Eigenen Wurzeln treu geblieben
10.04.2026 Gewerbe, Büttikon, Region UnterfreiamtAuf Holz gebaut
Die Koch AG aus Büttikon kann dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern
Aus einer kleinen Zimmerei neben dem Hof ist ein grosses Bauunternehmen geworden. Allen Krisen zum Trotz.
Chregi ...
Auf Holz gebaut
Die Koch AG aus Büttikon kann dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern
Aus einer kleinen Zimmerei neben dem Hof ist ein grosses Bauunternehmen geworden. Allen Krisen zum Trotz.
Chregi Hansen
26 Jahre sind vergangen seit der Umbenennung in KOCH AG. Und doch reden noch heute viele von der Holzbau Koch AG. «Das ist doch eigentlich ein gutes Zeichen. Es beweist, dass wir eine bekannte Marke sind», sagt Josef Karl Koch, der das Familienunternehmen in dritter Generation leitet.
Der Name Koch steht in Büttikon eben für den Holzbau. Wann genau Grossvater Josef Koch-Koch (1893– 1973) die Firma gegründet hat, ist nicht bekannt. Der Sohn einer Bauernfamilie absolvierte einst eine Zimmermannlehre in Sarmenstorf und baute in den 1920er-Jahren eine erste bescheidene Zimmerei auf. Das Betriebsareal kaufte er von der Familie seiner zukünftigen Frau Josefine. Privat wohnte das Paar im ehemaligen Elternhaus der Frau vis-à-vis des Betriebsgrundstücks.
Die späteren Generationen haben das Gründungsjahr auf 1926 festgelegt. Darum kann die Büttiker Firma dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern. Viel Grund zur Freude also. Doch in diesen 100 Jahren gab es auch schwierige Zeiten. Von den Kriegsjahren über schwere Unfälle bis zur Krise in der Bau- und Immobilienbranche in den 90er-Jahren. All dies hat man gemeistert und man startet darum mit grossem Optimismus ins zweite Jahrhundert. «Wir sind gut aufgestellt in der Firma. Im Verwaltungsrat, in der Geschäftsleitung, im ganzen Team», sagt der heutige Geschäftsführer stolz.
Die Firma KOCH AG (ehemals Holzbau Koch) kann dieses Jahr ihren 100. Geburtstag feiern
Mit einer kleinen Zimmerei hat einst alles angefangen. Heute ist das Unternehmen in den drei Bereichen Architektur, Holzbau und Immobilien im ganzen Freiamt tätig. Der Erfolg ist keine Selbstverständlichkeit – es gab auch Krisenjahre. Doch der Blick in die Zukunft ist positiv.
Chregi Hansen
Josef Karl Koch kann dieses Jahr ein doppeltes Jubiläum feiern. Die von seinem Grossvater gegründete Firma Holzbau Koch, heute KOCH AG, kann den 100. Geburtstag feiern. Er selbst steht der Firma seit 30 Jahren vor.
Das war so nicht geplant. «Ich war eher der Handwerker, Zahlen waren damals nicht so mein Ding – heute sieht es anders aus», erzählt er schmunzelnd. 1997 übernahm er zusammen mit seinem Bruder die Leitung des Betriebs, nach dessen Unfall führt er die Unternehmung aber alleine. «Ich hatte und habe gute Leute, die mich unterstützen», sagt er. Der 61-Jährige will noch einige Jahre weitermachen, aber die Nachfolgeplanung läuft bereits. Derzeit sei alles offen. «Wir diskutieren intern viel. Das Unternehmen ist heute so aufgebaut, dass es auch unabhängig von der Familie Koch funktionieren kann», sagt der Chef.
Eigene Geschichte häppchenweise präsentieren
Aktuell geht der Blick aber eher zurück. Das Jubiläum ist Anlass, die ganze Firmengeschichte aufzuarbeiten. Zum einen mit kurzen Filmen im Internet, die jeweils eine Spanne von zehn Jahren umfassen und viel Interessantes zu erzählen wissen. Aktuell sind die ersten 30 Jahre aufgeschaltet. «Wir wollen mit den Häppchen etwas Spannung aufbauen», lacht Schwester Irmgard Trümpy, die ebenfalls in der Firma mitarbeitet und das Jubiläum mitgestaltet. Zudem wird ein Buch produziert, welches auf die vergangenen 100 Jahre zurückblickt und das am Tag der offenen Tür am 30. Mai vorgestellt wird.
