50 Jahre Vollgas gegeben
10.04.2026 Region UnterfreiamtDer frühere Radrennprofi Werner Stutz sucht eine Nachfolge für sein Fahrradfachgeschäft in Fahrwangen
Die Begeisterung für das Velo hat ein Leben lang gehalten. Erst sammelte Werner Stutz als Rennfahrer Siege, dann führte er sein Fachgeschäft ...
Der frühere Radrennprofi Werner Stutz sucht eine Nachfolge für sein Fahrradfachgeschäft in Fahrwangen
Die Begeisterung für das Velo hat ein Leben lang gehalten. Erst sammelte Werner Stutz als Rennfahrer Siege, dann führte er sein Fachgeschäft mit Erfolg. «Was ich im Sport gelernt habe, davon habe ich als Unternehmer profitiert», sagt er heute.
Chregi Hansen
Noch ist nicht Schluss, noch trifft man Werner Stutz täglich in seinem Fahrradfachgeschäft, das er vor 34 Jahren zusammen mit seiner Frau Barbara eröffnet hat. Doch langsam macht er sich Gedanken über die Zukunft. «Ich habe eine interne Lösung angestrebt für die Firma, aber das hat sich leider nicht ergeben. Also suche ich öffentlich nach einer Nachfolge», sagt Stutz. Denn einfach schliessen will er das Geschäft an der Sarmenstorferstrasse nicht. Zu viel Herzblut steckt hier drin.
1991 war es, als er und seine Frau sich entschlossen, ein Velogeschäft zu eröffnen. Werner Stutz war damals Radrennprofi. Anfang Jahr hatte er noch zusammen mit seinem Kumpel Stefan Joho das Zürcher Sechstagerennen gewonnen, ein Highlight seiner Karriere. Nun aber, zum Start der Tour der France, hatte er noch keinen Vertrag für die neue Saison. «Es war eine schwierige Zeit im Radsport, das Geld war knapp. Und wir Schweizer kosteten im Vergleich viel. Für einen Schweizer gab es damals zwei Belgier», erzählt der 64-Jährige schmunzelnd.
Etwas Eigenes aufbauen
Die Unsicherheit machte auch Ehefrau Barbara zu schaffen. Die beiden hatten zwei Kinder. Werner Stutz war bis zu 250 Tage pro Jahr für seinen Sport unterwegs, «das war sein Beruf, damit verdiente er sein Geld», so Barbara Stutz. Nun drohten die Einnahmen wegzubrechen. Den Entscheid, ein Fahrradfachgeschäft zu eröffnen, fällten sie gemeinsam. «So waren wir eben, wir wollten etwas Eigenes aufbauen», sagt sie. «Durch meine Karriere kannte ich mich mit Velos aus, ich habe sie meist selbst eingestellt und geflickt und konnte auch von unseren Serviceteams viel lernen», sagt er. Zudem seien die Modelle damals viel einfacher gewesen. «Ich war überzeugt, dass es klappt», sagt der gelernte Forstwart und Schreiner heute.
Sportlern eine Chance geben
Doch es kam anders als geplant. Werner Stutz setzte seine Karriere bis 1995 fort. Damit lag die Hauptlast der Geschäftsführung zu Beginn bei seiner Frau. Das erste Lokal stand am Bärenkreisel in Fahrwangen. Vom Start weg hatte er Angestellte, der erste war Armin Meier, damals noch angehender Radprofi, später Direktor der Tour de Suisse. «Ich nenne ihn heute immer meinen ersten Ladenhüter», erzählt Stutz lachend. Das Geschäft florierte schnell, es ging wirtschaftlich fast immer nur bergauf. «Für mich gab es immer nur eine Richtung: vorwärts», sagt Stutz heute. Er hat das Geschäft stetig ausgebaut, sich immer weitergebildet, ein gutes Händchen für seine Angestellten gehabt. Oft waren es ebenfalls Radrennfahrer, die einen Teilzeitjob suchten und denen er eine Chance gab. «Sportler haben gelernt, sich auf eine Sache zu fokussieren und sich durchzubeissen», sieht er einen Vorteil. Auch er habe von seiner Karriere profitiert. Disziplin gelernt. Durchhaltevermögen. Erfolgshunger. Und natürlich die Leidenschaft fürs Velo.
