Auf der Jagd nach Inspirationen
18.11.2022 WohlenDennis Andermatt ist Autor von «Märlimatt», ein Buch mit Gruselgeschichten für Kinder
Er verknüpft Orte im Freiamt mit seinen Ideen. Entstanden sind daraus 13 Gruselgeschichten. Diese präsentiert Dennis Andermatt nun in ...
Dennis Andermatt ist Autor von «Märlimatt», ein Buch mit Gruselgeschichten für Kinder
Er verknüpft Orte im Freiamt mit seinen Ideen. Entstanden sind daraus 13 Gruselgeschichten. Diese präsentiert Dennis Andermatt nun in Buchform.
Daniel Marti
Er lässt sich gerne inspirieren – auf Velotouren mit seinen Söhnen oder auf Joggingläufen quer durch die Wälder. Wenn Dennis Andermatt nicht gerade Schule gibt im Bünzmatt-Schulzentrum, dann hat er vieles vor. Er politisiert im Einwohnerrat, er heckt Sprüche aus für die Fasnachtsschnitzelbänke und er hält als Vorstandsmitglied das Schlössli in Schuss. Und – gewiss doch – er geniesst seine Familie und alle drei Jahre das Jugendfest, das er als Mitorganisator jeweils gleich mitprägt. Auf Dennis Andermatt ist Verlass, Inspirationen gehören einfach zu seinem Leben. Und weil die Gelegenheit während der eher ruhigen Coronazeit passend war, hat er nun noch ein Buch geschrieben. «Märlimatt» heisst der wunderbare Wurf mit 13 Gruselgeschichten aus dem Freiamt.
Einer der wichtigen Aussichtspunkte ist für ihn dabei der Treffpunkt Jungenbahl über Anglikon. Dort ist er gerne. «Jungenbahl ist neben dem Alpenzeiger meine Inspirationsquelle», verrät er, «weil ich von dort aus fast alle Orte sehen kann, an denen meine Geschichten entstanden sind.»
Zudem habe man von dort oben «einen geilen Blick auf unser wunderschönes Wohlen und das Freiamt». Das klinge ein wenig patriotisch, aber so sei er halt. Und darum drehen sich alle seine Geschichten ums Freiamt.
Der kreative Power-Mann
Dennis Andermatt, Lehrer und Einwohnerrat, hat im Werk «Märlimatt» 13 Gruselgeschichten niedergeschrieben
Was er anpackt, gelingt auch. Dennis Andermatt ist voller Power und Vielfalt. Dass der initiative Realschullehrer ein Buch schreibt, das ist allerdings überraschend. «Ich überrasche die Menschen gerne», sagt er dazu. In sein Werk sind 13 Gruselgeschichten verpackt – alle verbunden mit seiner Heimat, dem Freiamt.
Daniel Marti
Unten im Keller der Musikschule an der Steingasse, da fühlt er sich wohl. Das Licht gedämpft, urchige und dicke Steinwände, Kiesboden. Das alte Haus hat auch Charme. Passend zum Autor. Und der würde am liebsten gleich über alle seine 13 Gruselgeschichten erzählen. So wie damals beim Anlass «Punkt & Halbi» rund ums Schlössli. Damals gab Dennis Andermatt Einblicke in sein Werk. Die Leute drängten sich im historischen Keller Schulter an Schulter. Draussen standen sie Schlange. Drinnen herrschte knisternde Spannung. Dennis Andermatt und ein Buch – das zieht, das erzeugt Neugier.
Damals, vor knapp zwei Monaten, gab es nur ein paar Ausschnitte vom Werk «Märlimatt». Nun ist es fertiggeschrieben, gedruckt und bald bereit, die Menschen zu erschrecken und zu erfreuen. Am Samstag, 3.Dezember, 15.46 Uhr, ist Vernissage. Eben in besagter Musikschule, neben dem Schlössli. Genau um 15.46 Uhr wird die Präsentation gestartet. 1546 – dann war die Geburtsstunde des Schlössli. Auch über das älteste Steinhaus von Wohlen gibt es viele Geschichten. «De Schlösslignom» beispielsweise in «Märlimatt». Andermatts Lieblingsgeschichte.
Mit dem Velo an die wichtigen Orte
Nun sitzt Dennis Andermatt wieder im geschichtsträchtigen Keller der Musikschule. Er erzählt über sein Buch, sein besonderes Werk. Er lacht viel, seine Augen leuchten, seine Arme zeigen in die Ecke, wo seit der letzten Vorstellung bei «Punkt & Halbi» immer noch ein Skelett sitzt. «Ja, es sind dreizehn Gruselgeschichten. Aber jede Person, jedes Kind, jeder Elternteil kann selber auswählen, welche Geschichte er rauspflücken will.»
Das Buch «Märlimatt» ist eine Art Familienprojekt. Erzählt – und frei erfunden – hat Andermatt die Geschichten seinen zwei Jungs. «Je älter die Buben wurden, desto gruseliger wurden die Geschichten», betont er. Und seine Ehefrau spielt die kritische Beobachterin. Ein perfektes Team, diese Familie Andermatt.
Angefangen hat alles mit Velofahrten mit seinem ersten Sohn im angehängten Wagen. Der kleine Sohnemann plauderte bereits mit neun Monaten, und forderte vom Papi immer neue Geschichten. Bei den Velofahrten richtete sich der künftige Autor oft an den Spielplätzen der Region aus. Machte dort halt. In Villmergen sinnierte er über die Villmergerkriege. Er schaute von den Aussichtspunkten Alpenzeiger und Jungenbahl auf Wohlen. Besuchte auf einer Joggingrunde Keltengräber oberhalb von Anglikon. Machte sich schlau über einen ausgetrockneten See samt versunkener Stadt (bei Bünzen?). Er suchte den Wolfstein in Anglikon. Er besuchte den Erdmannlistein oder das Fischbacher Mösli. Und er las schon immer Bücher über die alten Alemannen.