Im Herbst gönnt sich zudem die ganze Firma einen dreitägigen Betriebsausflug. «Unsere Mitarbeitenden sind unser Kapital. Uns ist es wichtig, dass sie gute Arbeitsbedingungen haben und gern für uns im Einsatz sind», sagt Josef Karl Koch. Darum finden immer wieder Firmenanlässe statt und werden viele Traditionen gepflegt. «Wir haben etliche Mitarbeitende, die schon seit sehr vielen Jahren für uns tätig sind», betont denn auch Stefan Köchli, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter Immobilien. So konnten im Winter neun Jubilare mit insgesamt 275 Jahren Firmentreue geehrt werden. Aber auch in die Zukunft wird investiert. Aktuell bildet die KOCH AG 16 Lehrlinge aus, davon allein 12 Zimmermänner. Viele bleiben dem Unternehmen später erhalten oder kehren wieder zurück. «Weil sie wissen, dass hier eine gute Atmosphäre herrscht», so Köchli.
Zimmerei bot Zusatzverdienst für Bauern
Doch zurück zu den Anfängen, denn die waren um einiges bescheidener. Josef Koch-Koch (1893–1973), gelernter Zimmermann aus Büttikon, legte den Grundstein zur heutigen KOCH AG in den 20er-Jahren. Der siebenfache Familienvater war beim Start der Firma noch auf die Unterstützung von Nachbarn und Bauern angewiesen, die für einen bescheidenen Lohn mit anpackten und Holz mit ihren Anhängern und Traktoren transportierten. Büttikon war zu dieser Zeit sehr landwirtschaftlich geprägt, für die Bauern bot die Zimmerei im Winter einen kleinen Zusatzverdienst. Josef Koch arbeitete hart, seine Frau Josefine kümmerte sich nicht nur um die sieben Kinder, sondern führte auch die Administration und die Buchhaltung. Die Zeiten waren nicht immer einfach, gerade die Kriegsjahre waren anspruchsvoll. Josef Koch musste Dienst leisten, seine Frau führte den Hof, der Holzbaubetrieb hatte kaum Aufträge.
Sich von Schicksalsschlag nicht ausbremsen lassen
Nach dem Krieg wurde die Firma quasi neu aufgebaut. «Ich war als Kind oft bei meinen Grossvater zu Besuch und er hat mir viel von früher erzählt», sagt der heutige Geschäftsführer. 1954 übernahm sein Vater Josef Koch-Estermann (1932–2018) den Betrieb. Der damals 22-Jährige hatte seine Lehre bei der Josef Wey AG in Villmergen absolviert, aber schon als Kind auf dem Hof und in der Firma mitgeholfen. Zusammen mit Bruder Fridolin Koch baute er das Unternehmen weiter aus. In jener Zeit war die Holzbau Koch vor allem auf den Bau von landwirtschaftlichen Siedlungen wie Scheunen und Ställe spezialisiert. Viele Geschäfte wurden noch per Handschlag abgeschlossen, und die guten Beziehungen zu den Landwirten führte dazu, dass Josef Koch etliche Grundstücke erwerben konnte. «Zeitweise galten wir als die grössten Landbesitzer der Region», erzählt Koch.
Auch ein Schicksalsschlag konnte den Unternehmergeist seines Vaters nicht stoppen. Josef Koch verletzte sich bei einem Sturz vom Dach derart, dass er nicht mehr als Zimmermann arbeiten konnte. Dafür konzentrierte er sich vermehrt auf den Bereich der Planung, gründete 1965 ein eigenes Architekturbüro. Wie bei der ersten Generation half auch hier Ehefrau Irmgard im Büro tatkräftig mit. Die Firma wuchs rasant – bis die Rezession und die neue Baulandpolitik in den 90er-Jahren zu einer Krise führte. In dieser Zeit wurde viel Land entschädigungslos ausgezont, blieben Aufträge aus. «Es war eine sehr schwierige Zeit. Aber es ist uns gelungen, die Firma zu sanieren», schaut Josef Karl Koch auf diese Zeit zurück.
