«Der beste Einstieg in die Politik»
17.08.2021 WohlenMitte Wohlen feierte Wahlkampfauftakt zusammen mit Gerhard Pfister, Parteipräsident Schweiz
Vor dem Schlössli lancierte Die Mitte Wohlen ihren Wahlkampf. Mit der Präsenz von Gerhard Pfister machte der nationale Parteipräsident den Kandidaten ...
Mitte Wohlen feierte Wahlkampfauftakt zusammen mit Gerhard Pfister, Parteipräsident Schweiz
Vor dem Schlössli lancierte Die Mitte Wohlen ihren Wahlkampf. Mit der Präsenz von Gerhard Pfister machte der nationale Parteipräsident den Kandidaten Mut.
Daniel Marti
Die Mitte steht im Aargau und im Bezirk Bremgarten aktuell recht gut da, sie feierte Erfolge vor allem im vergangenen Oktober bei den Grossratswahlen. Diesen Schwung will auch Die Mitte Wohlen nützen – bei den anstehenden Einwohnerrats- und Gemeinderatswahlen. Zumindest einen ersten Platz belegt Die Mitte Wohlen: Sie lancierte von allen Parteien zu erst den Wahlkampf. Und das ausgerechnet an einem der heissesten Tage des Sommers. Deshalb hielt sich der Aufmarsch auch in Grenzen.
Zu hören gab es jedoch viel Interessantes. Und mit Gerhard Pfister fand der Parteipräsident Schweiz den Weg in die Freiämter Metropole. Er wie auch Kantonalpräsidentin Marianne Binder sprachen vom Zusammenhalt der Schweiz und dass es nicht geht, zwischen Land und Stadt einen Graben zu konstruieren.
Gerhard Pfister lobte weiter die Schweiz «als schönstes und freiestes Land der Welt». Dazu leistet laut Pfister die Mitte ihren wertvollen Anteil. Sie sorge für Ausgleich und garantiere so den Zusammenhalt. Auch darum sind die Kandidierenden wichtig – wie jene von Die Mitte Wohlen. «Ein guter Wahlkampf ist der beste Einstieg in die Politik.» man müsse sich halt damit abfinden, dass sein eigenes Gesicht präsent sei und dass mal ein «Plakat verschlimmbessert» werde, so Pfister zu den Kandidatinnen und Kandidaten. Aber ein Wahlkampf bietet laut Pfister mehrheitlich Positives. «Denn jede Person hat Potenzial.»
Den Zusammenhalt stärken
Die Mitte Wohlen: Wahlauftakt mit Gerhard Pfister, Präsident Die Mitte Schweiz
Mehr Unterstützung geht fast nicht. Gerhard Pfister und Marianne Binder, der nationale Chef und die kantonale Präsidentin, kamen extra nach Wohlen. Sie feierten Wahlauftakt zusammen mit den Wohler Parteifreunden. Ein schöner und einzigartiger Schub für die Kandidierenden von Die Mitte.
Daniel Marti
Da dürfen sich die Kandidierenden von Die Mitte Wohlen geehrt fühlen. Extra wegen ihnen kam es auf dem Sternenplatz zu einem prominenten Grossaufmarsch. Gerhard Pfister und Marianne Binder, beide Nationalratsmitglieder, waren mehr als nur auf Stippvisite bei der Ortspartei. Sie leisteten kräftig Unterstützung zum Wahlauftakt in der grössten Freiämter Gemeinde. Die Mitte will auch gross bleiben. Elf Personen kandidieren für den Einwohnerrat (es sollen noch mehr werden) und das Duo Ariane Gregor und Paul Huwiler will seine Mandate im Gemeinderat verteidigen. Der Wahlkampf hat definitiv begonnen. Die Mitte scheint gerüstet zu sein.
«Hier strengen sich die Menschen an»
«Wahlkampf ist eine lässige Zeit.» Das sagte der oberste Mitte-Politiker der Schweiz Gerhard Pfister, Parteipräsident und Zuger Nationalrat. Er gab sich bemüht, die Kandidierenden beim offiziellen und feierlichen Wahlkampfauftakt persönlich zu unterstützen. «Hier strengen sich die Menschen an, hier zeigen sie sich», so lautete Pfisters Kompliment an die eigenen Leute in Wohlen und im Aargau. Stolz verkündete der Zuger, dass «der Kanton Aargau erfolgreich ist». Die Parteispitze und die Basis leisten dazu ihren Anteil.
Gemäss Gerhard Pfister hat Die Mitte im Jahr 2019 bei den Nationalratswahlen die Wählerschaft am besten mobilisiert. «Viele Leute unterstützen unsere Arbeit und unsere Ideen.» Das habe sicher auch mit der Wahrnehmung der Partei zu tun, die sich mit Namenswechsel von CVP zu Mitte noch verstärkt hat. Pfister hat jedenfalls eine äusserst positive Auswirkung des neuen Namens registrieren dürfen. Der Namenswechsel hat sich laut dem nationalen Präsidenten gelohnt. «Sogar im Unterwallis haben die meisten Parteien ihren Namen geändert.» Und das hat etwas zu bedeuten. Mit dem neuen Namen konnten die Mitgliederzahlen gesteigert werden, auch die Mitte-Jungparteien erlebten einen Aufschwung. Gerhard Pfister ist überzeugt davon, dass der Aufschwung bis zu den nächsten Nationalratswahlen im Jahr 2023 anhalten wird. «Es braucht aber noch viel Arbeit.»
