Bus fährt ohne Passagiere
09.02.2024 WohlenNeue Linie zum Schüwo-Park wird nicht genutzt
Seit Dezember gibt es in Wohlen eine neue Ortsbuslinie, die vom Bahnhof zum Schüwo-Park führt. Was als tolle Neuigkeit verkauft wurde, entpuppt sich bisher als grosser Flop. Doch bei der Gemeinde will man dem ...
Neue Linie zum Schüwo-Park wird nicht genutzt
Seit Dezember gibt es in Wohlen eine neue Ortsbuslinie, die vom Bahnhof zum Schüwo-Park führt. Was als tolle Neuigkeit verkauft wurde, entpuppt sich bisher als grosser Flop. Doch bei der Gemeinde will man dem Projekt mehr Zeit geben.
Chregi Hansen
25-mal pro Tag fährt ein Ortsbus auf der neuen Linie 2 vom Bahnhof zum Eingang von Badi und Eisbahn. Und 25-mal gleich wieder zurück. Er tut dies regelmässig und pünktlich. Aber mit ganz wenigen Ausnahmen immer leer. Laut Aussagen eines Buschauffeurs liegt die Frequenz nahezu bei null. Eigentlich müsste der Bus auf der einzigen Haltestelle der Strecke gar nicht halten und könnte gleich durchfahren. Es will niemand einoder aussteigen.
«Verglichen mit der Erschliessung des Büelisackers ist die Strecke, die jetzt zum Schüwo-Park führt, nur etwas Kleines. Trotzdem ist es für Wohlen als Zentrumsgemeinde wichtig, dass ein guter Anschluss mit dem öffentlichen Verkehr an die regionalen Sportanlagen gewährleistet ist», sagte Gemeindeammann Arsène Perroud im Dezember bei der Einweihung. Er bezeichnete die neue Verbindung als wichtiges Puzzlestück für das ÖV-Angebot der Zentrumsgemeinde. Ein Puzzlestück aber, das bisher keinerlei Beachtung findet. Wann immer einem der Ortsbus begegnet, ist er gähnend leer.
Passagierzahlen werden erfasst
Es sei noch zu früh, ein Fazit zur neuen Linie zu ziehen, heisst es auf Anfrage aus dem Gemeindehaus. Die Fahrgastzahlen werden auf allen Linien automatisch erfasst, in mehr als 50 Prozent der Fahrzeuge sind Sensoren eingebaut, welche die Ein- und Aussteiger pro Haltestelle erfassen. Genaue Zahlen werden allerdings nicht kommuniziert. «Die Entwicklung der Fahrgastzahlen wird laufend beobachtet», heisst es in der Mitteilung dazu bloss.
Handlungsbedarf sehe man keinen. Es brauche eine gewisse Zeit, bis sich die Fahrgäste an ein neues Angebot gewöhnen und es entsprechend nutzen. Es müsse sich noch zeigen, wie gross das Bedürfnis für eine Linie zu den Sportanlagen ist. «In einer ersten Phase müssen Erfahrungen mit der neuen Linie gesammelt werden. Abgestimmt darauf können Massnahmen zur Steigerung der Nachfrage geprüft werden, beispielsweise im Marketing», heisst es dazu. Die neue Buslinie sei als maximal dreijähriger Versuchsbetrieb konzipiert. Spätestens nach Ablauf dieser Frist muss beurteilt werden, ob und in welcher Form die Linie weitergeführt werden soll.
Keine Anschlüsse am Bahnhof an Zugverkehr
Die schlechte Nutzung könnte auch daran liegen, dass der Fahrplan nicht auf den übrigen öffentlichen Verkehr abgestimmt ist. Der Bus fährt ab, bevor die Züge am Bahnhof ankommen. Und er kommt zum Bahnhof zurück, nachdem alle Verbindungen bereits weg sind. Im Weiteren gibt es am Sonntag keine Verbindungen – für eine Buslinie zu Freizeit- und Sportanlagen eher ungewöhnlich.
Der Gemeinderat verteidigt den gewählten Fahrplan. Die Linie 2 werde aus den Standzeiten von anderen Buslinien produziert. Die meisten Linien, die in Wohlen enden, haben am Bahnhof eine Standzeit von zirka 10 Minuten. Diese Standzeit wird für die Fahrt zu den Sportanlagen und zurück genutzt. Dies habe wesentliche Vorteile. Erstens muss kein zusätzliches Fahrzeug eingesetzt werden, sodass die Mehrkosten durch die Fahrt zu den Sportanlagen verhältnismässig tief sind. Zudem entstehen schlanke Anschlüsse von anderen Buslinien zu den Sportanlagen. «Die Nachteile dieses Systems sind, dass am Bahnhof Wohlen keine Bahnanschlüsse hergestellt werden können und es am Sonntag kein Angebot gibt, da auch die restlichen Linien vom Ortsbus Wohlen am Sonntag nicht verkehren», gibt der Gemeinderat zu.
Zumindest seien so die Kosten in einem überschaubaren Rahmen. Die Gemeinde Wohlen beteiligt sich mit rund 25 000 Franken jährlich am Versuchsbetrieb. Das mag wenig sein, für einen Bus, der aber leer durchs Dorf gondelt, immer noch viel.