Musikverein und Hächle-Gugger machten gemeinsame Sache im Nachbardorf
Not macht erfinderisch. Weil Hägglingen derzeit über keine Mehrzweckhalle verfügt, haben die beiden Musikformationen – die Concordia und die Gugge – den Weg nach Dottikon ...
Musikverein und Hächle-Gugger machten gemeinsame Sache im Nachbardorf
Not macht erfinderisch. Weil Hägglingen derzeit über keine Mehrzweckhalle verfügt, haben die beiden Musikformationen – die Concordia und die Gugge – den Weg nach Dottikon auf sich genommen und ihr Publikum im Exil begeistert.
Im November veranstaltet der Musikverein Concordia traditionell sein Jahreskonzert, derweil die Hächle-Gugger ihre Walliser Stubete ausrichten. Weil die Mehrzweckhalle momentan saniert wird, mussten die beiden Hägglinger Vereine heuer auf die Aula Risi in Dottikon ausweichen. Und weil die Auswahl der freien Termine beschränkt war, legten sie ihre Anlässe kurzerhand zusammen.
Es war ein mutiger Entscheid der beiden Veranstalter, ihre November-Anlässe zusammenzulegen, haben sie doch nicht unbedingt das gleiche Publikum. Doch der Mutige wird belohnt, wie der grosse Publikumsaufmarsch zeigte. Sabrina Fleischmann, Co-Präsidentin des Musikvereins, und Markus Waldmeier, Speaker der Hächle-Gugger, begrüssten rund 350 Gäste am «etwas anderen Anlass» und Waldmeier meinte dabei lachend: «Ich nehme nicht an, dass heute viele Dottiker anwesend sind.»
Als die Kartoffeln ausgingen
Tatsächlich hat man in der Aula Risi wohl selten so viele Hägglingerinnen und Hägglinger auf einmal gesehen. Fleischmann und Waldmeier freuten sich, dass das Konzept aufgegangen und das treue Publikum beider Vereine ins Nachbardorf gekommen war. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt und bereits um 22Uhr gab es zum Raclette keine Kartoffeln mehr. Die traditionelle Beilage wurde spontan durch eine Scheibe Brot ersetzt; die Gäste nahmen es mit Humor.
Das Ambiente in der Aula war ein ganz anderes, als man vom Jahreskonzert des Musikvereins in der heimischen Mehrzweckhalle gewohnt ist. Statt der abgedunkelten Halle war Licht, statt des Liederprogramms lag nur die Menükarte auf den Tischen, statt gespannter Ruhe war Festbetrieb. Doch die Musikantinnen und Musikanten hatten so etwas Ähnliches geahnt und ihr Programm passend vorbereitet. Anstelle von besinnlichen Klassikern à la «Spiel mir das Lied vom Tod» vom letzten Jahr schmetterten sie Pepe Lienhards «Swiss Lady» in den Saal, gefolgt von Udo Jürgens’ «Vielen Dank für die Blumen» und dem gleichnamigen «Anton aus Tirol». Oder sie machten das Publikum mit diversen Polo-Hofer-Hits «giggerig», derweil Fähndrich Christoph Frei mit Showeinlagen als Kioskverkäufer, als Anton aus Tirol oder als römischer Legionär für Begeisterungsstürme und Standing Ovations sorgte und sogar dem ansonsten hoch konzentrierten Dirigenten Stefan Grüninger ein verschmitztes Grinsen entlockte.
Bestens harmoniert
Die Mitglieder der Hächle-Gugger kümmerten sich um Küche und Service und sorgten mit ihren bewährten Raclettespeisen für zufriedene Gesichter und satte Bäuche. Auch sie hatten am späteren Abend ihren Auftritt und gaben – ebenfalls ganz ungewohnt ohne Kostüm und Schminke – einige rockige Guggenlieder zum Besten, währenddem sich sodann der Musikverein um die Festwirtschaft kümmerte. Die beiden Vereine harmonierten bestens und machten aus der Not kurzerhand eine Tugend und einen stimmigen Abend, der für jeden Geschmack etwas bereithielt. --sp