Der zarte Setzling wird stärker
27.02.2026 Beinwil/Freiamt, MuriVor einem halben Jahr hat die Regionale Integrationsfachstelle Freiamt (RIF) den Betrieb aufgenommen
Es ist ein weiteres Beispiel für regionale Zusammenarbeit: die RIF. 14 Gemeinden des Bezirks Muri beteiligen sich am Pilotprojekt. Monika Landmann leitet die ...
Vor einem halben Jahr hat die Regionale Integrationsfachstelle Freiamt (RIF) den Betrieb aufgenommen
Es ist ein weiteres Beispiel für regionale Zusammenarbeit: die RIF. 14 Gemeinden des Bezirks Muri beteiligen sich am Pilotprojekt. Monika Landmann leitet die Regionale Integrationsfachstelle. Die Palette an Angeboten für Menschen, die neu in der Region leben, wird stetig grösser. Auch der Kontakt mit den Gemeinden ist eng.
Annemarie Keusch
«MuriMundo». Ein Beispiel von vielen. Miteinander spielen, reden, singen, tanzen und Deutsch üben. Involviert ist die Regionale Integrationsfachstelle Oberes Freiamt. «Wir suchten die passenden Räumlichkeiten und halfen mit Beratung und der Startfinanzierung», sagt Monika Landmann, Leiterin RIF Oberes Freiamt. «Es ist schön, zu sehen, wie erfolgreich dieses Projekt unterwegs ist», führt sie weiter aus.
«Rüebli und Reis». Ein weiteres Beispiel. Miteinander kochen, essen, spielen, Deutsch üben. Am 7. März findet der Anlass erstmals statt, im Muri13. Träger ist das Jugend-Rotkreuz. Involviert ist die Regionale Integrationsfachstelle Oberes Freiamt trotzdem. «Auch hier suchten wir passende Räumlichkeiten und helfen bei der Suche nach Freiwilligen, die zum Gelingen des Angebotes beitragen», sagt Monika Landmann. Projekte, die es schon gibt, in die Region holen. Das ist eine von vielen Aufgaben, die die neu geschaffene Stelle übernimmt.
«Kune» heissen zwei Anlässe, die regelmässig in Sins stattfinden. Jeden ersten und dritten Donnerstag treffen sich Frauen zum Tanzen. Jeden zweiten und vierten Donnerstag ist es ein offener Treffpunkt für alle. Austausch fördern, in deutscher Sprache. Darum geht es auch an diesem Anlass. «Das war das erste Projekt, das wir mit einer Startfinanzierung unterstützen durften», erzählt Ursula Rey, die mit Landmann und Anna Rotzetter das dreiköpfige RIF-Team bildet. Auch das sind Anlässe, die Landmann und ihr Team nicht selber organisieren. «Das machen wir bisher nicht.» Stattdessen befähigen und unterstützen sie andere, um die Projekte und Ideen umsetzen zu können. «Unser Alltag ist geprägt von Koordination», sagt Monika Landmann. Telefonieren, vernetzen, geeignete Lokalitäten für unterschiedlichste Angebote finden.
Nicht nur für Menschen mit Migrationshintergrund
Im August hat die RIF Oberes Freiamt ihren Betrieb aufgenommen. Vorausgegangen ist ein langer Prozess. Daniel Räber präsidiert den Vorstand, der das Projekt strategisch leitet. Er spricht von einer regionalen Willensgemeinschaft, die aktuell aus 14 Gemeinden besteht. In Sachen Integration zusammenzuspannen, das ist ihr Ziel. «Eine Bewegung, die durch das ganze Obere Freiamt ging», sagt Monika Landmann. Die RIF ist dabei Anlaufstelle für alle Menschen, die neu in der Region leben. «Ganz viele haben Migrationshintergrund, aber nicht alle», sagt Ursula Rey. Zum Beispiel sei man auch an Neuzuzüger-Anlässen präsent und beantworte Fragen aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen.
Informieren und beraten, es ist die Kernaufgabe der RIF. Am Caspar-Wolf-Weg 2 in Muri schauen täglich Menschen vorbei, die Unterstützung brauchen. Aber die Integrationsfachstelle ist auch Ansprechperson für Gemeinden oder für Schulen. «Auch das wird rege genutzt. Wir waren beispielsweise auch schon an Elternabenden dabei. Denn Kinder werden in der Schule oftmals automatisch integriert, während es für die Eltern viel schwieriger ist», weiss Ursula Rey.
Drei Frauen mit grossem Netzwerk
Die RIF ist aber auch Bindeglied zu Organisationen und Vereinen in der Region. Und zu den Freiwilligen, die sich in vielfältigster Weise rund um die Integration engagieren. «Sie sind unsere Multiplikatoren», sagt Daniel Räber. Sie gelte es zu unterstützen, zu befähigen. «Mit Know-how, mit Kontakten, mit Flyern, mit was auch immer sie brauchen», sagt Ursula Rey. Eigene Projekte sind dabei noch gänzlich im Hintergrund. «Das ist auch eine Frage der Ressourcen.» 145 Stellenprozente teilen sich die drei Frauen aktuell.
