Der Fluss als Abfallkübel
11.09.2018 WohlenJungwacht und Blauring organisierten eine Bünzputzete
Am offiziellen Jubla-Tag vom Samstag machten die beiden Jugendorganisationen an rund 300 Orten auf sich aufmerksam. In Wohlen gewannen Blauring und Jungwacht besonders viel Sympathien. Zuvor mussten sie im ...
Jungwacht und Blauring organisierten eine Bünzputzete
Am offiziellen Jubla-Tag vom Samstag machten die beiden Jugendorganisationen an rund 300 Orten auf sich aufmerksam. In Wohlen gewannen Blauring und Jungwacht besonders viel Sympathien. Zuvor mussten sie im wahrsten Sinne des Wortes durch Dreck waten.
Chregi Hansen
Eine Unterhose machte den Anfang. Kaum hatte die Wohler Bünzputzete begonnen, machte ein Jungwächtler den ersten «gruusigen» Fund. Im Wasser unter einer der Brücken beim Schulhaus Junkholz lag das verloren gegangene Kleidungsstück. Mutig packte der junge Knabe zu und beförderte die durchnässte Unterhose in den Abfallsack – zum Glück hatte er zuvor Handschuhe erhalten.
Fast 50 Kinder und Jugendliche beteiligten sich an der Aktion von Blauring und Jungwacht. Das sind viel mehr, als die Leiter erwartet hatten. «Meist laden wir am nationalen Jubla-Tag zum Spielen ein, diesmal wollten wir etwas anderes machen», erklärte Leiterin Cornelia Meier. Die Idee für eine Bünzputzete hätte man schon länger gehabt, bisher habe es leider nie geklappt. «Dass jetzt so viele mitmachen, freut uns sehr. Mit der Aktion können wir einen Beitrag für die Gesellschaft leisten», so Meier.
Einmal quer durch Wohlen
Eingeteilt in drei Gruppen und ausgerüstet mit Stiefeln, Regenhosen und Werkzeugen, befreiten die Mitglieder der beiden Jugendorganisationen die Bünz und das angrenzende Ufer vom Müll. Eingeladen dazu hatte Kapitän Schmutzbart, der mit seinem Boot wegen dem vielen Schmutz die Bünz nicht befahren konnte. Die Kleinsten kamen auf der Strecke zwischen Waltenschwil und Wohlen zum Einsatz, die Mittleren kümmerten sich um den Bereich zwischen Junkholz und Zentralstrasse, die Grösseren suchten den nördlichsten Abschnitt ab – da also, wo das Wasser auch mal tiefer sein kann und es schon mal in die hohen Stiefel schwappt.
Ganz viel Lob erhalten
Die durchs Wasser watenden Kinder und Jugendlichen, sie stiessen auf grosse Beachtung. Von Brücken herab, vom Balkon oder aus dem Fenster heraus wurde die Aktion beobachtet. Und von allen gelobt. «Das ist eine ganz tolle Aktion», meint eine Frau, die von oben her zuschaut. «Und ich habe grossen Respekt vor den jungen Menschen, dass sie das freiwillig tun.» Ein Mann, der auf dem Weg entlang der Bünz unterwegs ist, staunt über den grossen Eifer der Beteiligten. «Es ist schon verrückt zu sehen, was sie alles aus der Bünzfischen. Vielleicht hilft die Aktion auch, über das eigene Verhalten nachzudenken und weniger Dinge einfach wegzuwerfen», sagt er.
Lob gab es aber auch auf den Social-Media-Kanälen. «Herzlichen Dank für diesen tollen Einsatz», schreibt etwa Markus Strebel. Eine «tolle Aktion» findet es Sonja Räber. Und auch Olivier Locher spricht auf Facebook öffentlich seinen Dank aus. «Schade. Einen Tag später findet man bereits wieder Plastiksäcke, Wein, Bier und PET-Flaschen, ist schon wieder alles vermüllt. Es gibt Leute, die es nie lernen», bedauert er.
Werkhof kennt das Problem
Während die Teilnehmer den Dreck einsammelten und ihn schon mal grob trennten, sorgte Kevin Koller vom Werkhof für den Transport in die Entsorgungsstelle. Er weiss aus Erfahrung, wie viel Abfall in und an der Bünz zu finden ist. «Wir sind hier regelmässig unterwegs und machen sauber. Es ist aber manchmal schon frustrierend, wie schnell dann wieder neuer Müll herumliegt», erklärt er. Den Mitgliedern von Blauring und Jungwacht gibt er manchen Tipp mit auf den Weg, wo sich der meiste Abfall versteckt. Und wo sie besonders achtgeben müssen. «Auch wenn die Bünz jetzt wenig Wasser führt, gibt es dennoch ein paar tiefe Stellen», weiss er aus Erfahrung.
Am Schluss allen Grund zum Feiern
Die Bünzputzete war ein voller Erfolg, und trotz der eher «gruusigen» Arbeit war die Stimmung bestens. Die Abfallsäcke füllten sich schnell, und neben der erwähnten Unterhose wurden etwa auch ein Trottinett, ein Grillrost oder ein Kochtopf aus dem Flussbett gehoben. Dazu kiloweise leere Dosen und PET-Flaschen. Nach der Arbeit stand dann aber das Vergnügen auf dem Programm, mit einem gemeinsamen Essen wurde der Jubla-Tag abgeschlossen. Die Bünz wiederum präsentierte sich für kurze Zeit wieder sauber – vermutlich wird aber schon bald wieder ein Einsatz des Werkhof-Teams notwendig sein. Traurig eigentlich.




