lanz ist dagegen im Fricktal unterwegs.
Nicht ganz legal den Villmergerkriegen nachgegangen
Cornel Braunwalder ist beim Freiwilligenprogramm von Anfang an dabei. Von zu Hause aus habe er einfach mal Versuche mit dem Metalldetektor gestartet. Aus Neugier. Die Kampffelder der Villmerger Kriege zogen ihn förmlich an. Er suchte grossflächig die Felder ab. Und er wusste, dass dies damals nicht legal war. Trotzdem drängte es ihn auf die Felder. Die Landbesitzer orientierte er, mehr nicht. Und er war erfolgreich. Dank seinen Funden wusste er bald, «hier ging es zur Sache».
So entschied er sich, seine Funde der Kantonsarchäologie zu melden. Er habe das gut gemacht, sagte man dort. Anstatt ihn zu bestrafen, kam eine andere Weisung aus Brugg. «Den spannen wir ein.»
Heute ist Braunwalder regelmässig draussen anzutreffen. Die Suchgebiete werden ihm vorgegeben. «Das macht Sinn», sagt er dazu, «wenn man sich auf Verdachtsstellen konzentriert und die Kräfte bündelt.» Für Braunwalder, früher Goldwäscher aus Leidenschaft, ist die Metalldetektorarbeit auf den Feldern «eine Sucht. Wie das Goldwaschen auch.» Für Marvin Lanz ist es einfach faszinierend, «die richtige Spur zu finden». Ausgerüstet mit Detektor, Schaufel und Fundtasche. «Für mich ist das auch Detektivarbeit. Wenn wir etwas finden, ist das wie ein Puzzleteil», so Lanz. Braunwalder kann dem nur beipflichten. «Das Ganze ist ein Mosaik, und wir sind die Spurensucher. Wenn eine Spur so richtig heiss ist, dann kommt die Kantonsarchäologie ins Spiel.» Archäologie werde sowieso zu oft als etwas Geheimes angeschaut, so Braunwalder weiter. Dabei sei die Bevölkerung sehr interessiert daran. Draussen auf dem Feld werde man auch regelmässig angesprochen. «Schatzsuche ist eben doch faszinierend.»
Die Botschafter nach aussen
Diesen wesentlichen Aspekt hat auch die Kantonsarchäologie erkannt. Auch das war ein Grund, die Freiwilligenarbeit vor fünf Jahren einzuführen. «Unsere Freiwilligen mit den Metalldetektoren sind ein Bindeglied. Sie sind die Botschafter nach aussen», betont Pirmin Koch. Übrigens, nur Funde bis zu einer Bodentiefe von 30 Zentimetern dürfen auch gehoben werden. Münzen sind in der Regel in einer Tiefe bis 15 Zentimeter erkennbar und zu finden, grössere Objekte bis zu einem halben Meter.
Beide, Cornel Braunwalder und Marvin Lanz, haben schon etliche 2000 oder 3000 Jahre alte Objekte aufgespürt. Auch solche mit überaus wertvollen Informationen. Solche Funde machen stolz. Aber nicht reich. Die Funde sind Eigentum des Kantons. Was ist jedoch der Lohn dafür? Für das Aufspüren von Stücken aus der Bronzezeit oder von einer römischen oder keltischen Siedlung? «Mein Lohn ist», sagt Marvin Lanz, «dass ich beim Freiwilligenprogramm dabei sein darf. Bei einem Fund spüre ich die Verbindung zur Vergangenheit.» Und Cornel Braunwalder ist einfach froh, dass er bei seinem liebsten Hobby in der Natur sein kann. Wenn er ein Objekt findet und in der Hand hält, das mehr als 2000 Jahre alt ist, dann freut er sich. Und gleichzeitig müsse er stets daran denken, wie alt denn die Erde ist. «Die Geschichte der Menschheit ist zwar sehr interessant», sagt Cornel Braunwalder, «aber man muss auch die Realität sehen, dann sind solche Objekte auch Peanuts.»
Darum hat er keine Probleme, die Funde der Kantonsarchäologie abzugeben. Und irgendwann sieht er sie vielleicht wieder. Beispielsweise im Vindonissa Museum in Brugg, da sind wertvolle und informative Objekte ausgestellt – auch 2000, 3000 Jahre alte Objekte, die von Cornel Braunwalder im Feld aufgespürt wurden.
Auf der Suche nach Infoträgern
Die Freiwilligenarbeit mit den Metalldetektoren
Freiwilligenmanager Pirmin Koch interessiert sich, wie viele andere auch, seit Kindsbeinen für die Archäologie. Sein erstes Highlight sei der Fund einer Bleitafel gewesen, diese war knapp zehn Zentimeter gross. «Aber sie beinhaltete viele Informationen. Infos an eine Gottheit.» Auch Pirmin Koch ist anfänglich einem bekannten Klischee verfallen: Dass er irgendwann einen Goldring finden würde. «Aber das ist nie passiert.»
Denn in der Archäologie sucht man nicht nach Goldringen oder nach anderen Schätzen. «Der unmittelbare Zugang zur Archäologie klingt immer abenteuerlich. Aber wir suchen nach Objekten, die Informationsträger sind. Diese analysieren wir und versuchen die Zusammenhänge zu verstehen», so Koch. «Informationen zu finden, die man nicht erwartet hat, das ist doch spannend.»
Kulturerbe gehört dem Kanton
Diese Faszination verspüren laut Pirmin Koch eben viele Menschen. «Aber das macht die Angelegenheit vor allem unkontrolliert.» Informationen, die deswegen verloren gehen, sind letztlich ein Verlust für die Allgemeinheit. «Und ja», pflichtet der Freiwilligenmanager bei, «es gibt ein Suchfieber.» Dies habe zur Folge, dass die Kantonsarchäologie laufend mit vielen Anfragen eingedeckt wird. Aber die Kantonsarchäologie will die Objekte im Boden vor allem nachhaltig sichern. Und das geht nur mit Freiwilligen, die zu Experten werden. «Das Kulturerbe gehört uns allen. Bodenfunde sind Eigentum des Kantons», so Koch. Dies gilt vor allem für archäologisch relevante Objekte. Deshalb gibt es eine Meldepflicht plus eine Bewilligung für sogenannte Freiwillige mit Metalldetektoren. «Und wir führen eine Warteliste», verrät Koch.
Einmal als Freiwilliger im Team aufgenommen, bekommt man sein persönliches Suchgebiet zugewiesen. Das Team von Freiwilligenmanager Koch umfasst aktuell 40 Freiwillige, 29 sind derzeit aktiv mit Prospektoren unterwegs. Freiwilligenarbeit dieser Art ist übrigens eine reine Männerwelt. Nicht eine einzige Frau ist im Freiwilligenteam dabei. --dm


