Ausser Spesen nichts gewesen
09.12.2025 WohlenPlanung neu starten
An der «Gmeind» der Ortsbürger vom kommenden Montag wird der Gemeinderat Wohlen über den aktuellen Stand bezüglich der Liegenschaft Bünzstrasse 3 orientieren. Da das Zivilstandsamt doch nicht hierhin zügelt, muss die ...
Planung neu starten
An der «Gmeind» der Ortsbürger vom kommenden Montag wird der Gemeinderat Wohlen über den aktuellen Stand bezüglich der Liegenschaft Bünzstrasse 3 orientieren. Da das Zivilstandsamt doch nicht hierhin zügelt, muss die Planung von Neuem beginnen. --chh
Ortsbürgergemeinde tagt am 15. Dezember
Vor vier Jahren schlug der Gemeinderat vor, das regionale Zivilstandsamt in die Liegenschaft Bünzstrasse 3 neben dem Strohmuseum zu verlegen. Danach wurde viel geplant und viel diskutiert. Doch nun zeigt sich, dass alles umsonst war. Die künftige Nutzung der Liegenschaft ist weiter unklar.
Chregi Hansen
Das regionale Zivilstandsamt in das Anwesen des Strohmuseums verlegen? Diese Idee kam bei den meisten gut an, als der Gemeinderat sie vor vier Jahren erstmals präsentierte. Denn für die Liegenschaft Bünzstrasse 3 war sowieso eine neue Nutzung notwendig. Und eine Vermietung an das Zivilstandsamt würde zusätzliche Einnahmen garantieren.
An der Versammlung der Ortsbürger im Dezember 2021 gab es mehrheitlich positives Feedback für die Idee. Aber nicht nur. Zum einen wurde die Höhe des Projektierungskredits von 80 000 Franken kritisiert. Zum anderen wurde der Gemeinderat aufgefordert, den Blickwinkel zu öffnen und auch weitere Nutzungsmöglichkeiten zu prüfen. Eine solche Zusatzrunde müsse mit den bewilligten 80 000 Franken möglich sein, fand die Mehrheit der Ortsbürger. Und nahm einen entsprechenden Antrag entgegen der Empfehlung des Gemeinderates an.
Machbarkeitsstudie kommt zum Schluss: Haus bietet genug Platz
Ein Jahr später war man keinen Schritt weiter. Die Abklärungen für die künftige Nutzung der Liegenschaft Bünzstrasse 3 waren noch immer nicht gemacht. Dafür beantragte der Gemeinderat eine Erhöhung des bewilligten Kredits um 15 000 auf neu 95 000 Franken. Damit soll nicht nur die Situation der betreffenden Liegenschaft untersucht, sondern eine Gesamtschau für das Areal erstellt werden. Denn auch für die Liegenschaft Bünzstrasse 7 könnte eine Nutzungsänderung Sinn machen. Auch gegen diesen Kredit gab es Widerstand, aber letztlich stimmten die Ortsbürger wiederum zu.
Wieder ein Jahr später, im Dezember 2023, schien alles klar zu sein. Eine Machbarkeitsstudie machte deutlich, dass die Liegenschaft so umgebaut werden kann, dass das regionale Zivilstandsamt hier Platz findet. «Die Bedürfnisse und Nutzungsanforderungen gemäss Raumprogramm können gut im Gebäude umgesetzt werden», hiess es in der entsprechenden Vorlage. Und weiter: Die Umnutzung des Wohngebäudes zum Zivilstandsamt sei mit «relativ geringen Abbruch- und Umbauarbeiten möglich». Gerechnet wurde damals mit Kosten von 1,5 Millionen Franken. Alles schien auf bestem Weg zu sein.
Doch schon bald folgte der grosse Knatsch. Schon an der «Gmeind» im Juni 2024 kam es zu Diskussionen. Dies, weil sich herausstellte, dass nur eines von fünf angefragten Architekturbüros sich für den Umbau beworben hat. Wegen Absenzen in der Verwaltung erfolgte die Ausschreibung zu spät und waren die Fristen zu knapp gesetzt, sodass vier angefragte Büros, darunter auch zwei aus Wohlen, auf eine Offerte verzichteten. Mit nur einer Offerte sei aber keine Auswahl möglich, wurde kritisiert. Trotzdem hielt der Gemeinderat am Vorgehen fest. Und beantragte an der Versammlung im Dezember 2024 einen Kredit in der Höhe von 1,5 Millionen Franken.
