Dorfgeschichte schreiben
05.11.2024 Bremgarten, KüntenKünten: Gemeinderat möchte eine Dorfchronik erstellen
Laut der Gemeindewebsite tauchen die ältesten bekannten Zeugnisse von «Sulzo» und «Chünten» um 1160 in der «Acta Murensis» als Besitz des Klosters Muri auf. Eine ...
Künten: Gemeinderat möchte eine Dorfchronik erstellen
Laut der Gemeindewebsite tauchen die ältesten bekannten Zeugnisse von «Sulzo» und «Chünten» um 1160 in der «Acta Murensis» als Besitz des Klosters Muri auf. Eine eigentliche Schrift, welche die Geschichte des Dorfes aufzeichnet, fehlt aber bisher. Das möchte der Gemeinderat jetzt ändern.
Roger Wetli
«Unserem Dorf fehlt bisher schlicht eine Chronik. Das kann nicht sein, weshalb wir jetzt eine erstellen möchten», erklärt der Künter Gemeindeammann Daniel Schüepp. Im Gespräch zeigt er mehrfach auf die Chronik von Niederwil. Dort, auf der anderen Seite der Reuss, ist er aufgewachsen. «Wie in deren Buch im Geleitwort geschrieben steht, ist es wichtig, die Vergangenheit zu kennen. Denn sie wirkt in die Gegenwart und in die Zukunft. Wir können definitiv einen direkten Nutzen aus den zurückliegenden Begebenheiten ziehen», ist er überzeugt.
57 Kapitel als Grundlage
Ausschlag für das Projekt Dorfchronik gibt jetzt das Privatarchiv von Fridolin Staubli. «Er wuchs in Sulz auf und lebt heute in Künten. Fridolin Staubli trug über viele Jahre Material zusammen und legte es in 57 Kapiteln ab», so der Ammann. «Er ist über 90 Jahre alt. Machen wir jetzt nichts, geht seine Sammlung verloren. Das wäre schade.»
Die 57 Kapitel tragen Titel wie «Reusskorrektion 1811–1916 Fischbach-Göslikon und Sulz», «Ablösung der Zehntenpflicht Sulz Kloster Muri», «Die Sulzer Fischenzen» oder «Brandunglück vom 19. Juni 1866 Ortschaft Künten». «Als Sulzer trug er vornehmlich Dokumente aus seinem Weiler zusammen. Uns fehlen darum Fakten und Geschichten aus Künten. Wir hoffen, dass uns diese unsere Einwohner zur Verfügung stellen können. Aber natürlich sind auch weitere Fotos und andere Unterlagen aus Sulz sehr willkommen», ruft Daniel Schüepp die Bevölkerung auf, sich auf der Gemeindeverwaltung zu melden. Es solle eine Chronik für beide Dorfteile entstehen.
Dokumente vervollständigen
Der Gemeindeammann möchte jetzt die Dokumente vervollständigen, selber Archive durchforsten, einen Historiker für Hilfe gewinnen, später eventuell eine Kommission gründen und das gewonnene Wissen in einem Buch zusammenfassen. «Aktuell arbeite ich daran noch im Rahmen meines Mandats als Gemeindeammann. Sobald diese Chronik budgetrelevant wird und über die Kompetenzsumme des Gemeinderats hinausgeht, werden wir natürlich an einer Gemeindeversammlung darüber abstimmen lassen», verspricht der Gemeindeammann. Er sieht sich bei diesem Projekt als Koordinator, Manager und Leader, aber nicht zwingend als Ausführenden. Als wichtige Stütze konnte er den heute in Niederwil wohnenden Bruno Stenz gewinnen. «Er ist Urkünter. Unser Dorf liegt ihm nach wie vor am Herzen.» Der Zufall will es, dass sein Göttibube Thomas Stenz Historiker ist. «Allerdings befasst er sich in dieser Funktion vor allem mit Mittelamerika. Er wird aber sicher Leute kennen, die wissen, wie man eine Chronik richtig aufbaut», ist Daniel Schüepp zuversichtlich.
Herzensprojekt
Wichtig sei, dass in einem ersten Schritt die von Fridolin Staubli dokumentierten Kapitel eingehend durchforstet werden. «Es tauchen da auch vermeintlich Dorf-fremde Kapitel wie ‹Präsidenten der USA seit 1789›, ‹Bundesräte der Schweiz seit 1848›, ‹Wie Bremgarten den Fischbacher Wald erhielt› oder ‹Brand von Mellingen 1505› auf. Wir müssen schauen, ob es darin vielleicht einen Bezug zu unserem Dorf gibt.» Bei alledem setzt sich der Gemeindeammann unter keinen Zeitdruck. «Mein Ziel ist es definitiv nicht, diese Chronik bis zum Dorffest im nächsten Sommer zu veröffentlichen. Das ist ohnehin nicht realistisch und auch nicht nötig.» Er gehe davon aus, dass dieses Projekt wohl einiges an Zeit in Anspruch nehme. Offen sei auch, wie weit zeitlich die Dorfchronik zurückschauen soll. «Toll wäre natürlich, wenn sie möglichst tief in die Vergangenheit ginge, sofern die Informationen belegbar sind.» Daniel Schüepp setzt sich gerne für diese Dorfchronik ein. «Es ist definitiv eines meiner Herzensprojekte», lacht er.
Fotos und andere Unterlagen können bei der Gemeindeverwaltung abgegeben oder per E-Mail an gemeindekanzlei@ kuenten.ch gesendet werden.