Genie-Kaserne ist 50 Jahre alt
28.08.2018 BremgartenAm «Tag der offenen Kasernentore» am 15. September wird mit der Bevölkerung gefeiert
1964 ist ennet dem Reussbogen das an ein römisches Legionärslager erinnernde Truppenlager «Camp» in Betrieb genommen worden. 1966 folgte die ...
Am «Tag der offenen Kasernentore» am 15. September wird mit der Bevölkerung gefeiert
1964 ist ennet dem Reussbogen das an ein römisches Legionärslager erinnernde Truppenlager «Camp» in Betrieb genommen worden. 1966 folgte die Eröffnung der Schiessanlage Stockweiher, 1968 die Einweihung der Kasernenanlage. Das ist zu feiern.
Hans Rechsteiner
Man darf diesen Waffenplatz im und am grossen Bogen der Reuss, der als militärischer Ausbildungsstandort heute auch eine wichtige geografische und strategische Bedeutung hat, nicht ohne seine Geschichte lassen. Und ohne militärhistorische Komponenten. Die damalige Wahl von Bremgarten als Hilfswaffenplatz der Genietruppen erfuhr immer wieder Bestätigung und ist heute der wichtigste Knotenpunkt des Lehrverbandes Genie, Rettung und ABC in der Deutschschweiz und Standort des Katastrophenhilfe-Einsatzbataillons, das unter anderem das Funktionieren der «Rettungskette Schweiz» sicherstellt.
Reuss als Übungsanlage
Gerechterweise fällt dem Waffenplatz Brugg die Bezeichnung «Wiege der Genietruppe» zu. Bautruppen, die mehr oder weniger standardisiertes Material einsetzen konnten, gab und gibt es in allen Armeen, heute sind sie hoch technisiert ausgerüstet. Schon in der aargauischen Milizverordnung 1817 sind unter den Truppengattungen des damaligen schweizerischen Heeres erstmals die Pontoniere erwähnt. Zu Übungszwecken fanden jeweils in Aarau Pontonier-Wiederholungskurse statt, bis der Regierungsrat sie 1847 nach Brugg verlegte. Pontoniere und Sappeure hatten das schwere Material und die Boote notfalls von Hand ans Wasser zu bringen, wenn der Train und seine Pferde fehlten. Die Ausbildung wurde nicht nur in Brugg betrieben, einzelne Brückeneinbaustellen an Aare und Reuss waren sehr beliebt.
Die Umgebung von Bremgarten, der mäandrierende Reusslauf im Besonderen, stand bei den Kommandostellen der Genie schon seit je hoch im Kurs. Das Terrain und das rückwärtige Gelände boten schon in der Urzeit des pferdegezogenen Genietrosses ideale Übungsanlagen.
Weite Wege
1951 kam der Waffenplatz Brugg an seine Kapazitätsgrenzen, vorab bezüglich der Unterkünfte. Notgedrungen musste eine «Filiale» gefunden werden: Aigle, Yverdon, Andermatt, Airolo, Biasca? Nein, Bremgarten! Das ideale Gelände in den Reussschlaufen mit den geeigneten Brückeneinbaustellen von Fischbach-Göslikon bis hinauf zum Geisshof, heute auch an den Brücken Rottenschwil und Werd. Das von Bundesrat Karl Kobelt 1952 unterzeichnete Vertragswerk umschloss die Miete von Unterkunft für zwei Kompanien, also den «Neubau» (Kornhaus in der Unterstadt), den Saalbau «Reussbrücke» mit Saal, Küche, Lebensmittelund Materialmagazinen, den Casino-Umschwung als Park- und Übungsplatz. Der Vertrag schloss auch 40 000 Quadratmeter Pachtland auf der Allmend und in der Au ein – Übungsgelände.
Damals war das Militär noch mitten in der Stadt. Die «Höheren» logierten in Privatunterkünften. Es herrschte ein gutes Einvernehmen zwischen Militär und Bevölkerung. Doch für einen geordneten Dienstbetrieb waren die Wege zu lang. Dreimal am Tag marschierten die Rekruten fürs Essen über die Holzbrücke.
Eine Hühnerfarm gezügelt
Als am 1. April 1957 Bremgarten zum selbstständigen Waffenplatz wurde, waren in der Au im Reussbogen schon mehrere Gebäude entstanden, die der Ausbildung dienten. 1955 wurde ein erster Flussübergang von der Au zur Fohlenweide gebaut.
