Belohnter Mut
09.01.2026 Region Unterfreiamt, TraditionenDer Reusspark startete mit dem traditionellen Apéro ins neue Jahr
Vor einem Jahr präsentierte der Reusspark sein neues Motto «heiwärts» mit dem grossen Ziel, sich mit der eigenen Endlichkeit zu beschäftigen und die Themen Sterben und Tod zu ...
Der Reusspark startete mit dem traditionellen Apéro ins neue Jahr
Vor einem Jahr präsentierte der Reusspark sein neues Motto «heiwärts» mit dem grossen Ziel, sich mit der eigenen Endlichkeit zu beschäftigen und die Themen Sterben und Tod zu enttabuisieren. Nach dem ersten von zwei Jahren lässt sich sagen, dass das Motto ein Erfolg ist.
Chregi Hansen
So ganz sicher waren sich die Verantwortlichen vor einem Jahr nicht, wie gut das neue Motto bei den Mitarbeitenden, aber auch bei den externen Gästen ankommt. «Wir haben zwar von Anfang an damit geliebäugelt, das Motto über zwei Jahre beizubehalten. Aber wenn wir gemerkt hätten, dass die Themen zu belastend sind, hätten wir nach einem Jahr einen Schlussstrich gezogen», erklärt Direktor Urs Bosisio am Rande des traditionellen Neujahrsapéros.
Die Sorge erwies sich als unbegründet. Das Motto «heiwärts» ist ein voller Erfolg, wie die jetzt präsentierten Zahlen deutlich machen. Die verschiedenen Anlässe dazu lockten insgesamt 1343 Besucher und Besucherinnen an. «Am Anfang spürten wir eine gewisse Skepsis, besondern auch bei den Mitarbeitenden. Doch die Akzeptanz nahm im Laufe des Jahres immer mehr zu», berichtete Bosisio. Vor allem die Fachvorträge, die für die Belegschaft zum Teil als Weiterbildung angerechnet wurden, zogen ganz viele Personen an. «Das freut uns enorm», so Bosisio. Und die verschiedenen Workshops waren gar allesamt ausgebucht.
Motto regte an, sich eigene Gedanken zu machen
Aber auch ausserhalb des Reussparks erhielt das Motto «heiwärts» eine grosse Resonanz. 110 Medienberichte sind zu den verschiedenen Veranstaltungen erschienen. «Praktisch alle waren positiv», freut sich der Direktor. Dass sich ausgerechnet ein Pflegeheim, in dem das Sterben fast schon zum Alltag gehört, mit dem Thema Tod beschäftigt, das sorgte eben für Aufsehen. Doch der Reusspark näherte sich dem Thema behutsam und auf ganz unterschiedlichen Ebenen an. Rückblickend sehen auch die Mitarbeitenden die Mottowahl als richtig an. In einer Umfrage bezeichneten 97 Prozent der Befragten den Umgang mit dem Thema als wichtig oder gar sehr wichtig.
Geschätzt wurden vom Personal in der Umfrage das breite Spektrum der Veranstaltungen und besonders auch die Breite der eingeladenen Referenten. Und 60 Prozent gaben an, dass sie sich auch persönlich mit den Themen Tod und Endlichkeit beschäftigt haben. «Genau das war unser Ziel. Unserer Meinung nach darf das Sterben kein Tabu sein, sollte sich jeder damit beschäftigen», so der Direktor. Für die Planung der Anlässe des zweiten Motto-Jahres hat man nun auch auf Inputs der Mitarbeitenden zurückgegriffen. So wurde beispielsweise gewünscht, sich intensiver mit dem Thema Sterbebegleitung zu beschäftigen. Und der Frage nachzugehen, was der Reusspark in dieser Beziehung zu leisten imstande ist. Dieses Thema wird aktuell auch im Ausschuss diskutiert, wie der Direktor berichtet.
