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09.01.2026 Region Unterfreiamt, Musik, VereineBlaskapelle Rietenberg Villmergen feiert 50-Jahr-Jubiläum
Was einst nur eine abdelegierte Kleinformation war, mauserte sich zu einer beliebten und engagierten Blaskapelle. Nun konnten die «Rietenberger» im vergangenen Jahr ihr Jubiläum gebührend ...
Blaskapelle Rietenberg Villmergen feiert 50-Jahr-Jubiläum
Was einst nur eine abdelegierte Kleinformation war, mauserte sich zu einer beliebten und engagierten Blaskapelle. Nun konnten die «Rietenberger» im vergangenen Jahr ihr Jubiläum gebührend feiern.
Monica Rast
Damit an Waldumgängen, Geburtstagen oder Fasnacht nicht die ganze Musikgellschaft antraben musste, wurden immer wieder einige Mitglieder abdelegiert, um dort ein «Ständli» zu geben. Daraus entwickelten Hansruedi Gsell, Sepp Meyer und Paul Irniger die Idee, mit den spielfreudigeren Mitgliedern der «Musig» eine Untergruppe zu gründen. So entstand 1975 die Bure-Kapelle Villmergen. An ihren ersten öffentlichen Auftritt im Gründungsjahr – am Maifest – trat die Kleinformation der Musikgesellschaft damals noch in Jeans und rote «Chutteli» auf. Erst ab 1980 kleidete man sich mit einem weissen Hemd und einer passenden Weste neu ein.
Die Mitglieder der ersten Stunde spielten zeitgleich in der Musikgesellschaft Villmergen. Dank ihrem breiten Repertoire konnte die Kapelle zusätzlich an vielen verschiedenen öffentlichen wie privaten Anlässen auftreten. Unter der Leitung von Obmann Hansruedi Gsell fehlte die Kapelle ab 1981 kaum noch an bedeutenden Anlässen im Dorf und in der näheren Umgebung. So wurde für die Villmerger Chilbi, den Waldumgang, das Dorfkellerfest und zu Fasnachtsanlässen kurzerhand die Bure-Kapelle engagiert. Die kleine Formation erreicht dadurch einen angesehenen Status im Dorf.
Neben den zahlreichen Engagements besuchte die spielfreudige Kapelle das Schweizerische Bauernkapellen-Treffen, spielte in der Bierhalle Wolf in Zürich und reiste zu Anlässen nach Deutschland. «Ich würde gerne wieder einmal nach Mindersdorf in Deutschland reisen», meint Gsell etwas wehmütig, «wir haben da vor rund 2500 Zuhörern gespielt.» Umgekehrt war die Bauernkapelle Mindersdorf in Villmergen zu Gast. «Diese Spitzenkapelle ist beim Publikum gut angekommen und der Anlass war ein voller Erfolg», erinnert sich Gsell.
Erfolgreiche Ablösung von der Musikgesellschaft
Erst 1995, also 20 Jahre nach der Gründung, machte sich die Bure-Kapelle selbstständig und löste sich von der Musikgesellschaft. Es wurde eigens ein Verein mit eigenen Statuten und Vorstand gegründet. Von da an spielten auch Musiker mit, die nicht Mitglied der Villmerger «Musig» waren. Als umsichtiger Präsident führte Hansruedi Gsell das Vereinsschiff durch alle Klippen. Nach 42 Jahren aktiver Vorstandsarbeit hat er sich jedoch entschieden, kürzerzutreten und seinen Rücktritt bekannt gegeben. Doch nach wie vor spielt er als Ehrenpräsident eine wichtige Rolle im Verein und hilft als guter Geist – und dank seiner langjährigen Erfahrung – bei allen anfallenden Arbeiten tatkräftig mit. Als weiterer aktiver Gründer spielt neben Hansruedi Gsell noch Sepp Meyer in der Kapelle mit. Besonders stolz ist Meyer, dass es nach allen Hochs und Tiefs die Kapelle immer noch gibt.
Neuer Name – gleiche Formation
Im Jahre 2000 entschlossen sich die Mitglieder der Bure-Kapelle Villmergen, die Kapelle umzutaufen. Die Anzahl an Bauern hat sich drastisch verringert, und da die meisten Mitglieder am Fusse des Rietenbergs wohnen und nur noch ein Bauer in der Kapelle mitspielt, war die Namensgebung Blaskapelle Rietenberg Villmergen eine logische Folge. Die Kapelle besteht heute aus 15 Musikanten sowie vier Aushilfen und spielt mit Vorliebe böhmische und mährische Kompositionen. «Das ist die schönste Musik», sind sich Hansruedi Gsell und der amtierende Präsident Christian Meier einig. Trotzdem wird auch modernere Literatur in das Repertoire aufgenommen.
Zum 50-Jahr-Jubiläum wurden die «alten» Bure-Kapeller für ein Konzert reaktiviert. «Einige haben über 20 Jahre kein Instrument mehr gespielt», lacht Hansruedi Gsell. Der Jüngste unter ihnen geht auf die sechzig zu und der Älteste ist 80 Jahre alt. Durch den Auftritt haben die Musiker wieder Feuer gefangen und treffen sich weiterhin. Doch wie in vielen anderen Formationen und Musikgesellschaften mag es hie und da weitere Musiker vertragen. «Man weiss nie, was passiert. Wir sind alle in einem gewissen Alter», bemerkt Gsell, der in diesem Jahr seinen 80. Geburtstag feiern darf. «Gerade mal drei Musiker sind nicht pensioniert», fügt Christian Meier hinzu.
Ein gelungenes Jubiläumsfest
Als kleiner Verein ist man bei einem Grossanlass wie das 50-Jahr-Jubiläum auf Hilfe angewiesen. «Der Jodlerklub hat uns im Hintergrund und in der Küche tatkräftig unter die Arme gegriffen», erzählt der Präsident. «Es ist toll, wie in Villmergen Vereine unkompliziert mithelfen.» Die Jubilare eröffneten traditionsgemäss ihr Jubiläum in der voll besetzten Mehrzweckhalle. Daneben traten die Steelband Lipsticks, der Jodlerklub Heimelig, das Akkordeonorchester fis-a-dis, die Kleinformation Sixpäck und die reaktivierte Bure-Kapelle auf. «Der Aufwand hat sich gelohnt. Es war ein sehr schöner Anlass. Er kam gut an und es gab sehr gute Rückmeldungen», sagen Hansruedi Gsell und Meier fast gleichzeitig, «und wir konnten mit dem Anlass Villmergen etwas zurückgeben.»


