Die verrückten Jahre eines Dorfes
15.04.2025 Kelleramt, JonenDer Joner Arnold Huber schreibt für sein Dorf eine neue Dorfchronik
Bereits drei Chroniken gibt es über Jonen. Das neue Werk blickt auf die Entwicklung der letzten 35 Jahre zurück und verknüpft historische Ereignisse mit aktuellen Themen der Gemeinde. ...
Der Joner Arnold Huber schreibt für sein Dorf eine neue Dorfchronik
Bereits drei Chroniken gibt es über Jonen. Das neue Werk blickt auf die Entwicklung der letzten 35 Jahre zurück und verknüpft historische Ereignisse mit aktuellen Themen der Gemeinde. Autor und Verfasser ist der ehemalige Gemeindeschreiber Arnold Huber. Er kennt das Dorf, seine Juwelen und die Geschichte bestens.
Verena Anna Wigger
Wenn er gewusst hätte, welche Arbeit auf ihn zukommt, «dann hätte ich es wahrscheinlich nicht gemacht». Davon ist Arnold Huber heute überzeugt. «Ich habe es völlig unterschätzt.» Mit demselben Elan sagt er: «Jetzt führen wir das gut zu Ende.» Im Frühling des vergangenen Jahres hat ihn Gemeindeammann Philipp Ackermann angefragt, ob er die Neuauflage der Joner Dorfchronik übernehmen würde. Da Huber das Buch am liebsten schon während seiner Amtszeit geschrieben hätte, ihm damals jedoch die Zeit fehlte, hat er sofort Ja gesagt.
Ein Chronist kennt die Juwelen im Dorf
Als gebürtiger Joner, der im Weiler Mörgelen aufgewachsen ist und während 38 Jahren für die Gemeinde tätig war, kennt er sein Dorf. All die Juwelen an Gebäuden, Plätzen und Bauten. Dass er so lange Gemeindeschreiber blieb, ist nicht selbstverständlich. Die ersten drei Jahre seiner Amtszeit seien turbulent und herausfordernd gewesen, erinnert er sich. Es habe da Momente gegeben, in denen er ans Aufgeben gedacht habe. Die enge Verbundenheit mit seiner Aufgabe hielt ihn jedoch auf Kurs. Im Laufe seiner Arbeit habe er mit sechs Gemeindeammännern und 22 Gemeinderäten zusammengearbeitet. Seit bald fünf Jahren ist er in Frühpension und arbeitet seitdem in Teilzeit als Postautochauffeur, ein Bubentraum, wie er erzählt. «Beim Fahren ist mein Fokus auf der Strasse», versichert er. Doch wenn er durch die Dörfer fährt, hat er oft eine zündende Idee für sein Buch.
Strukturen legen benötigt Zeit
Als schwierigsten Teil seiner Aufgabe empfand Huber das Finden der Inhaltsstruktur. Allein dafür benötigte er über einhundert Stunden. «Als dies geklärt war, konnte ich den Text praktisch hinunterschreiben.» Innert acht Monaten verfasste er das Manuskript. Jetzt geht es ums Lektorieren. Dazu bildet der Autor zusammen mit dem aktuellen Gemeindeammann Philipp Ackermann, Gemeindeschreiber Lorenz Staubli, dessen Stellvertreterin Angela Nef und dem Leiter Finanzen Michael Bucher ein Redaktionsteam. Dieses Team arbeitet ebenfalls ehrenamtlich. Zum Glück können heute die Arbeiten online und digital gemacht werden. Huber erinnert sich gut, wie sein Vorgänger noch tagelang im Archiv weilte.
Zu tun gibt es trotzdem genug. «Hunderte von Daten müssen verifiziert werden», sagt er. Jede Zahl, die im Buch erscheint, soll stimmen. Allein für diese Arbeit rechnet er nochmals mit rund 850 Stunden.
Bewegende Jahre in Text und Bild
Grundlagen für sein Werk sind neben dem Archiv der Gemeinde auch die Bücher von Pfarrer Walter Bürgisser, der seine Chroniken 1967 und 1991 veröffentlichte. Dazu das Buch von Landwirt und Litzi-Chronist Max Widler, der die drei Weiler Obschlagen, Litzi und Mörgelen, welche zu Jonen gehören, thematisierte. In diesen Büchern wurden noch die Stammbäume der Joner Familien veröffentlicht, darauf verzichtet das neue Werk von Arnold Huber. Sein Ziel ist es, «die verrückten letzten 35 Jahre aufzuarbeiten und zugleich den Bogen zu weiter zurückliegenden Zeiten zu spannen».
In der Chronik soll das Dorf auch in Bildern präsentiert werden. Jonen umfasst allein 40 kommunale und 4 kantonale Schutzobjekte. Alle diese Objekte sollen neu fotografiert werden. Dazu müssen Wetter, Licht und Objekt stimmen. «Doch diese Zeit fehlt mir», das stellte Arnold Huber schnell fest. In der Person von Marguerite Weber Bless, welche seit vielen Jahren Dorfführer verfasste, fand er eine kompetente Mitstreiterin, welche die Koordination in Sachen Fotografie übernahm. So entstehen in diesen Wochen rund einhundertfünfzig aktuelle Fotos im Dorf. Dazu kommen auch Luftaufnahmen.
Macht das Werk heute noch Sinn?
Die Gestaltung seines Werkes nimmt Formen an. Bereits steht das Layout. Die zehn Kapitel sollen auf rund 250 Seiten zu finden sein. Bekannt ist auch das Erscheinungsdatum: Am 1. August 2026 wird das Buch veröffentlicht. Sowohl in gedruckter wie in digitaler Form. Huber schätzt, dass die Hälfte der Arbeit getan ist. Er plant, seinen Teil bis Ende Jahr abzuschliessen, dann können sich das Lektorat und der Druck an die Arbeit machen.
Ob es in der heutigen Zeit Sinn macht, eine Dorfchronik zu schreiben, darüber ist sich Arnold Huber nicht ganz klar. «Vielleicht kommt wieder eine Zeit, in der Chroniken gewürdigt werden, anders als heute», so sein Fazit. Er vermutet, dass sein Werk seine Generation und die noch älteren Menschen anspreche. «Ich glaube, dass dies die letzte Joner Chronik ist, die geschrieben wird», sagt Huber zum Schluss.