Marco Huwyler, Redaktor.
Es war bloss eine kleine Unachtsamkeit. Beim Hantieren mit einer Konservendose voller gehackter Tomaten. Deren Saft mischte sich sofort mit meinem Blut, sodass das eine nicht mehr vom anderen zu unterscheiden war. Eine ...
Marco Huwyler, Redaktor.
Es war bloss eine kleine Unachtsamkeit. Beim Hantieren mit einer Konservendose voller gehackter Tomaten. Deren Saft mischte sich sofort mit meinem Blut, sodass das eine nicht mehr vom anderen zu unterscheiden war. Eine gehörige Extra-Portion Proteine für meinen Sugo.
Na ja, dumm gelaufen, dachte ich mir. Ich hatte mich schliesslich schon oft zuvor geschnitten. Das Vorhandensein meines Fingernagels verhinderte auch diesmal Schlimmeres. (Gott sei Dank bin ich kein exzessiver Nägelkauer, dachte ich mir bei dieser Gelegenheit.)
Dennoch bringt ein kleiner Schnitt quer übers ganze Daumenbeerchen grosse Folgen mit sich, wie ich bald festzustellen hatte. Simple Dinge werden unvermittelt schier zur Unmöglichkeit. Das beginnt beim Zähneputzen, geht weiter übers Smartphone-Bedienen und endet beim Abwaschen.
Doch während ich zu Hause noch einigermassen zu rank komme mit meinem neuen, temporären Handycap, wird es richtig prekär bei der Arbeit. Mit dem klobigen Daumenverband ist das Tippen auf den kleinen Computer-Tasten unmöglich. Ohne dagegen dauert es nicht lange, da treten wieder dicke Bluttropfen aus – sodass die Tastatur innert Kürze aussieht wie der Tatort eines schlimmen Gemetzels.
Ähnlich ist das mit den handgeschriebenen Notizen. Etwas Druck auf den Stift führt sofort zu unliebsamen Konsequenzen. Schnell und einigermassen lesbar zu schreiben – aktuell keine Chance. Angesichts dessen versuche ich mich zuweilen gar als Linkshändler. Meine derzeitigen Interview-Partner müssen sich ernsthaft fragen, ob meinem Gekritzel. Doch was ist die Lösung? Eine Krankschreibung wegen einem Schnittchen? Die Kollegen würden mich zu Recht verdammen.
Deshalb schlage ich mich durch, wie es eben geht. Schätzen Sie also diese Kolumne. Auch wenn sie inhaltlich vielleicht nicht meine beste ist – sie war mit Sonderaufwand, Blut und Schmerz verbunden. Und ist so letztlich wieder einmal ein Mahnmal dafür, dass kleine Dinge grosse Folgen haben können.