Wertvolle ökologische Insel
07.09.2018 Wohlen«Rebberg beim Rebebänkli»: Das Projekt des Gemeinnützigen Ortsvereins nimmt Formen an
Er gedeiht, der Weinbau am Rebberg. Vor eineinhalb Jahren wurden die Rebstöcke gesetzt, in zwei Jahren soll der erste Wein fliessen. Nun wurde ...
«Rebberg beim Rebebänkli»: Das Projekt des Gemeinnützigen Ortsvereins nimmt Formen an
Er gedeiht, der Weinbau am Rebberg. Vor eineinhalb Jahren wurden die Rebstöcke gesetzt, in zwei Jahren soll der erste Wein fliessen. Nun wurde feierlich eine stilvolle Infotafel enthüllt.
Daniel Marti
«Aus einer Vision ist ein Projekt geworden. Und nach diversen Beratungen ist nun eine wunderbare Sache entstanden.» Diese Worte von Pitsch Isler, Präsident des Gemeinnützigen Ortsvereins, sind treffend. Dank den Bemühungen des Gemeinnützigen Ortsvereins kommt Wohlen wieder zu einem eigenen Rebberg. Und das ganz oben am Rebberg, inklusive «Rebebänkli» und Aussichtspunkt.
Dort wurde im Mai des vergangenen Jahres die Erstbepflanzung vorgenommen. Gemäss den beiden Winzern Hannes Bigler und Stefan Weber, beide aus Wohlen, darf man in zwei Jahren mit dem ersten Rebberg-Wein rechnen. Ein Weisser wird es sein, Souvignier Gris heisst die Rebsorte.
Stück Kulturgut kehrt nach Wohlen zurück
Gegen 200 Liter Weisswein werden zur Premiere erwartet. 120 Rebstöcke sorgen für diesen Ertrag. Diese 120 Rebstöcke konnten vor allem dank Patenschaften gepflanzt werden. Die Informationstafel dazu wurde jetzt enthüllt. Den drei neuen GOV-Vorstandsmitgliedern Daniela Colacino-Meyer, Corinne Moser-Kuhn und Andy Wyder kam diese Ehre zu. Ein Ereignis, das gebührend gefeiert wurde. Schliesslich verkörpert der neue Rebberg eine grössere Symbolik.
Die Landfläche, die dem GOV gehört und durch die neue Erschliessung von 170 auf 269 Quadratmeter angewachsen ist, benötigte eine neue Bestimmung. Die Idee des kleinen Rebbergs als ökologisches Ausgleichsprojekt setzte sich sofort durch. «Mit diesem Projekt bringt der GOV ein Stück Wohler Geschichte und Kulturgut an den ursprünglichen Ort zurück», betonte Präsident Isler. Und es sei «eine ökologische Insel, die als wertvoll eingestuft wird», geschaffen worden. Denn der neue kleine Rebberg ist ein eigenes Ökosystem. Die Trockenmauern bieten Lebensräume für verschiedene Arten. Die Trockenmauern wurden aus sehr altem Gestein realisiert, es stammt von der alten Bünzbrücke an der Zentralstrasse. Und mitten im Baugebiet wurde zudem mit dem neuen «Rebebänkli» ein Aussichtpunkt bewahrt. Dass das gesamte Projekt bei der Bevölkerung sehr gut angekommen ist, freut den Vereinsvorstand. Er hätte die 120 Patenschaften drei- oder gar viermal verkaufen können, so Pitsch Isler.
In Spitzenzeiten über 80 Weinbauern
Der Präsident schaute zusammen mit Lokalhistoriker Heini Stäger ausführlich auf die Vergangenheit des Weinbaus in Wohlen zurück. Dieser war vom 17. bis 19. Jahrhundert ein wichtiger Bestandteil des täglichen Lebens der Wohler Bevölkerung. 1625 wird der Rebbau in Wohlen erstmals erwähnt. 1650 gab es 26 Weinbauern in den Gebieten hinterer, mittlerer, vorderer Rebberg sowie im Gebiet Rummel. Damals war der Weinbau ein hartes, aber in guten Jahren ein einträgliches Geschäft.
In Spitzenzeiten gab es in Wohlen über 80 Rebbauern (das war im Jahr 1788). Pitsch Isler erzählte auch, dass im Jahr 1782 als «Weinzehnten» dem Kloster Muri 15 000 Liter Wein abgeliefert werden mussten. Der Jahresertrag lag also bei rund 150 000 Litern. Das vorläufige Ende der Wohler Weinbau-Geschichte setzte im 1910 die Reblaus.
Die Weinbauern seien damals keine reichen Leute gewesen, sie waren Klein-Gewerbler und Taglöhner, erklärte Heini Stäger. Und der heutige Rebberg sei damals gar nicht so ideal gewesen für den Weinbau. Trotzdem, so die Überlieferung, sei in Wohlen recht guter Wein entstanden. «Gut genug, um den Wein ans Kloster Muri als Zehnten abzuliefern», so Stäger. Die damaligen Mönche legten anscheinend Wert auf einen feinen Tropfen. Der neue Rebberg-Wein wird in zwei Jahren sicher nicht ins Kloster wandern. «Für jede Patin und für jeden Paten sollte es dann eine Flasche geben», versprach Weinbauer Stefan Weber.
Zurück zur Informationstafel am Rebberg und neben dem «Rebebänkli»: Diese wird geschmückt von einer Wohler Ansicht aus dem Jahr 1864 – mittendrin der Rebberg, an dem der Weinbau nun wieder zum Leben erweckt wird.



