Es braucht noch mehr Anstrengung

  23.06.2026 Muri, Gesundheit

SLRG-Sektion Freiamt-Reusstal sensibilisiert in der Badi Muri

Abkühlung im Wasser. Dieser Tage ein beliebtes Mittel, um gegen die Hitze anzukämpfen. Die Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG erklärt schweizweit, wie Ertrinken verhindert werden kann – auch mit einem Stand in der Badi Muri.

Annemarie Keusch

Es geht auf die lustige Art. Darum, einmal ein richtiges Baywatch-Selfie machen zu können. Aber primär ist die Angelegenheit eine ernste. Schliesslich geht es darum, Leben zu retten. An diesem Mittag in der Badi Muri sind es Carla Hauser-Brun und Myriam Küng, die im Namen der SLRG-Sektion Freiamt-Reusstal in der Badi Muri präsent sind. Im Gepäck haben sie ganz viele Unterlagen, Broschüren zu den sechs Baderegeln zum Beispiel. Aber Interessierte können auch Hand anlegen, das Wiederbeleben üben und beim Glücksrad einen Apfel gewinnen.

Schweizweit ist die SLRG an diesem Wochenende präsent. Passend zu den hohen Temperaturen, passend zu den nahenden Sommerferien, die viele am, im und auf dem Wasser verbringen. «Überall lauern Gefahren, die man mit richtigem Verhalten minimieren kann», betont dabei Carla Hauser-Brun. Das grösste Risiko? «Der Respekt gegenüber dem Wasser, der bei vielen verloren geht.» Dabei sind die Zahlen eigentlich alarmierend. In der Schweiz ertrinken jährlich bis zu 50 Menschen. «Wie viele zudem fast ertrinken und mit bleibenden Schäden weiterleben, das ist in keiner Statistik erhoben», ergänzt Carla Hauser-Brun. Bevor die SLRG gegründet wurde, waren es noch rund doppelt so viele tödliche Unfälle. «Seit einigen Jahren stagnieren die Zahlen aber. Entsprechend braucht es noch mehr Anstrengung.»

«Predigen das seit Jahren»

Wie an diesem Wochenende zum Beispiel. Immer wieder weisen Myriam Küng und Carla Hauser-Brun auf die sechs Baderegeln hin. «Seit Jahren predigen wir dasselbe», sagt Myriam Küng. Und seit jeher ist klar, dass es gerade mit Kindern sehr schnell gehen kann, bis es brenzlig wird. «Was an Land oft in einer Schürfwunde gipfelt, wird im Wasser schnell lebensgefährlich», sagt Myriam Küng. Noch immer ist das Ertrinken die zweithäufigste Todesursache bei kleinen Kindern. Umso mehr erinnert die SLRG an die erste Baderegel: Kinder nur begleitet ans Wasser lassen – kleine Kinder in Griffnähe beaufsichtigen. «Daran halten sich leider viele Eltern nicht und gehen davon aus, die Verantwortung dem Bademeister zu übertragen. Aber dem ist nicht so», sagt Carla Hauser-Brun. Gerade bei kleinen Kindern ist die Gefahr am grössten. Wegen des Körperschwerpunktes kippen sie nach vorne, verfallen in Schockstarre – mit Nase und Mund im Wasser. «Ertrinken passiert still. Nur in den Filmen schreien die Leute um Hilfe und wedeln wild mit den Armen.» Der Bademeister habe entsprechend keine Chance, alle Gefahren im Blick zu halten. Martin Burkart, Betriebsleiter und Bademeister in der Badi Muri, ergänzt: «Es ist leider auch hier ein riesiges Problem, dass die Eltern ihrer Aufsichtspflicht nicht nachkommen.»

Nicht überhitzt ins Wasser zu springen – eine weitere Baderegel. «Eine, die ganz oft vergessen geht», weiss Myriam Küng. Vom Boot für die Abkühlung in den See oder in den Fluss springen, «viele haben es schon gemacht, ohne dass etwas passiert ist». Dass es schon gut gehen wird – genau darin lauert indes die Gefahr. Mit Alkohol im Spiel umso mehr. «Dann kommt das Überschätzen dazu.»

«Nie allein unterwegs sein»

90 Prozent der tödlichen Badeunfälle ereignen sich in natürlichen Gewässern. Zu den sechs Baderegeln kommen darum sechs Flussregeln hinzu. Boote nicht aneinanderzubinden, zum Beispiel. «Das hätte man an diesem Wochenende wohl überall zuhauf beobachten können», sind sich Myriam Küng und Carla Hauser-Brun einig. Schwimmwesten zu tragen, wird ebenfalls empfohlen. «Und nie allein unterwegs sein. Wenn eine Notsituation entsteht, kann sonst niemand helfen.»

Komplex sind die Regeln nicht, die sie an diesem Tag in der Badi in Muri immer und immer wieder erklären. «Viele sind sich der Gefahren einfach nicht bewusst. Es gab einige Aha-Momente», sagt Carla Hauser-Brun. Dass auch in der Badi Unfälle passieren können, glauben viele nicht. Dabei war Myriam Küng zufälligerweise schon bei dreien dabei. «Einmal trieb ein Kind reglos im Wasser», erzählt sie. Solche Situationen gelte es zu vermeiden. Darum ist die SLRG-Sektion Freiamt-Reusstal im Rahmen des nationalen Präventionswochenendes präsent, in Muri und in Villmergen. «Der Fokus liegt auf der Sicherheit, aber natürlich sagen wir nicht Nein, wenn jemand bei uns mitmachen will», meinen die beiden und lachen. Schliesslich wäre es am besten, wenn jede Schwimmerin und jeder Schwimmer auch Rettungsschwimmer wäre.


Mehr Infos, auch zu Kursen: www.slrg-freiamt-reusstal.ch.


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