Und plötzlich braucht es doch einen Anbau
Der grosse Aufruhr, der nun folgte, war nicht dem Geldbetrag geschuldet. Sondern dem Plan, das Gebäude nicht nur zu sanieren, sondern mit einem Anbau zu erweitern. Die Büros des Zivilstandsamts sollten künftig im Hauptgebäude untergebracht sein. Im pavillonartigen Anbau war das neue Traulokal vorgesehen. Das war ein gravierender Unterschied zu den zuvor präsentierten Plänen. «Es hat sich im Zuge der Planung gezeigt, dass die in der Machbarkeitsstudie erarbeitete Lösung baulich nur schwer umsetzbar gewesen wäre», schrieb der Gemeinderat in der Vorlage.
Diese Variante kam nicht gut an bei den Ortsbürgern. Schon vor der Versammlung hagelte es Kritik. Von einer «Verschandelung und einem massiven Eingriff» war die Rede. Verwiesen wurde auch auf den Kaufvertrag mit Rudolf Isler, in dem festgehalten ist, dass dem Areal Sorge getragen werden muss. Und so kam es, wie es kommen musste. Der Kredit von 1,5 Millionen wurde an der Versammlung vor einem Jahr zurückgewiesen. Vor allem der ehemalige Gemeindeammann Walter Dubler stimmte die Ortsbürgerinnen und Ortsbürger auf den Rückweisungskurs ein. Mit Erfolg: Mit 60 Ja zu 8 Nein wurde das Projekt an den Gemeinderat zurückgewiesen mit dem Auftrag, das Projekt zu überarbeiten und dabei innerhalb des bestehenden Gebäudes das Raumprogramm unterzubringen (also folglich ohne Anbau). Falls dies nicht möglich sei, müsse eine neue Nutzung geprüft werden.
Was hat die ganze Planung gekostet?
Und jetzt, ein weiteres Jahr später, ist klar: Das Zivilstandsamt wird nicht Nachbar des Strohmuseums. Es habe sich gezeigt, dass sich nicht das ganze Raumprogramm hier unterbringen lässt, schreibt der Gemeinderat in der Vorlage zum Budget. Zudem habe der Einwohnerrat einem Erweiterungsbau zum Gemeindehaus zugestimmt, hier werde künftig auch das Zivilstandsamt Platz finden. Also Übungsabbruch. Was die gesamte bisherige Planung gekostet hat, kann die Gemeinde auf Anfrage nicht sagen. Diese Frage wird aber an der «Gmeind» sicher auch gestellt. Klar ist aber, dass hier einiges an Geld ausgegeben wurde. Und man jetzt am gleichen Punkt ist wie vor vier Jahren.
Neue Gesamtschau vorgesehen
Wobei: Letzteres stimmt nicht ganz. Inzwischen ist bekannt, dass der Hauswart im Jahr 2027 in Rente geht und dann auch die von ihm bewohnte Liegenschaft Bünzstrasse 7 und der von ihm genutzte Gemüsegarten frei werden. Darum soll jetzt die künftige Nutzung vom gesamten Areal und dessen Gebäuden geprüft werden. Es wird also fleissig weitergeplant. Bei der Erarbeitung des gesamtheitlichen Nutzungskonzepts sollen Vertreter der Ortsbürgerkommission und des Strohmuseums mitwirken können.
Das vorgelegte Budget sieht einen Einnahmeüberschuss von 234000 Franken vor. Dem Gesamtertrag von 792 000 Franken stehen Ausgaben in der Höhe von 558 000 Franken gegenüber. Zum Auftakt der neuen Amtsperiode ist eine Neubewertung der unbebauten Grundstücke nötig. Zudem sind im Restaurant Sternen verschiedene Arbeiten vorgesehen (etwa die Umrüstung auf LED-Licht), aber auch in der Villa Isler und im Gärtnerhaus.
Es stehen Wahlen an
Neben dem Budget behandeln die Ortsbürger an ihrer Versammlung vom 15. Dezember (19 Uhr, Aula BBZ) auch den Finanzplan, einen Dienstbarkeitsvertrag (für eine Verteilerkabine an der Breitistrasse) sowie den Bericht zum neuen Baumgutachten im Park Villa Isler. Zudem sind für die neue Amtsperiode die Finanzkommission und die Stimmenzähler zu wählen. Für die Fiko kandidieren die Bisherigen Andrea Duschén und Daniel Renggli sowie neu Laura Pascolin. Als Stimmenzähler stellen sich die Bisherige Claudia Breitschmid und neu Michel Stalder zur Verfügung.