Mit Qualität überzeugen
Dieser hatte einst nach der Schulzeit die Zimmermannlehre im Familienbetrieb absolviert und musste sich nun also mit Themen wie Nachlassstundungen und Investorensuche beschäftigen. 1999 gelang die endgültige Rettung des Unternehmens, danach ging es schnell wieder bergauf. «Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigem Wohnraum stieg rasant, und wir konnten diesen anbieten», sagt Koch heute. «Unsere Immobilien orientieren sich vorwiegend an den Bedürfnissen der Kunden», ergänzt Stefan Köchli. «Wir gehen beim Bauen darum nicht unbedingt an die Grenzen, sondern wollen, dass ein Objekt in das Quartier passt und viel Lebensqualität bietet für die Menschen.» Die Firma hat damit Erfolg. «Viele Kunden, die vor Jahren einmal ein Haus von uns gekauft haben, kommen später im Alter wieder zu uns, wenn sie dann in eine Wohnung ziehen wollen», so Köchli.
In der ganzen Region ihre Spuren hinterlassen
Gerne entwickelt die KOCH AG ganze Projekte auf der grünen Wiese. Oder plant grosse Überbauungen in den Dorfzentren. Der Bau von landwirtschaftlichen Siedlungen, früher die hauptsächliche Tätigkeit, spielt keine grosse Rolle mehr, heute konzentriert sich die Büttiker Firma auf Wohnbauten, gerne kombiniert mit Gewerbe. Projekte wie der Zentrumsbau Sarmenstorf, das «Kreuz» in Jonen, der Dorfpark Waltenschwil, der Stifeliryter Uezwil oder die Überbauung Steindler in Wohlen sind Visitenkarten für das Unternehmen. «Holz boomt im Bau», macht Köchli deutlich. Und davon profitiert die KOCH AG dank ihrer grossen Erfahrung. Auch wenn das Bauen selbst wegen der vielen Vorschriften und dem knapper werdenden Bauland immer anspruchsvoller wird. Von den ersten Ideen bis zur Realisation können schon mal zehn Jahre vergehen, wie der Leiter Immobilien erklärt.
Die KOCH AG hat sich von der Krise in den 90er-Jahren wunderbar erholt und besteht heute aus den drei Bereichen Architektur, Holzbau und Immobilien. 80 engagierte Mitarbeitende bringen ihr Fachwissen in die verschiedenen Projekt ein. Vieles hat sich verändert in den 100 Jahren, geblieben ist der Standort. Die Firma steht noch immer auf dem Grundstück, welches Gründer Josef Koch einst von der Familie seiner Frau erwerben konnte. «Unsere Wurzeln liegen ganz klar in Büttikon», sagt Josef Karl Koch. Und das soll so bleiben, auch wenn die Verhältnisse am Hang und der Kantonsstrasse zwischen den einzelnen Firmengebäuden alles andere als optimal ist. «Wir sind gut verankert in der Gemeinde und wollen dem Dorf auch etwas zurückgeben», betont der Geschäftsleiter. So ist die KOCH AG Besitzerin des einzigen Restaurants im Dorf und hat den Dorfladen übernommen, nachdem Metzger Sepp Sachs in den Ruhestand ging. Natürlich hat sie ganz viele Häuser im Dorf gebaut.
Alle sind eingeladen zum Tag der offenen Tür am 30. Mai
Büttikon und die KOCH AG, das passt eben. Und dies seit 100 Jahren. Auch darum sind die Büttiker (und alle weiteren Interessierten) am 30. Mai zum Tag der offenen Tür geladen. «Wir wollen auf einem Rundgang zeigen, was wir heute machen. Aber auch unsere Geschichte präsentieren», sagt Irmgard Trümpy. Diese Geschichte ist eindrucksvoll und soll so weitergehen. «Wir haben einen guten Ruf. Dem wollen und müssen wir Sorge tragen», betont denn auch Josef Karl Koch. Er blickt einerseits mit viel Optimismus in die Zukunft. Aber auch mit Dank und Stolz auf die Leistung seiner Vorfahren zurück. Diese machen es erst möglich, dass trotz Krisenzeiten jetzt der 100. Geburtstag gefeiert werden kann. «Das ist alles andere als selbstverständlich», ist sich der heutige Geschäftsleiter durchaus bewusst.







