Ein frustrierendes Spiel
12.05.2026 Sport, Fussball1. Liga classic: FC Wohlen – FC Courtételle 1:0 (0:0)
Ordentlich in der Abwehr, harmlos in der Offensive. Weil der FC Wohlen Sekunden nach dem Pausentee im Tiefschlaf ist, kassiert man den entscheidenden Treffer zur 0:1-Pleite. Der freie Fall geht weiter. Der ...
1. Liga classic: FC Wohlen – FC Courtételle 1:0 (0:0)
Ordentlich in der Abwehr, harmlos in der Offensive. Weil der FC Wohlen Sekunden nach dem Pausentee im Tiefschlaf ist, kassiert man den entscheidenden Treffer zur 0:1-Pleite. Der freie Fall geht weiter. Der FC Wohlen kann froh sein, sind es nur noch drei Spiele bis Saisonende, ansonsten wäre dieses Team ein Abstiegskandidat.
Stefan Sprenger
«Frustrierend», sagt Bijan Dalvand. «Frustrierend», sagt auch Santiago Brunner. Eine Beschreibung, die perfekt passt zu dieser 0:1-Heimniederlage. Denn frustriert fühlte sich wohl auch jeder der 267 Zuschauer in den Niedermatten (von Hand gezählt waren es übrigens 100 Menschen weniger). Die Wohler verteidigen zwar solidarisch, lassen nur wenig Grosschancen des Gegners (der auf dem 3. Rang steht) zu. Aber das Team kreiert kaum schöne oder gefährliche Aktionen nach vorne, es gibt wenig Zusammenhängendes, kaum eine richtige Torchance. Sobald es über die Mittellinie geht, wird man vom Mut verlassen, zeigt wenig Durchsetzungsvermögen. Lieber einen sicheren Pass nach hinten spielen, als durch eine 1:1-Situation in den Strafraum vordringen. Im Angriff war es ein laues Lüftchen an diesem warmen Frühlingstag.
Ausgleich wegen angeblichem Offside aberkannt
Der FC Wohlen, der zu Beginn auf seinen Topskorer Dramane Sissoko verzichtet (siehe Kasten), schafft nur einige halbgefährliche Chancen während der ganzen 90 Minuten. Bijan Dalvand schiesst knapp am Tor vorbei, Noel Romano kriegt aus guter Position keinen Druck hinter den Ball, Javi Gabathuler drischt eine Direktabnahme vom Elfmeterpunkt Richtung Anglikon. Der vermeintliche Ausgleich fällt nach einer Stunde durch einen Standard. Ein Freistoss von Dalvand (der offensiv fast Alleinunterhalter war) wird abgefälscht, nach einem Gewusel im Fünfmeterraum landet der Ball im Tor. Aber der Schiedsrichter entscheidet auf Offside. Sieht man sich die Fernsehbilder an, ist dieser Entscheid schwierig nachzuvollziehen. «Nach vorne waren wir harmlos. Bei uns hapert es im Angriff schon länger», sagt Offensivspieler Dalvand. Mickrige vier Tore erzielte der FCW in den letzten sechs Spielen. Lässt man den 6:3-Sieg gegen Besa Biel weg, erzielte der FC Wohlen in elf Rückrundenspielen gerade Mal neun Tore. Am Samstag gegen Courtételle (sie haben die zweitbeste Abwehr dieser 1.-Liga-Gruppe) hat man gröbste Mühe in der Platzhälfte des Gegners.
«Das hätte nicht sein müssen»
Doch auch Courtételle ist keine Angriffsmaschine. Sie kommen zwar wesentlich häufiger in die gefährliche Zone als die Freiämter, kreieren aber ebenfalls nur wenig Torchancen. «Wir haben gut verteidigt und es dem Gegner schwer gemacht», sagt Abwehrspieler Santiago Brunner. In der Schlussviertelstunde vergeben die Jurassier jedoch zwei dicke Dinger. Erst benötigt es nach einem Eckball den starken Reflex von FCW-Goalie Joel Bonarand, dann scheitert ein Courtételle-Spieler völlig alleine vor dem Tor auf klägliche Art und Weise. Das Team von Trainer François Marque (wurde einst mit Basel Meister und Cupsieger) muss so lange um den Sieg zittern.