2001 erfolgte der Umzug an den heutigen Standort in den modernen Neubau. Dies war ein grosser Schritt in die Zukunft. «Es war der ideale Ort. Direkt an der Strasse mit vielen Parkplätzen», sagt Stutz. Ab da ging es rasant bergauf. 2012 wurde der Erweiterungsbau in Betrieb genommen. Die offene Werkstatt widerspiegelt die Kompetenz des ganzen Teams. Seit 2013 werden regelmässig Lernende ausgebildet. «Wir sind selbst verantwortlich, dass unsere Branche genügend Fachleute hat», sind die beiden überzeugt.
Giro-Etappe gewonnen, aber Rennen wurde annulliert
Seine Erfolge hätten zu Beginn sicher geholfen, sich einen Namen in der Branche zu machen, ist sich Werner Stutz bewusst. Sein Talent wurde früh erkannt, in jungen Jahren trat er der Radsportschule Wohlen bei, die damals mit Arno Küttel, Stefan Joho und Werner Stutz starke Fahrer herausbrachte. Nach starken Leistungen bei den Amateuren wagte er 1987 den Sprung zu den Profis. «Das war damals der Traum aller Radrennfahrer», sagt er heute. Seine Frau – die beiden hatten damals bereits ein Kind – unterstützte ihn auf diesem Weg. «Ich kannte nichts anderes», sagt Barbara Stutz. Die gebürtige Bremgarterin ist die Schwester von Arno Küttel, über ihren Bruder hat sie Werner Stutz erst kennengelernt.
Stutz konnte einige Erfolge feiern. 1987 gewann er den Prolog der Tour de Suisse und wurde mit dem gelben Trikot gekleidet. Ein Jahr später gewann er eine weitere Etappe, später im Jahr holte er am Grand Prix des Nations, der damals als inoffizielle Zeitfahr-WM galt, den vierten Platz – nur knapp hinter dem zweifachen Tour-de-France-Sieger Laurent Fignon. Später gelang ihm ein Etappensieg am Giro d’Italia, doch das Rennen wurde nachträglich annulliert. «Das war hart», erinnert sich seine Frau, «aber wenigstens durfte er das Preisgeld behalten.» 1990 entschied der gebürtige Sarmenstorfer, der heute in Seengen lebt, das internationale Mehrtagerennen GP Tell für sich. «Es gab einige schöne Momente in meiner Karriere», sagt der Ex-Profi heute.
Das alles ist Schnee von gestern. «Die meisten Kunden heute wissen nichts von diesen Erfolgen», ist er sich bewusst. Sie kommen ins Fachgeschäft, weil hier gute Produkte angeboten und gute Leistungen erbracht werden. Die Radsportstutz AG bietet die ganze Palette an Fahrrädern an, vom Kindervelo über das Strassenvelo, Rennräder, Gravelräder bis zu Mountainbikes. Und natürlich auch E-Bikes. «Die waren ein Glücksfall. Mit ihnen hat die ganze Branche einen Boost erhalten», sagt er.
Gut aufgestellt für Zukunft
Der Weitblick der beiden initiativen Geschäftsleute zahlte sich aus. Dem potenziellen Nachfolger können sie ein kerngesundes Geschäft übergeben. Nach Corona gab es zwar einen Einbruch in der gesamten Branche. «Aber davon haben wir uns erholt», sagt Werner Stutz. Eine Deadline, wann sie aufhören, haben sie nicht gesetzt, «aber es wäre schön, wenn es auf den Jahreswechsel klappt.» Die beiden freuen sich, es in Zukunft etwas ruhiger zu nehmen. Zum Wandern. Oder für Ausflüge mit dem Velo. Noch heute setzt sich Werner Stutz regelmässig aufs Rad. Für eine kleine Tour, wie er sagt. Die dann schon mal 200 Kilometer lang sein kann. Die Begeisterung fürs Velo – sie hält bei ihm ewig.


