Thomas Stöckli, Redaktor.
Es herrscht Hochsaison in den Recyclingcentern. Nach Weihnachten landen die Papier- und Kartonberge an Verpackungsmaterial in den Mulden, dazu all das, was durch Neues verdrängt wurde: Unterhaltungselektronik, ...
Thomas Stöckli, Redaktor.
Es herrscht Hochsaison in den Recyclingcentern. Nach Weihnachten landen die Papier- und Kartonberge an Verpackungsmaterial in den Mulden, dazu all das, was durch Neues verdrängt wurde: Unterhaltungselektronik, Deko und Gebrauchsartikel. Am vorzeitigen Ende der Produktlebenszeit zeigt sich verlässlicher als in jeder Verkaufsstatistik, welche Konsumgüter festlich verpackt unterm Christbaum lagen.
Nach dem Jahreswechsel bringt das Altglas einen nächsten Peak. Vom regelmässigen Anstossen über die Weihnachtstage und in der Silvesternacht.
Ist das beschriebene akute Entsorgen durch, geht es im Januar lückenlos mit den chronischen Altlasten weiter. Die freien Tage boten schliesslich Zeit, sich über die eigene Existenz Gedanken zu machen und die eine oder andere Baustelle bereits anzugehen. Von Vorsätzen will heute kaum noch jemand sprechen. Geläufiger sind Begriffe wie Weiterentwicklung, Entschlackung und Suche nach dem höheren Selbst. Alter Wein in neuen Schläuchen.
«Die Dinge, die du hast, sind letztendlich deine Besitzer», spricht Brad Pitt, Filmschaffender und Frauenschwarm, ein Wohlstandsdilemma an. Wer sich dadurch zu materiellem Entschlacken inspiriert fühlt, sei allerdings gewarnt: Der geräumte Platz wird erfahrungsgemäss im JoJo-Effekt durch noch mehr neue Konsumgüter überfüllt.
Wo also ansetzen mit der Optimierung? Darüber machte sich Komponist Frédéric Chopin schon vor bald 200 Jahren Gedanken: «Ich wünschte, ich könnte die Gedanken loswerden, die mein Glück verderben», hat er die mentale Komponente angesprochen. Sie ist wichtig, aber nur eine Seite der Medaille. Schliesslich sind wir auch Teil einer Gemeinschaft. Was zu einem Zitat von Deepak Chopra führt: «Die Massnahmen, die wir zugunsten des Glücks anderer ergreifen, sind ein schnellerer Weg zum dauerhaften Glück», hat es der indische Mediziner und Spiritualist formuliert.
Es ist ein Appell an den Gemeinsinn und die Solidarität. Wobei das auch im Kleinen anfangen darf. Mit einem Verzicht aufs Vorfahrtsrecht im Strassenverkehr, mit einem aufbauenden Wort an jemanden in einer schwierigen Situation – oder mit einem freundlichen Lächeln ans Gegenüber im Recyclingcenter.