Einen besonderen Einsatz erlebte das «Gackervolk» einer Hühnerfarm, das dort unten die regelmässigen Überschwemmungen der Reuss immer auf dem Stängeli hatte erdulden müssen. Es wurde von einer Rekrutenschule kurzerhand auf den Hirzel gezügelt. Das Übungsgelände wurde um einen Meter aufgestockt.
Die ersten Magazine auf dem Pontonier-Ausbildungsplatz bei Eggenwil wurden 1958 aufgebaut, und im «Chesselboden» entstanden die ersten Brückenelemente und Sprengobjekte.
Eine moderne Kaserne bauen
Bereits 1957 diskutierte man über eine «Umfahrung Nord» via Fohlenweide ins Bibenlos. Hier interessiert aber die Kaserne. Der Startschuss erfolgte am 7. April 1959 mit dem Landerwerbsverfahren. Das «Camp» wurde 1964 in Betrieb genommen, die Schiessanlage Stockweiher 1966.
Für den Kasernenbau wurde ein ungewöhnlicher Weg beschritten: Man wollte eine moderne Kaserne und schrieb einen Wettbewerb aus, an dem sich 135 Büros aus der ganzen Schweiz beteiligten. Tatsächlich obsiegte eine damals spektakuläre Bauweise mit vorfabrizierten Betonelementen, welche die leitenden Architekten R. und E. Guyer und M. Pauli, Zürich, in enger Zusammenarbeit mit der Element AG Veltheim entwickelt hatten, eine damals in Fachkreisen viel beachtete Neuigkeit.
Gleich drei Bundesräte kamen
Im Zentrum stehen die vier Kompaniehäuser und vier den betrieblichen Anforderungen entsprechende Baukörper: Verpflegungstrakt, Theorietrakt, Kommando- und Offizierstrakt mit Krankenabteilung, Wachgebäude und Motorwagenhalle mit Werkstatt und Tankanlage. Investiert wurden 30 Millionen Franken, davon sieben Millionen für Landerwerbe, Erschliessungen und Schiessanlage; die Kasernenbauten kosteten gut 16 Millionen Franken.
Die Einweihung der neuen Kaserne erfolgte am 7. September 1968 in Beisein von drei Bundesräten: Rudolf Gnägi, Nello Celio und der ehemalige Hans Streuli. Stadtammann war damals Adolf Stierli.
Das 50-Jahr-Jubiläum wird am 15. September mit einem Tag der offenen Kasernentore gefeiert. Um 10 Uhr erfolgt die Begrüssung mit offizieller Festansprache. Die Kasernentore stehen bis 14.30 Uhr offen.
Sportzentrum beim Kafi Fohlenweid
Der Standort der neuen Mehrfachturnhalle auf dem Waffenplatz ist entschieden, und zwar im Sinne der vom Kommando favorisierten freien Wiese zwischen dem «Kafi Fohlenweid» und der Kampfbahn an der Umfahrungsstrasse.
Risse in der Halle
Die bisherige Sport- und Mehrzweckhalle am südwestlichen Rand des Waffenplatzperimeters, die auch den Bremgarter Sportvereinen zur Verfügung steht, ist zum Sorgenkind verkommen. Durch die Anlieferung des Aufschüttungsmaterials für die Kreisel auf der Umfahrung mit schwerem Gerät knapp an der Hallenwand vorbei hat sie Risse bekommen. Verschiebungen des Fundaments haben eingesetzt. Stabsadjutant Andreas Romor erklärt: «Wir bewegen uns dort in der Grundwasserzone. Der Hang wurde nie für solche Belastungen vorbereitet und ist nach wie vor in Bewegung.» Dennoch ist die Turnhalle sicher. Ein Fachingenieur prüft jeden Monat ihren Zustand und gibt sie jeweils für den Betrieb frei.
Die Ablösung ist jetzt beschlossen. Die Verantwortlichen und Armasuisse haben alle infrage kommenden Standorte für eine neue Mehrfachhalle auf dem Gelände geprüft und sind auf das freie Feld nahe «Kafi Fohlenweid» gekommen. Wiederum Romor: «Dort ist sie ideal platziert. Wir können den zivilen und den militärischen Verkehr entflechten. Das Sportzentrum im Zentrum des Kasernenareals gibt uns kurze Wege. Auch der Zugang für die zivilen Benutzer wird einfacher. Folgerichtig will man das Kafi aus dem Dornröschenschlaf erwecken und wieder zum Znüni-Treffpunkt von Militär und Gewerbe machen wie früher. Wer jemanden suchte, der fand ihn sicher zwischen 9 und 10 Uhr genau dort.» --hr