Von Ausstellung über Podcast bis zu Fachvorträgen
Das neue Halbjahresprogramm bietet wieder einige Veranstaltungen zum Motto «heiwärts». So ist aktuell im Foyer des Hauptgebäudes eine Ausstellung zu sehen, in der Mitarbeitende der Frage nachgehen, welche Spuren sie einst hinterlassen, wenn sie gehen. «Sie mussten dafür anfangs über ihren Schatten springen. Dass sie dazu bereit waren, ist alles andere als selbstverständlich», zollte Bosisio dem Team grosses Lob. Einige Ausschnitte aus der Ausstellung wurden am Neujahrsapéro bereits präsentiert. So meinte eine Mitarbeiterin, sie wolle möglichst keine Spuren hinterlassen – wichtig seien doch diejenigen, die leben. Eine andere sprach vom Urvertrauen, dass jeder haben sollte, der gehen muss. Das Vertrauen, dass es immer irgendwie weitergeht. Zu passenden Bildern lassen sich die Kommentare der Befragten abhören. Die Ausstellung dauert noch bis 15. März.
Am Donnerstag, 26. Februar, wird der Podcast «Das letzte Stündchen» von Elena Ibello live im Reusspark produziert. In diesem Podcast, von dem es bereits 52 Folgen gibt, führt Ibello mit ihren Gästen Gespräche über das Sterben und den Tod. Im Reusspark diskutiert sie mit einer spezialisierten Palliative-Care-Pflegefachperson und einer Angehörigen darüber, wie wir das Lebensende und Abschiede gestalten und durchleben können. Der Anlass wird in Zusammenarbeit mit Palliative Aargau organisiert, der Eintritt ist frei.
Speziell an Männer richtet sich der Anlass vom 31. März. «Denn Männer trauern anders als Frauen», ist Urs Bosisio überzeugt. In seinem Fachvortrag beleuchtet Thomas Feldmann, wie Männer trauern und gibt Impulse für mehr Verständnis, Offenheit und gegenseitige Unterstützung im Umgang mit Trauer. Ein weiterer Fachvortrag findet am 30. April statt. Was macht sinnerfülltes Altern aus? Dieser Frage geht Psychologin und Bestsellerautorin Pasqualina Perrig-Chiello nach. Geboten wird ein inspirierendes Referat mit anschliessendem Podium zur Freiwilligenarbeit in der Palliative Care in Kooperation mit der Luise-Thut-Stiftung. Und etwas zum Schmunzeln gibt es dann am 27. Mai, wenn Philipp Galizia seine bekannte Totengräber-Ballade «Am Seil abelo» präsentiert. Der Murianer erzählt mit warmem Humor Geschichten aus dem Alltag eines Totengräbers und sinniert stille Gedanken über Tod und Vergänglichkeit.
Natürlich bietet der Veranstaltungskalender noch viel mehr. Und nicht jeder Anlass steht unter dem Motto «heiwärts». Die Spannbreite reicht von Kunstausstellungen über ein Wine&Dine bis hin zum Sommerfest auf Schweizer Pfaden.
In Erinnerung an Oma Fritz
Für die Teilnehmer des Apéros gab es neben Feinem aus der Küche zudem einen kulturellen Leckerbissen. Die in der Schweiz lebende Berlinerin Judith Bach alias Claire alleene zeigte Ausschnitte aus ihrem Programm und erzählte Geschichten über ihre heissgeliebte Oma Fritz, die schon vor ihrem Tod auf dem Friedhof zum Probeliegen war und auf deren Grab jetzt Spinat, Bohnen und Peperoni wachsen. «Der Friedhofsgärtner machte erst grosse Augen. Und drückte dann beide Augen zu», berichtete die Kabarettistin mit den schiefen Zähnen und dem ständig rutschenden Rock. Deren Auftritt bestens ankommt im Reusspark.
Grosszüge Spende der Theatermacher
Zuletzt hatte Urs Bosisio, der im Sommer als Direktor zurücktritt, ein Geschenk für die Belegschaft. Das im Sommer vor der Klosterkirche aufgeführte Freilichtspiel «Der Kruggeist von Gnadenthal» war ein voller Erfolg. Das OK hat darum dem Reusspark als Dank für die gute Zusammenarbeit eine Spende von 20 000 Franken überreicht. Die Hälfte davon, so Bosisio, soll jetzt dem Personal zugutekommen. Die Geschäftsleitung hat beschlossen, für alle drei Häuser je einen Massagesessel anzuschaffen. Hier können sich die Angestellten nach einem anstrengenden Tag etwas ausruhen.

