Ab 2 Uhr nichts Gutes mehr
04.07.2025 Wohlen, JugendDiebstähle, Tätlichkeiten und ein Gefühl der Unsicherheit: Die letzten Stunden des Jugendfests
Mehrfach wurde die Polizei nach 2 Uhr ans Jugendfest gerufen. «Es war eine Masse an Leuten und es stand kurz vor der Eskalation», sagt Beizli-Chefin ...
Diebstähle, Tätlichkeiten und ein Gefühl der Unsicherheit: Die letzten Stunden des Jugendfests
Mehrfach wurde die Polizei nach 2 Uhr ans Jugendfest gerufen. «Es war eine Masse an Leuten und es stand kurz vor der Eskalation», sagt Beizli-Chefin Anita Amsler. Die gute Nachricht: Es wurde niemand verletzt. Hat das Sicherheitskonzept funktioniert?
Stefan Sprenger, Daniel Marti
Notruf um 2.28 Uhr. Eine Schlägerei mit zirka 10 Personen beim Schulhaus Bünzmatt – gleich beim Jugendfest – wird gemeldet. Kapo und Repol rücken an. Als die Patrouillen da sind, ist niemand mehr da. 2.58 Uhr. Wieder ein Notruf, wieder rücken Patrouillen an, die Polizei «trifft mehrere aufgebrachte junge Männer an. Soweit sich die Situation klären liess, war unter unklaren Umständen ein
Streit ausgebrochen, wobei auch Ohrfeigen ausgeteilt wurden», sagt die Kantonspolizei Aargau auf Anfrage.
«Mehrere Tausend Franken»
Zu etwa gleicher Zeit wird ein Gast in der Kammerbar wütend, weil die Beiz schliesst, er aber nicht nach Hause will – und wirft einen Tisch rum, eine Lappalie mit kurzer Aufregung. 4.23 Uhr. Notruf. Polizei. «Dabei wurde bei einer offenen Bar eine Kasse aufgebrochen. Dabei dürften mehrere Tausend Franken entwendet worden sein», so die Kapo Aargau.
Anita Amsler, die nach 2022 nun erneut OK-Verantwortliche für die Festbeizen am Jugendfest war, erzählt zudem von weiteren «kleinen Vorfällen» wie Getränkediebstahl (Kühlschränke wurden aufgebrochen) und Lausbubenstreichen (auf Sofa der Jugendarbeit uriniert).
«Nicht dramatisieren, aber auch nicht beschönigen»
Besonders ein Vorfall ist ihr eingefahren. Jener um 2.58 Uhr im vorderen Bereich des Schüwo-Parks. Die Repol Wohlen sagt, es habe «eine Rangelei gegeben, woraus eine Tätlichkeit hervorging. Dabei gerieten drei Personen aneinander, wobei eine Ohrfeige und eine Schürfwunde daraus resultierten.» Gemäss mehreren Augenzeugen (die anonym bleiben möchten) bespritzte ein Mann eine junge Frau mit einer Wasserpistole. Die Frau tickt aus. Es gibt ein Handgemenge. Einer Person wird eine Plastik-Schirmstange über den Kopf geschlagen.
Anita Amsler ist vor Ort. Der Streit mit anfangs nur wenigen involvierten Personen nimmt dann eine gefährliche Eigendynamik an. «Ich will es nicht dramatisieren, aber ich will es auch nicht beschönigen», erklärt Amsler. Immer mehr junge Männer stossen zur Szenerie, mischen sich ein. Zwischen 20 und 30 Personen, wird geschätzt. Die Stimmung aggressiv und unübersichtlich. Wer alles involviert ist und was genau passiert ist, unklar. Sicher ist: Beim Beachfeld im Schüwo-Park ereignen sich unschöne Szenen. «Es war eine Masse. Es hatte etwas Unheimliches und Beängstigendes. Die Situation war kurz vor der Eskalation», schildert Amsler die Szenen – und dies deckt sich mit den Aussagen der weiteren Augenzeugen. Amsler wurde von den Sicherheitsleuten in Sicherheit gebracht.
Ablauf abgeändert
Amsler erzählt, dass sich die Szenerie schliesslicht «deeskaliert», als die Polizei anrückt. Der Grossteil der beteiligten Männer flüchtet in alle Badi-Richtungen. Amsler fällt als Beizli-Chefin den Entscheid, das Haupttor zu schliessen. «Draussen wurde randaliert und ich wollte so verhindern, dass diese Personen wieder ins Areal gelangen können.» Der Plan der letzten Stunde für die noch geöffneten Beizen sah wie folgt aus: 3.15 Uhr: letzte Runde. 3.30 Uhr: Musik aus. 4 Uhr: fertig. «Aufgrund der Eskalation im vorderen Teil des Schüwo-Parks habe ich beschlossen, dass dieser Ablauf etwas gemächlicher vonstattengeht, die Musik auch 10 Minuten länger laufen kann», so Amsler. Sie wollte so ein Zusammentreffen der eher älteren Festbesucher im hinteren Teil des Geländes mit der Situation im Eingangsbereich beim Haupttor vermeiden.
