Erneuerung und Vergänglichkeit
13.05.2025 Region OberfreiamtAn der Solino-Versammlung ging es um den Umbau-Abschluss und den Umgang mit dem Tod
Nach einem Jahr im Exil konnte der Verein Altersheim St. Martin seine Mitgliederversammlung wieder im Solino abhalten. Vor über 100 Interessierten liessen die Verantwortlichen ein ...
An der Solino-Versammlung ging es um den Umbau-Abschluss und den Umgang mit dem Tod
Nach einem Jahr im Exil konnte der Verein Altersheim St. Martin seine Mitgliederversammlung wieder im Solino abhalten. Vor über 100 Interessierten liessen die Verantwortlichen ein spannendes Jahr Revue passieren.
Thomas Stöckli
Es ist ein schweres Thema, auf das Luca Penta, Präsident des Vereins Altersheim St. Martin, Boswil, in seinem Jahresbericht fokussiert. Ein Thema, das in einem Alters- und Pflegeheim aber schlicht zum Alltag dazugehört. Das Sterben und wie sich der letzte Weg in Würde gehen lässt. Dazu habe er Mitarbeitende interviewt, sagt Penta. Und: «Die Antworten haben mich tief beeindruckt.»
«Der Tod ist eine zutiefst menschliche und bewegende Erfahrung», fasst Penta seine Haupterkenntnis zusammen. «Jede Situation ist einzigartig und jede Beziehung individuell.» Beeindruckt habe ihn auch, wie die Pflegekräfte alles daran setzen, den Menschen in ihren letzten Momenten ein Gefühl von Trost und Geborgenheit zu vermitteln. Auch jenen, die keine Angehörigen haben, die sich um sie sorgen. Und schliesslich sei es im Team auch wichtig, gegenseitig Unterstützung zu bieten. Bei aller Trauer könne sich so auch der Zusammenhalt stärken: «Der Tod ist höchst emotional, hat aber auch etwas Verbindendes», so Penta, «er ist nicht nur ein Ende, sondern auch ein Moment des Zusammenhalts.»
Als Arbeitgeber attraktiv sein
«Wir haben ein ereignisreiches, herausforderndes Jahr hinter uns», blickte Heimleiter Ralph Huggel zurück. Er stellte den Fachkräftemangel ins Zentrum. Eine Tendenz, die kombiniert mit der sich abzeichnenden Überalterung der Gesellschaft in einen Pflegenotstand führen dürfte. Huggel berichtet vom Erfahrungsschatz einer langjährigen Mitarbeitenden, aber auch vom Beispiel einer 25 Jahre jungen, top ausgebildeten Fachkraft, die noch in der Probezeit die Reissleine zog, weil ihr die Arbeit im «Solino» viel zu emotional gewesen sei. «Es ist eine tolle junge Frau», betonte Huggel, um bedauernd anzufügen: «Aber sie hat das nicht verkraftet.»
Die positiven Erfahrungen überwiegen allerdings, so der Heimleiter, «Kollegen in der Branche klagen über viel mehr Wechsel.» Schliesslich bemühe man sich auch, den Mitarbeitenden Wertschätzung entgegenzubringen und ihnen eine Weiterentwicklung zu ermöglichen. Dem wird auch das jüngst angepasste Personalreglement gerecht. Es bildet die Basis von über 60 Arbeitsverträgen. Unter anderem habe man die Nachtarbeit und die Umkleidezeiten angepasst, so Luca Penta. Das Bestreben, sich stetig weiterzuentwickeln, ist auch im neuen Leitbild verankert, in welchem die Kernbotschaften der Strategie zusammengefasst wurden. Von «familiärer Gemeinschaft» ist darin weiter zu lesen und von einem Ort, an dem sich die Bewohnerinnen und Bewohner geborgen fühlen sollen.
Mehrkosten mit Mehrwert
Nach dem «Exil» im Pfarrsaal konnte die Mitgliederversammlung wieder im Solino durchgeführt werden. Penta durfte unter den 103 anwesenden Stimmberechtigten nicht weniger als drei seiner Präsidiums-Vorgänger begrüssen. «Ich bin sehr froh, dass ihr heute da seid», richtete er sich direkt an sie. Auch wenn ihn dies zusätzlich unter Druck setze, ergänzte er zur allgemeinen Belustigung.
Vorausgegangen ist dem Anlass eine exklusive Führung in kleinen Gruppen durch die neuen Räumlichkeiten nach der Sanierung und Erweiterung bei laufendem Betrieb. «Die Bautätigkeiten sind mit der Gesamtabnahme abgeschlossen», so Peter Mäder, Gemeindedelegierter Boswil und Präsident der Baukommission. Nun seien nur noch kleinere Mängel zu beheben. Die Baumassnahmen sind wohl gerade noch im Budget-Spielraum von 10 Prozent plus, wie Roland Frick, Finanzer im Vorstand, verriet. Einerseits seien die Kosten für die Provisorien zu optimistisch budgetiert worden, so Mäder, andererseits bekomme das «Solino» für einen Teil der Mehrkosten auch einen Mehrwert. So seien hier und da Perimeter erweitert und auch die Lüftung von Speisesaal und Foyer erneuert worden. 4,95 Millionen Franken waren veranschlagt, die tatsächlichen Kosten dürften sich auf rund 5,5 Millionen belaufen. Wobei nur gerade 1,6 Millionen aus dem Erneuerungsfonds entnommen werden mussten. Somit verbleiben in diesem «Kässeli» für die zukünftige Entwicklung immer noch 3,6 Millionen Franken.
Handlungsbedarf erkannt
Mit dem Abschluss der Bautätigkeiten ende auch eine strenge Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner sowie für das Personal, rief Mäder in Erinnerung. «Sie haben es sehr gut gemeistert», zog er Bilanz und äusserte sich zuversichtlich, dass die Freude über die neuen Räumlichkeiten die zurückliegenden Einschränkungen schnell vergessen lassen. «Wir konnten einen sehr grossen Mehrwert schaffen», so Mäder.
Und wie ist die Erneuerung und Erweiterung angekommen? «Ich habe eine positive Resonanz gespürt», so Luca Penta. Dabei habe es auch kritische Worte gegeben, insbesondere zum «unansehnlichen» Zugang zur Zivilschutzanlage. «Das nehmen wir auf», versicherte der Vereinspräsident. «Unser Ziel war es, das Solino offener und lichtdurchfluteter zu gestalten», blickte er zurück. «Und das haben wir hinbekommen.»