Vom Team ist Daniel Räber mehr als überzeugt. «Wir haben ganz viel Fachwissen vereint.» Monika Landmann ist seit jeher in der beruflichen und sozialen Integration tätig, verfügt auch über Erfahrungen im Flüchtlingsbereich und arbeitete vorher bei der RIF Freiamt. «Ich mag es, Neues mit aufzubauen, das fasziniert mich», sagt sie. Ursula Rey führte zwei Jahre lang die Koordinationsstelle für Freiwilligenarbeit im Oberen Freiamt. «Sie hat dabei viel Grundlagenarbeit geleistet, von der wir nun sehr profitieren können.» Rey lebt in der Region, Landmann ist im Freiamt aufgewachsen. Die beiden kannten einander schon vorher. Und sie kannten und kennen viele Leute im Freiamt. «Netzwerk ist das A und O, damit unsere Arbeit erfolgreich ist», hält Monika Landmann fest. Anna Rotzetter komplettiert das Team. Sie hat langjährige Erfahrungen in einer anderen regionalen Integrationsfachstelle gesammelt und kennt das Aufgabengebiet einer RIF sehr gut.
Positives erstes Fazit nach sieben Monaten
Vernetzung ist im RIF Oberes Freiamt ein ständiges Thema. Mit den Menschen, die neu in die Region ziehen, mit den Gemeinden. «Allgemein mit allen», sagt Monika Landmann. Sie weiss, dass kulturelles Verständnis Integration vereinfacht. «Wir gehen aktiv hinaus, um mit der Bevölkerung zu interagieren, und fördern Verständnis durch Wissen.» Einer der Wege, um neue Freiwillige zu finden. Diese zu betreuen und weiterzubilden, ist auch eine Aufgabe der RIF-Mitarbeiterinnen.
Vernetzen, informieren, beraten und Projekte ermöglichen. Es ist ein Versuch, die Aufgaben der RIF in wenigen Worten zusammenzufassen. Das Fazit nach den ersten sieben Monaten fällt rundum positiv aus. «Wir erfahren nirgends Ablehnung, alle Türen stehen uns offen.» Und die Zusammenarbeit mit allen involvierten Gemeinden laufe gut – von Dietwil bis Waltenschwil. «Es ist uns wichtig, in allen Gemeinden präsent zu sein», betont Ursula Rey. Auch wenn Muri das Zentrum sei, auch was die Dichte an Veranstaltungen betreffe.
Gemeinden zahlen 2.95 Franken pro Jahr und Einwohner
Auch wenn vieles schon läuft, die Arbeit geht dem RIF-Team ganz sicher nicht aus. Aktuell ist eine Begleitgruppe im Aufbau – auch mit dem Ziel, weitere Aspekte der Integration abdecken zu können. Und die Suche nach Schlüsselpersonen läuft. Personen, die vor einiger Zeit in die Region migriert sind, mit beiden Kulturen und Sprachen vertraut sind und damit für die Integration für Angehörige ihrer Länder und Ethnien eine wichtige Rolle spielen können. «Das ist nicht einfach, aber macht Spass», sagt Monika Landmann.
Proaktiv entwickeln, anstatt erst zu reagieren, wenn Probleme da sind – mit dieser Überlegung gründeten die 14 Gemeinden die RIF Oberes Freiamt. Nicht alle Gemeinden des Bezirks sind dabei. «Vielleicht ändert sich das noch», sagt Daniel Räber. Zwei Jahre dauert die Pilotphase. Die RIF Oberes Freiamt sei wie eine Drehscheibe, wenn es um Integrationsthemen geht. «Monetär wird sich das nie ausrechnen lassen», weiss Daniel Räber. 2.95 Franken zahlen die Gemeinden aktuell pro Jahr und Einwohner. Sie erhalten dafür Know-how, das auf der Gemeindeverwaltung aber sonst gerade in dieser Breite und Tiefe fehlt. Räber, Landmann, Rey und Rotzetter sind überzeugt, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Der Start ist vielversprechend. Auch wenn viele Aufgaben nie abgeschlossen sein werden. «Gerade auch die Suche nach Freiwilligen läuft immer», weiss Ursula Rey.
Es ist noch ein zarter Setzling. Aber einer, der seit der Pflanzung stärker wurde und den ersten Winter gut überstanden hat. «Wir setzen alles daran, dass daraus ein starker Baum entsteht», sagt Präsident Daniel Räber.
Mehr Informationen unter: www.rifoberesfreiamt.ch.
Tag des Flüchtlings
Der 20. Juni ist der Tag des Flüchtlings. Die RIF Oberes Freiamt hat mit verschiedenen Partnern ein Programm zusammengestellt. Stattfinden wird dieses unter anderem im GZ Muri. Teil davon ist beispielsweise ein Fotoprojekt, wo Geflüchtete, die in der GOPS leben, die Schweiz aus ihrer Perspektive fotografisch festhalten. --ake