Etliche kritische Begleiter
Das waren die Grundlagen für unendlich viele Geschichten, die er immer wieder seinen Söhnen erzählte. Irgendwann wollten auch die Kollegen reinhören. Und dann war klar: aufschreiben – erst recht als Corona kam. Da fand Andermatt endlich Zeit.
Zuerst gab es im Wald den Stresstest. Auf dem Heimweg von einem Abstecher in Bremgarten folgte die Erzählstunde bei düsterem Licht. Die Geschichte kam bestens an, «beide Söhne haben danach zwei Nächte lang nicht geschlafen». Auch die Familie forderte: Papi, bitte aufschreiben.
Während Coronazeiten sah der Realschullehrer Möglichkeiten für eine erste Fassung. Ein Kollege von der NZZ gab ihm wertvolle Tipps, Lehrerkollege Claude Hasler urteilte über ein Gedicht. «Alle waren kritisch, nur das bringt mich weiter.» Beim Lockdown-Beginn folgte sein persönlicher Start für das Buch «Märlimatt», und er konzentrierte sich auf 13 Storys.
Auskunft (siehe Kasten unten): Angstschweiss oder Horror? Oder beides.
Tüüfel, Huerehübel, Werwolf, Häx, Bünzigeischt
Dennis Andermatt übernimmt also keine Verantwortung. Denn es gibt sie, die echt gruseligen Gruselgeschichten. «De Tüüfel im Huerehübel» ist eine solche, obendrein nicht ganz jugendfrei. In der Geschichte «De Waltenschwiler Werwolf» wird die «Bäsibürer Häx» um einen Zaubertrank gebeten, der einen jungen Mann in ein unkontrollierbares Monster verwandelt. Und im «Bünzigeischt» gibt es sogar Tote. Auf dem beschwerlichen Schulweg von Anglikon der unbegradigten Bünz entlang gibt es sonderbare Gegebenheiten und einen Schulleiter, der ein richtiger Brocken ist.
«Am Zauberer sini Hornussi», so heisst die erste Geschichte, die er mit Konzept angegangen ist. Die kreierte er erstmals, als sein älterer Sohn dreijährig war. «Deshalb ist die nicht so gruselig.» Und sowieso, Eltern müssen entscheiden, welche Geschichten für ihre Kinder gut und verträglich sind. Ein Angstbarometer, im Buch gleich am Anfang, gibt «Ja», pflichtet Andermatt bei, «es gibt bewusste und unbewusste Querverbindungen zu lebenden Personen. Und ich überrasche die Menschen gerne.» Aber viele seiner Geschichten handeln von alten Zeiten. «So, wie es früher war.» Dabei hält er den Menschen auch gerne den Spiegel vor die Nase. «Letztlich sind es alles Kinder-Grusel-Geschichten. Und tendenziell haben alle ein Happy End.»
Und jede Geschichte ist gezeichnet. Bianca Litscher, wie Andermatt Lehrperson im Schulzentrum Bünzmatt, hat wahre kleine Kunstwerke geschaffen. Die Illustrationen der Luzernerin sind spitze.
Ein Glückskind
Initiativer Reallehrer, seit bald einem Jahr Einwohnerrat, Schlössli-Vorstandsmitglied, Jugendfest-Macher, Familie, nun noch Buchautor. Woher nimmt dieser Mann die Zeit? «Ich gehe davon aus, dass ich nur einmal lebe. Und es gibt Momente, da sagt man, das Leben ist kurz», erklärt er fast schon philosophisch. Darum wolle er Gas geben, geniessen und «Energie auch für andere einsetzen». Dennis Andermatt betont, dass sein Umfeld stimmt. Darum kann er seine Pläne auch umsetzen. «Ich habe eine Super-Familie, einen Super-Arbeitsort. Und ich bewege mich in einem Umfeld, das kreativ ist.» Seine Balance stimme eben. «Alles, was ich tue, ist sehr bereichernd. Ich bin eben ein Glückskind.»
Ein glücklicher und zufriedener Mensch, der nun noch Gruselgeschichten schreibt. Und kaum abwarten kann, bis er «Märlimatt» an der Vernissage präsentieren kann. Mit ein wenig Action, Video, Apéro und Erzählungen. Und das im Keller der Musikschule, «der so schön gruselig ist», sagt er voller Vorfreude.
Vernissage am Samstag, 3. Dezember, 15.46 Uhr, in der Musikschule. – Lesung am Freitag, 9. Dezember, 19.30 Uhr, in der Gemeindebibliothek.
«De blanki Horror»
Der Angstbarometer im Buch «Märlimatt» weist vier Stufen auf:
– Es tschuderet echli.
– Nackehoor stellid sich uf.
– Angschtschweiss ond Gänsehuut.
– Ned jugendfrei, de blanki Horror.
Haftungsausschluss
Der Autor empfiehlt, dass die Erziehungsberechtigten jede Geschichte zuerst lesen. Sie entscheiden dann, welche Geschichte sie ihren Kindern zumuten können. Je tiefer die Skala, desto mehr sind die Erzählenden gefordert. «Der Autor übernimmt keine Verantwortung für schlaflose Nächte der Kinder – oder der Eltern», heisst es beim Beschrieb.