Politische Mitte garantiert Zusammenhalt
Und diese wertvolle Arbeit wird wohl nicht überall geleistet. Er meinte damit vor allem die FDP. Irgendwie konnte er sich einen Seitenhieb an die Adresse der FDP nicht verkneifen. Die FDP Schweiz werde offenbar bald von einem Aargauer präsidiert, mutmasste er. Und er, Pfister, gebe den Freisinnigen gerne ein paar Tipps, wie denn die FDP besser werden könne…
Auch die SVP bekam die Kritik des Nationalrates aus dem Kanton Zug zu spüren. Es sei schön, dass die örtliche Parteispitze der Volkspartei anwesend sei, bemerkte er. Tatsächlich, SVP-Präsident Roland Büchi und Einwohnerrat Marc Läuffer lauschten der Rede von Pfister. Die SVP dürfe sich mit ihren Mitgliedern sehr wohl wieder vermehrt auf der Strasse zeigen, betonte der Zuger. Genau so wie es eben seine vorbildlichen Parteimitglieder tun.
Die grosse Kritik richtete sich jedoch an die nationale SVP-Spitze, die erst kürzlich die Stadt- und Landgegenden der Schweiz gegeneinander ausspielen wollte. «Es gibt sehr wohl Gegensätze in unserem Land», so Pfister, «zwischen Stadt und Land, zwischen Deutschschweiz und Westschweiz. Aber es ist doch unsere Aufgabe, diese Gegensätze miteinander zu verbinden.» Ein Ausspielen könne er nicht dulden, man müsse doch auf die Stärken setzen. Und das sei die Vielfalt der Schweiz. Diese Vielfalt müsse man miteinander und zusammen pflegen. Auch hier sei Die Mitte gefordert. «Schauen Sie auf die Länder, wo es keine politische Mitte gibt, die verlieren alle ihren Zusammenhalt.» Darum gilt es laut Gerhard Pfister «unsere Werte zu bewahren und zu pflegen». Und die gründen auf dem Miteinander. «Auch darum ist die Schweiz das schönste und freieste Land der Welt.»
«Hier ist viel Kraft»
Diesen Worten konnte sich Marianne Binder nur anschliessen. Der neue Name symbolisiert laut Binder eine Öffnung. «Das ist ein zentraler und wesentlicher Punkt.» Auch die Kantonalpräsidentin findet den von der SVP aufgebrochenen Stadt-Land-Graben «völlig falsch». So gehe man doch in der Schweiz nicht miteinander um. Gerade der Aargau sei ein klassischer Stadt-Land-Kanton, und die gute Zusammenarbeit untereinander «garantiert den Zusammenhalt». Die Rhetorik, Land und Stadt gegeneinander auszuspielen, passe nicht zur Schweiz. «Und dies hält die Schweiz auch nicht zusammen», so Binder.
Darum schwenkte die Kantonalpräsidentin gerne hinüber auf den Bezirk Bremgarten, «der sehr erfolgreich ist», und auf Wohlen. «Hier in Wohlen ist für unsere Partei sehr viel Kraft vorhanden.» Danke fürs Kompliment, mögen sich die Kandidierenden gedacht haben.
«Ein armer Cheib …»
Die grosse Bühne auf dem Sternenplatz nutzten auch die beiden Mitte-Gemeinderatsmitglieder Ariane Gregor und Paul Huwiler. «Früher», war von Paul Huwiler zu erfahren, habe er die Anonymität von Wohlen geschätzt. Dies hat sich mit der politischen Laufbahn (natürlich) verändert. Nun sei er stolz, an der Entwicklung dieser Kleinstadt mitzuarbeiten. Ariane Gregor machte eine Wandlung in ihrem Ressort durch. «Die Finanzen waren früher nicht mein Favorit», gibt sie zu. In den letzten drei Jahren konnte sie jedoch positive Rechnungsabschlüsse präsentieren, die waren alle besser als budgetiert. Das hat sie gefreut.
Weiter ist Paul Huwiler stolz auf die gelungene Badi-Sanierung und auf den Neubau der Eishalle. «Die strahlen weit über die Ortsgrenzen hinaus.» Ähnlich deklariert er andere Projekte wie etwa die neue Sporthalle Hofmatten oder das Informatikkonzept an der Schule. Dagegen nervt er sich über die Wahrnehmung von Wohlen. «Das Image von Wohlen ist viel besser, als es oft dargestellt wird. Aber Wohlen verkauft sich oft unter Wert, vieles wird kleingeredet.» Wohlen habe kein Geld, sei das Armenhaus des Kantons, so lautet gemäss Huwiler die Kritik. «Wir haben so viele gute Projekte, die nur geschätzt werden.»
Und manchmal werde ihm auch mitgeteilt, dass man als Wohler Gemeinderat rund um den Einwohnerrat ein «armer Cheib» sei. Bei diesem Punkt gab Parteipräsident und Einwohnerrat Harry Lütolf sofort Gegensteuer. Natürlich zanke man sich im Einwohnerrat, das müsse jedoch so sein. «Wir nehmen nicht alles so auf, wie es vom Gemeinderat serviert wird», so Lütolf. Das Parlament hat nun mal eine andere Rolle als die Regierung. --dm