Eigentlich war es ein 0:0-Spiel. Aber der FC Wohlen verliert es 0:1. «Frustrierend. Das hätte nicht sein müssen. Auch wenn Courtételle mehr vom Spiel hatte, ist es einfach eine blöde Niederlage», sagt Dalvand. «Frustrierend. Der Gegner macht aus einer Halbchance das entscheidende Tor», sagt Santiago Brunner. Und dies in einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Nach dem Pausentee hat Courtételle den Anstoss. Ein Pass und der Ball fliegt in der FCW-Hälfte ins Aus. Der Wohler Einwurf wird per Kopf abgefangen, und mit einem schnellen Pass von Captain Tom Villemin (der mit Maske spielt) lanciert. Während die Wohler noch im Pausen-Tiefschlaf sind, findet der hübsche Schlenzer von Villemin den Weg in den Winkel. 0:1. Vom Anstoss zum Tor vergeht keine halbe Minute.
«Im Niemandsland»
So geht diese allgemein biedere Partie verloren. Bitter: Mit einem Sieg hätten die Wohler auf den 7. Rang hüpfen können. Doch so bleiben sie auf dem 12. Platz sitzen. Noch drei Spiele sind es bis Saisonende, es bleiben noch sieben Punkte Vorsprung auf Delémont und den Abstiegsplatz. Bijan Dalvand spricht Klartext: «Es ist die dritte Saison, die wir im Niemandsland der Tabelle abschliessen. Ich habe das Gefühl, es wäre in allen drei Saisons mehr drin gelegen. Auch jetzt verpassen wir – wie vor einem Jahr – den Anschluss komplett. Jetzt müssen wir in der Tabelle sogar noch nach hinten schauen und aufpassen. All das ist schade. Und frustrierend.» Santiago Brunner meint: «Wille und Einsatz haben gepasst. Das ist positiv, das können wir für die weiteren Partien mitnehmen. Wenn wir so weitermachen, dann holen wir noch Punkte.» Es klingt ein wenig nach Zweckoptimismus. Aber was bleibt den FCW-Akteuren auch anderes übrig? Das Team befindet sich jedenfalls in einer Negativspirale und – wenn die Saison nicht bald enden würde – müsste man sich ernsthaft Sorgen um den Verbleib in der 1. Liga machen.
Es macht aktuell keinen Spass
Beim zweitletzten Heimspiel in den Niedermatten gegen Courtételle sind nach Schlusspfiff nur enttäuschte Gesichter zu sehen. Die Spieler, die Zuschauer, die neutralen Matchbesucher. Der Fussball, der von der ersten Mannschaft aktuell gezeigt wird, macht wenig Spass, es gibt kaum Tore und Punkte – und schon länger keine Siege mehr. Der letzte Heimsieg war Mitte März. Alles Dinge, die frustrieren.
Piu und Sissoko
Drei Tore, zwei Punkte. In den letzten fünf Spielen zeigt der FC Wohlen eine magere Ausbeute. Dennoch lässt Trainer Piu den Topskorer Dramane Sissoko (13 Saisontore) gegen Courtételle zuerst auf der Bank. Wieso? «Im letzten Spiel gegen Delémont hat er nicht performt. Wenn Sissoko keine Freude hat am Fussball, dann kommt wenig. Ich wollte etwas anderes probieren und anderen Spielern eine Chance geben», sagt Trainer Piu. Zur Pause wird Sissoko eingewechselt und mit ihm kommt auch etwas mehr Schwung in die Offensive. Er scheint Freude zu haben und zeigt eine gute Leistung. «Wieso spielt Sissoko nicht immer so?», fragt sich Piu.
Nach der 0:1-Pleite sagt der Trainer: «Diese Partie ist ein Sinnbild der Saison. Wir spielen gut, machen zu wenig aus unseren Chancen und sind hinten fehleranfällig. Der Gegner macht dann eben das Tor. Es fehlt das Quäntchen Glück, das Quäntchen Mentalität, das Quäntchen Qualität.» Erneut verliert Wohlen zu Hause, «das regt auf, das enttäuscht», so Piu.
Nebst dem verletzten Abwehrboss Alban Pnishi fehlen noch zahlreiche weitere Spieler verletzt. Auf der Bank waren alles junge Spieler, die – mit Ausnahme von Sissoko – am Tag vor der Partie im Einsatz mit der zweiten Mannschaft auswärts in Baden waren (2:2). «Insofern hatten wir nur wenig Möglichkeiten, von aussen für Inputs zu sorgen», sagt Piu, der im nächsten Spiel – auswärts gegen die Black Stars Basel (Samstag, 15 Uhr) – auf den gesperrten Nicola Peter verzichten muss.
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