Der Shootingstar will den Titel
12.05.2026 Sport, FussballCup: Devin Baumann spielt mit dem FC Mutschellen den Final gegen Brugg (Donnerstag, 17.30 Uhr, Seengen)
Der FC Mutschellen brennt darauf, nach 2019 zum zweiten Mal den Aargauer Cup zu gewinnen. Der aktuelle Shootingstar des Teams ist Devin Baumann, der in letzter Zeit ...
Cup: Devin Baumann spielt mit dem FC Mutschellen den Final gegen Brugg (Donnerstag, 17.30 Uhr, Seengen)
Der FC Mutschellen brennt darauf, nach 2019 zum zweiten Mal den Aargauer Cup zu gewinnen. Der aktuelle Shootingstar des Teams ist Devin Baumann, der in letzter Zeit regelmässig gegen die Topteams der Liga trifft. Schiesst der 24-Jährige die Mutscheller auch zum Cuptitel?
Josip Lasic
Was für eine Serie. Mit Baden II, Lenzburg und Suhr traf der FC Mutschellen zuletzt nacheinander auf die Top 3 der Liga. Dreimal ging der Favorit mit 1:0 in Führung. Dreimal lautete die Antwort der Freiämter: Devin Baumann. Mit seinen Ausgleichstreffern sorgte der 24-Jährige dafür, dass Mutschellen in jeder Partie gegen dieses Spitzentrio einen Punkt abnahm.
Der Personal Trainer
Diese Spiele waren die perfekte Vorbereitung auf das Saisonhighlight – den Cupfinal gegen Brugg, der übermorgen Donnerstag wartet. Diesen erreichten die Freiämter mit einem 2:1-Sieg gegen die vierte Topmannschaft der Liga, Lokalrivale Muri. Das entscheidende Tor erzielte – wenig überraschend – Devin Baumann. «Ich habe momentan wirklich einen guten Lauf, vor allem gegen die Spitzenteams», sagt der Bergdietiker mit philippinischen Wurzeln.
Erst seit diesem Sommer trägt er das Trikot des FC Mutschellen. Seine Fussballkarriere begann – wie die seiner älteren Brüder Kenneth (29) und Novem (30) – im Kanton Zürich. Wie Goalie Novem, der U20-Nationalspieler war und mit dem FC Zürich, Wil und Rapperswil-Jona zu Einsätzen in Super und Challenge League kam, strebte Devin Baumann nach Höherem. Über den SV Höngg landete er in der U21 des FC St. Gallen. Gesundheitliche Rückschläge verhinderten den Sprung zu den Profis. Später spielte er in der 1. Liga classic und der 2. Liga interregional für Höngg, Gossau, Zofingen und Thalwil. «Mittlerweile bin ich wieder völlig gesund und lebe den Fussball trotzdem, nur auf eine andere Art», sagt Baumann. Heute arbeitet er als Personal Trainer bei «360 Football». Die Agentur bietet individuelles Training für Profi- und Amateurfussballer an. «Dazu gehören Athletiktraining, Ernährungsberatung, Mentaltraining und vieles mehr. Vieles davon hätte ich früher selbst gebraucht. Jetzt gebe ich es an andere weiter, um ihnen zu helfen, dass sie den Traum vom Profifussball leben können.» Aus Liebe zum Fussball spielt Baumann selbst leidenschaftlich weiter. Dass er beim FC Mutschellen gelandet ist, hat indirekt auch mit seinem Beruf zu tun.
Der Familienmensch
Eine Option wäre sein Stammverein Oetwil-Geroldswil in der Zürcher 2.-Liga-Gruppe gewesen. Dort finden die Spiele aber oft am Wochenende statt – genau dann, wenn Baumann Trainings gibt. Mutschellen passt besser. Die Freiämter spielen meist am Freitagabend. Auch die Familie spielte eine Rolle: Neben Devin wechselte im Sommer auch sein Bruder Kenneth zu den Freiämtern. Zudem verbindet ihn eine lange Freundschaft mit Kevin Kempter, dessen Familie ebenfalls philippinische Wurzeln hat. «Wir sind nicht direkt verwandt, aber unsere Familien sind eng verbunden», erklärt Baumann. Kevins Bruder Michael (aktuell philippinischer Nationalspieler) spielte früher mit Devins Bruder Novem beim Nachwuchs des FC Zürich.