Sicherheitskonzept «hat funktioniert»
Und es wurde den verbleibenden – meist alkoholisierten – Besuchern kommuniziert, die Badi durch den Hinterausgang zu verlassen, wo nach wie vor (auch nach 4 Uhr) die Polizei vor Ort war und für Sicherheit sorgte. «So wurde alles etwas gesteuert. Und ich glaube, das war im Nachhinein richtig und wichtig», so Amsler.
Das Sicherheitskonzept scheint funktioniert zu haben. Angesichts der Masse (zwischen 20 und 30 Personen) waren die vier Security-Angestellten allerdings ziemlich machtlos. Das Jugendfest-OK wechselte nach 2022 die Sicherheitsfirma, weil damals nicht alles reibungslos funktioniert hatte. Gemäss Amsler hat die nun zuständige Firma Security & Safety AG einen «einwandfreien Job gemacht». In den beiden Nächten sei das Areal von 4 bis 7 Uhr bewacht worden. Auch tagsüber waren zwei Sicherheitskräfte vor Ort. Dabei sei alles gut gelaufen, «alles friedlich», wie Amsler sagt. Ab 20.30 Uhr waren dann vier Security-Angestellte da. «Das Sicherheitskonzept hat bestens funktioniert.»
Macht das nächste Jugendfest um 2 Uhr Schluss?
Marcel Hirschi, Geschäftsführer der Firma Security & Safety, sagt: «Wir haben das Jugendfest als sehr friedlich und familiär erlebt. Die Stimmung war sehr gut.» Zum Vorfall um 2.58 Uhr spricht er von «Tätlichkeiten und Streitigkeiten» und einer «unübersichtlichen Situation». Weiter sagt er: «Wir haben die Polizei aufgeboten, wie es abgesprochen ist, und haben uns als Erstes einen Überblick verschafft, die Eigensicherung der Sicherheitsmitarbeitenden steht an oberster Stelle. Wenn Streit entsteht, gilt es mit Bedacht zu deeskalieren und nicht noch mehr auszulösen.»
Amsler sagt, es habe «alles gut geklappt, es war ein friedliches und tolles Jugendfest. Aber die letzten zwei Stunden hätten nicht sein müssen.» Und sie hat auch schon einen Verbesserungsvorschlag für das nächste Jugendfest: «Das Fest endet um 2 Uhr. Denn danach passieren keine guten Sachen mehr. Das ist meine persönliche Bilanz dieses Wochenendes.»
«Situation analysieren»
Sicherheitskonzept hat funktioniert
Nach den Vorfällen in der Nacht von Samstag auf Sonntag stellt sich die Frage nach dem Sicherheitskonzept rund ums Jugendfest. Wie hat dieses überhaupt ausgesehen?
«Der Chef der Regionalpolizei Wohlen ist als Mitglied des Organisationskomitees für das Sicherheitskonzept zuständig. Die Regionalpolizei war bis 1 Uhr mit drei Patrouillen vor Ort. Diese hatten den Auftrag, dass Jugendfest zu begleiten. Ab 1 Uhr war noch eine Patrouille vor Ort und zwei Patrouillen in der Region im Einsatz. Ebenfalls war ein Sicherheitsdienst dauerhaft auf dem Gelände», umschreibt die Kommunikationsstelle im Namen der Regionalpolizei Wohlen die Situation.
Und in Anbetracht der polizeilichen Geschehnisse habe das Konzept funktioniert. Gesamthaft betrachtet verlief das Jugendfest sehr friedlich, heisst es weiter. «Die dauerhafte Präsenz von Sicherheitsdienst und Regionalpolizei wirkte sich positiv aus.»
Anpassungen wenn nötig
Und was muss nach den aktuellen Vorfällen allenfalls beim Sicherheitskonzept angepasst werden? Die letzten zwei Jugendfeste verliefen ohne Zwischenfälle, blicken die Verantwortlichen zurück. «Es können jedoch jederzeit Störungsfaktoren auftreten. Diesen gilt es energisch und mit aller Konsequenz entgegenzutreten.» Das OK Jugendfest wird sich bei der Abschlusssitzung entsprechend austauschen. «Es gilt, die Situation zu analysieren und wenn nötig, Anpassungen vorzunehmen», so die Kommunikationsstelle. --dm