Diese familiären Bindungen machen Baumann fast zum Idealspieler für den FC Mutschellen. Der Verein setzt seit Jahren auf ein starkes Kollektiv. Es war die Basis für den Cupsieg 2019 und den Aufstieg in die 2. Liga interregional im Jahr 2021. Einige Identifikationsfiguren von damals, wie Nico Stadelmann oder Manuel Brunner, sind inzwischen weg. Andere wie Fabian Riesen, Roger Pfyl oder Kevin Kempter halten die Tradition am Leben. Baumann könnte in eine ähnliche Rolle hineinwachsen. Seine Verbindung zum Verein ist eng und vieles greift ineinander. Ein Beispiel: Die Gründer von «360 Football», Jan Solak und Nic Keller, sind Ex-Spieler des FC Mutschellen. Und das sportliche Leben hat viele Synergien. «Mein Vater ist pensioniert und kann im Nachbardorf Spiele von Kenneth und mir sehen. Es passt hier sehr viel zusammen.»
Die Ferien müssen warten
Für den Cupfinal muss Baumann auf etwas Besonderes verzichten. «Geplant war, dass ich nach 14 Jahren endlich mal wieder Ferien auf den Philippinen mache», erzählt er. «Ich habe die Reise wegen des Cupfinals jetzt aber um eine Woche verschoben. Dieser Final bedeutet mir sehr viel. Bisher ist es mir nur mit den A-Junioren des SV Höngg gelungen, den Cup zu gewinnen. Das jetzt ist noch eine Stufe spezieller.»
Neben dem Cupsieg hat Baumann einen weiteren Traum: Er möchte, dass sein Vater einmal alle drei Brüder in einem Team spielen sieht. Novem Baumann kickt inzwischen im Firmenfussball bei der Julius-Bär-Bank. Könnte er auch zum FC Mutschellen wechseln? «Das wäre schön. Wenn das nicht klappt, müssten wir schauen, ob wir vielleicht eines Tages bei einem anderen Club zu dritt unterkommen.» Gewinnen die Freiämter den Aargauer Cup, steigen die Chancen auf ein Baumann-Trio im Verein. Das Team würde sich für den Schweizer Cup qualifizieren – ein Anreiz für alle drei Brüder.
Brugg aus der 3. Liga mit fast perfekter Saison
Zunächst gilt es aber, Brugg zu bezwingen. Der Drittligist spielt eine fast perfekte Saison: 18 Siege und ein Unentschieden in der Meisterschaft, dazu fünf Siege auf dem Weg in den Cupfinal – unter anderem gegen 2.-Liga-Leader Lenzburg. Mutschellen darf den unterklassigen Gegner nicht unterschätzen. Doch selbst wenn man Brugg als Favoriten bezeichnen würde: Die Freiämter und allen voran Shootingstar Devin Baumann haben zuletzt gezeigt, dass sie wissen, wie man mit Favoriten umgeht.
Generalprobe geglückt
Der FC Mutschellen hatte am letzten Wochenende eine schwierige Auswärtsprüfung zu bestehen. Beim Tabellenzweiten FC Suhr war die Favoritenrolle klar verteilt. Und die Suhrer gingen dann auch in Führung. Nach 36 Minuten erzielte Arbnor Berisha die Führung für das Heimteam. Doch der FC Mutschellen reagiert schnell. Devin Baumann trifft in der 40. Minute zum 1:1. Baumann zeigt sich dabei erneut in Topform.
Dabei bleibt es bis zum Schlusspfiff. Für die Mutscheller ist es eine gelungene Generalprobe für den Cupfinal am Donnerstag gegen den unterklassigen FC Brugg aus der 3. Liga. Für die Suhrer war das 1:1 zu wenig. Und: Sie müssen ihren 2. Rang abgeben. Der FC Muri (3:1-Sieg gegen Wettingen) zieht vorbei. Nun stehen mit Baden II, Muri und Suhr gleich drei Teams an der Spitze, die allesamt 40 Punkte haben. Mutschellen steht mit 27 Punkten auf dem 8. Rang.
--red

